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Der ging der Post ab in die Gebläsehalle

Der ging der Post ab in die Gebläsehalle

Neunkirchen. Wenn rund 600 Männer gleichzeitig "Aktienpaket" genau so sagen, dass in etwa genau so viele Damen schmachtend aufstöhnen, dann kann das nur eines bedeuten: Der Familie Popolski ist in der Stadt. Die zehn männlichen "Familienmitglieder" plus die atemberaubende Cousine Dorota wickelten das Neunkircher Publikum am Samstag von Anbeginn um den Finger

Neunkirchen. Wenn rund 600 Männer gleichzeitig "Aktienpaket" genau so sagen, dass in etwa genau so viele Damen schmachtend aufstöhnen, dann kann das nur eines bedeuten: Der Familie Popolski ist in der Stadt. Die zehn männlichen "Familienmitglieder" plus die atemberaubende Cousine Dorota wickelten das Neunkircher Publikum am Samstag von Anbeginn um den Finger. Für die Gebläsehalle war es erneut eine Premiere, denn dieses Mal hieß es zum ersten Mal "teilbestuhlt". Und das bedeutet im Klartext: Lediglich die Tribüne im hinteren Bereich bietet Sitzgelegenheiten, der komplette Saal an sich ist sozusagen Festivalplatz. 1200 gehen so in die Halle, und 1200 waren auch gekommen. Um 19.30 Uhr meldete Jürgen Mayer von der Neunkircher Kulturgesellschaft: "Ausverkauft". Da war die Halle bereits proppenvoll, das Publikum in bester Stimmung. "Wir kennen Der Familie Popolski von ihrer Fernsehsendung, jetzt live sehen und das noch in Neunkirchen - das ist einfach super", sprach Jörg Schneider das aus, was für das Gros der Besucher galt. Aus dem gesamten Saarland und der angrenzenden Pfalz waren sie angereist - durch die Bank Fans der herrlich überzeichnet alle Klischees erfüllenden musikalischen Fernsehfamilie. Kaum setzte Pavel Popolski alias Achim Hagemann den ersten Fuß auf die Bühne, brodelte der Applaus los. Von da an hatten Mirek (Mirko van Stiphaut, Gitarre), Danusz (Daniel Basso, Keyboard), Janusz (Martin Ziaja, Bass), Hejek (Ludwig Götz, Posaune), Stenjek (Rüdiger Testrut, Trompete), die schöne Dorota (Iva Buric Zalac) und die anderen das Publikum im Griff. Unter der Moderation von Pavel am Schlagzeug - Achim Hagemann ist auch der Erfinder der parodistischen Kabarettshow - wurden die Neunkircher nicht nur mit den Eigenarten und den Gepflogenheiten der einzelnen Familienmitglieder bekannt gemacht. Unterstützt von Live-Aufzeichnungen (die ihren komplizierten Weg von der Kamera an Pavels Schlagzeug über schließlich mehrere Satelliten auf die Leinwand der Gebläsehalle-Bühne fanden) und gemeinsames Einstimmen auf "Der Popolski Show" mit dem Trinken von "Wudka" - im Publikum verteilt - machte locker fürs Mitsingen und -klatschen. Alle 20 Minuten genehmigte sich dann Pavel ein weiteres Schlückchen - schließlich schreibe der Polnische Überwachungsverein, der PÜV, das vor. Die Suche der lasziven Dorota nach einem Mann, der "Thriller"-Tanz der Zwillinge Henjek und Stenjek, das traurigste Partylied der Welt ("Ein bisschen Spaß muss sein" als Polka-Ballade), das Solo auf der dreiarmigen Gitarre ("Lied der Schlümpfe") - einfach alles diente nur dem Zweck: zu beweisen, dass der Großvater der konstruierten Familiengeschichte, Piotrek Popolski, Anfang des 20. Jahrhunderts rund 128 000 Popsongs komponiert hat, von denen Schwarzmarktkopien in alle Welt gingen. "Dieter Bohlen hat gestohlen alle Hits aus Polen." Mit dem Auftritt in Neunkirchen am dritten Tag ihrer Tournee hat die Pseudo-Musiker-Familie, die laut Kabarett-Konzept aus Zabrze stammt, eine neue Ära im Veranstaltungsreigen der Kulturstadt Neunkirchen eröffnet, wie er schwungvoller und witziger nicht hätte sein können.