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Demokratie ist mehr als „Abstimmen”

Demokratie ist mehr als „Abstimmen”

Das Jugendforum im Landkreis Neunkirchen thematisierte „Demokratie im Alltag“ mit Vortrag, Diskussion und Rollenspielen.

Angenommen zwei Wölfe und ein Schaf wollen gemeinsam dinieren und stimmen darüber ab, was es geben soll. Ist das Demokratie? Dass die Mehrheit entscheiden soll, fanden die rund 15 Jugendlichen, die am Mittwochnachmittag im KommZentrum in Neunkirchen beisammen saßen, schon mal ganz gut. Allerdings könnte das für das Schaf übel enden. Es müsste also Regeln geben, da war man sich einig, die erstens Grundrechte wie das auf Unversehrtheit sichern und zweitens Minderheiten eine gewisse Berücksichtigung ihrer Stimmen garantieren.

Mit der Tier-Parabel machte Michael Groß vom Adolf-Bender-Zentrum (ABZ) gleich zu Beginn seines interaktiven Vortrages klar, dass Demokratie mehr bedeutet als "Abstimmen". "Für viele Leute ist Demokratie eine leere Worthülse, deshalb wollen wir heute herausfinden, was sie ganz konkret für unseren Alltag bedeutet", so Groß. Eingeladen hatte ihn das Jugendforum im Landkreis Neunkirchen, das Teil der "Partnerschaft für Demokratie" des Landkreises im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" ist und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird. Gegründet wurde es 2016 und seither erscheinen zu den regelmäßigen Treffs im Schnitt sieben bis 15 Jugendliche. "Wir haben auch schon einige Projekte umgesetzt, so ein Konzert gegen Rassismus und ein Interkulturelles Werken", erklärte Florian Klein, Leiter des Forums und Pädagogischer Mitarbeiter beim ABZ. Ende letzten Jahres hätten einige Jugendliche dann geäußert, dass sie zum Thema Demokratie gerne noch Genaueres erfahren würden.

Und das konnten sie nun auf ganz lockere Weise und in freundschaftlicher Atmosphäre. Dabei ließ Groß die Teilnehmer auch mit den eigenen Gedanken und Verhaltensweisen experimentieren. Bei einer Übung nahmen sie Rollen von Vertretern verschiedener Gesellschaftsteile ein, bei einer weiteren wurde ein Interessenkonflikt ausgelöst: Groß teilte die Jugendlichen in drei Gruppen ein und gab jeder einen geheimen Auftrag. Die erste Gruppe sollte die im Raum befindlichen Stühle an die Wand stellen, die zweite sollte sie stapeln und die dritte sollte mit ihnen einen Sitzkreis bilden. Auf den Startschuss hin versuchten zunächst alle, ihre Aufgabe zu erfüllen, bis sie feststellten, dass sie sich gegenseitig in die Quere kamen. Dann erst begann man, zu kommunizieren: "Was wollt ihr mit den Stühlen machen?" Gruppe eins und zwei konnten ihre Interessen vereinen: Sie stapelten die Stühle gemeinsam an der Wand. Gruppe drei jedoch hatte gegen die Übermacht das Nachsehen: Ihr wurden die Stühle unter dem Hintern weggezogen. "Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse und zumeist will man zuerst einmal die eigenen erfüllen", sagte Groß.

Die Jugendlichen waren mit Eifer dabei und diskutierten lebhaft, wie sich Bedürfnisse in einer heterogenen Gesellschaft ausbalancieren lassen. Sie wollen Demokratie verstehen: "Es ist schließlich wichtig, dass das Volk regiert und nicht eine Gruppe Weniger von oben herab", sagte der 16-jährige Moritz Neu. "Ich bin hier, weil ich mehr zu dem Thema lernen und mich dann selbst engagieren will", sagte die ebenfalls 16-jährige Tiffany Byrd.