Dem Netz nicht auf den Leim gehen

Wellesweiler. Internet ist für viele noch das großes Zauberwort: weltweit kommunizieren, einkaufen, informieren und vergnügen - ein virtuelles Paradies auf Erden. Doch die Vertreibung lauert hinter jedem unbedachten Mausklick. Vermeintlich kostenlose Serviceleistungen erweisen sich als Abo-Fallen

Wellesweiler. Internet ist für viele noch das großes Zauberwort: weltweit kommunizieren, einkaufen, informieren und vergnügen - ein virtuelles Paradies auf Erden. Doch die Vertreibung lauert hinter jedem unbedachten Mausklick. Vermeintlich kostenlose Serviceleistungen erweisen sich als Abo-Fallen. Mal eben schnell Musiktitel herunter laden oder Raubkopien aktueller Kinofilme anschauen? Das kann horrend teure Abmahnungen, im schlechtesten Falle sogar Gefängnisstrafen nach sich ziehen.Keine Einzelfälle, sondern tagtägliche Praxis auch in Neunkirchen - daran ließen die drei Vortragenden in der Aula der ERS Wellesweiler keinen Zweifel. "Neben Komasaufen ist Internet unser wichtigstes Thema", erklärte Polizist Gernot Müller vom Landesinstitut für Präventives Handeln St. Ingbert. Gerade Jugendliche nutzen das Medium oft sorglos, wenn nicht sogar naiv. Da sind Name, Geschlecht und Alter aus E-Mail-Adressen ersichtlich oder wird leichtfertig mit Passwörtern umgegangen. Was Missbrauch erleichtert. "Wir haben in den Siebener-Klassen nachgefragt, wer schon mal im Internet sexuell belästigt wurde", erzählte Peter Sommerhalter vom Verein Pro Kids. Die Hälfte der Mädchen habe die Hand gehoben. Durchschnittlich drei Stunden surfen Jugendliche täglich. "Sechs bis sieben Stunden sind die Spitze", so Müller. Das erste, was jeder Nutzer verinnerlichen sollte: "Das Internet ist definitiv kein rechtsfreier Raum." Vielmehr gelten dort laut Sommerhalter "dieselben Regeln wie im normalen Leben". Wer sich sicher fühlt, weil er ja angeblich anonym surft, irrt. "Sie hinterlassen überall Spuren", mahnte Juristin Yvonne Schmieder von der Verbraucherzentrale Saar. Und: "Das Internet vergisst nie." Weshalb sich Schulleiter Arno Schley ab und an genötigt fühlt, Tacheles mit Schülern zu reden. "Die wundern sich immer, dass wir Älteren auch online gehen." Doch dann sind die unvorteilhaften Spaßfotos in alkoholisiertem Zustand oder Steckbriefe mit den Hobbys Saufen oder Chillen bereits ins Netz gestellt. "Damit habt ihr eure Bewerbung schon abgegeben." Längst ist es üblich, dass Firmen vor Einstellungsgesprächen die Bewerber googeln. Schlecht etwa für jene jungen Leute aus dem Kreis Neunkirchen, die sich im Internet als "Schule - scheiß drauf"-Gruppe outen. "Vor allem, wenn sie später selbst mal Lehrer werden wollen", grinste Sommerhalter.Womit auch immer mehr Schüler zu tun haben, ist Internet-Mobbing. "Das ist heftig geworden", sagt Schley, der oft nicht weiß, wie er Rat suchenden Eltern helfen soll. Der Informationsabend als Hilfsangebot wurde trotzdem eher mäßig genutzt. "Das ist das Kernproblem. Es sind wieder die falschen Eltern da", bedauerte der Pädagoge. Auch wenn es oft Berührungsängste mit dem Medium gibt: Raushalten empfiehlt sich weder für Lehrer noch für Eltern. "Das Internet vergisst nie."Juristin Yvonne Schmieder