Denkmal eines Querdenkers

Neunkirchen. "Er war ein mutiger, geradliniger Mensch, der auf der Seite der kranken und armen Leute stand. Solche Charaktere bewegen etwas", bedenkt Michaela Gross, die 42-jährige Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin aus Eppelborn, das Leben des legendären Friedrich Wilhelm Pustkuchen

Neunkirchen. "Er war ein mutiger, geradliniger Mensch, der auf der Seite der kranken und armen Leute stand. Solche Charaktere bewegen etwas", bedenkt Michaela Gross, die 42-jährige Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin aus Eppelborn, das Leben des legendären Friedrich Wilhelm Pustkuchen. Der 1793 in Detmold geborene und 1834 in Wiebelskirchen gestorbene Seelsorger war in den Jahren 1831 bis 1834 als Pfarrer in der evangelischen Landpfarrstelle Wiebelskirchen tätig. Bekannt wurde er unter anderem, weil er sich mit dem großen Goethe auseinandergesetzt hat. Intensiv auseinandergesetzt aber hat sich mit diesem Charakter Michaela Gross, bevor sie seine Gesichtszüge in einer Bronzeskulptur ("oft in Nachtarbeit") verewigte. Bernd Bernhardt, Bürgermeister a. D. und Kustos des Archivs und Museums der evangelischen Kirchengemeinde Wiebelskirchen, hatte ihr den Auftrag erteilt, die Büste dieses Querdenkers zu schaffen.Als Vorlage diente der Künstlerin lediglich ein zeitgenössisches Porträt des Pfarrers. "Mir ging es aber nicht darum, dieses Porträt eins zu eins zu formen und in Bronze gießen zu lassen, mich beschäftigte der Mensch hinter dieser Fassade des Bildnisses", erläutert Michaela Gross, die in Nachbarschaft des Kombibades "Die Lakai" mit ihrem Mann Hubert die Natursteinwerkstatt Gross im alten Forsthaus betreibt. Sehr gelungen sind der Künstlerin zwei Ausdrucksformen im Antlitz Pustkuchens: Das Bittere (seiner Armut und Kümmernisse) und das Amüsierte (über die Eitelkeiten seiner Zeit). "Ich habe auch jede Starrheit und jedes Ausgerichtetsein in der Büste vermieden, weil ein Scheuklappenausdruck nicht zu Pustkuchen gepasst hätte", bemerkt die Bildhauerin. Um die Verbundenheit des Pfarrers mit den einfachen Menschen und auch das Bodenständige an Pustkuchen zu symbolisieren, setzte die Bildhauerin die Bronzebüste auf eine Stele aus Türkischem Basalt, dessen Äußeres in hellem Ocker erstrahlt. In diese Stele meißelte sie schaftartige Auskehlungen oder spiralförmig eingerollte Zeichen, klassizistische Symbole, die den Blick in das basaltgraue Innere freigeben, "als könne man in Pustkuchen hineinsehen", sagt sie. Am Anfang der eigentlichen Arbeit wurde eine Tonplastik mit den Gesichtszügen Pustkuchens modelliert und die weiche Tonplastik auf ein maßgerechtes Stück Basalt angepasst. "Mit Samtpfoten" brachte die Künstlerin Ton auf Basalt in die Gießerei des Ateliers Binder nach Süssen bei Stuttgart. Hier wurde der Guss vorbereitet und ausgeführt. Die fertige Büste wurde in Neunkirchen auf der Stele festgedübelt, ehe die etwa 2,20 Meter hohe Skulptur nach Wiebelskirchen gebracht wurde, wo sie vor wenigen Tagen im neu gestalteten Teil des Ortszentrums, unterhalb der evangelischen Kirche, aufgestellt wurde. Auftraggeber und Sponsoren, darunter die Stadt Neunkirchen, sind begeistert von dieser Arbeit, die eine Bereicherung der Neunkircher Kunstschätze ist. "Mich beschäftigte der Mensch hinter dieser Fassade des Bildnisses."Michaela Gross