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Fördermittel Landaufschwung für Mobilität
Daumen raus und los geht’s

Schon mal Platz genommen auf einer der Münchwieser Mitfahrer-Bänke haben (von links) Giesela Holweck (82), Hilde Freiberger (83), Ingeburg Ufer (83) und Julitta Schulz (75).
Schon mal Platz genommen auf einer der Münchwieser Mitfahrer-Bänke haben (von links) Giesela Holweck (82), Hilde Freiberger (83), Ingeburg Ufer (83) und Julitta Schulz (75). FOTO: Jörg Jacobi
Münchwies. Zum Projekt „Mitfahrerbänke Münchwies“ gehört auch die Online-Mitfahrzentrale. Jedes Ziel wird angesteuert. Von Claudia Emmerich

Als das rote Band durchschnitten, das Foto mit den Offiziellen im Kasten war, da nahmen auch vier Damen aus dem „Dorf am Himmel“ auf der neuen Mitfahrer-Bank in der Lautenbacher Straße Platz: Julitta Schulz (75), Ingeburg Ufer (83), Hilde Freiberger (83) und Giesela Holweck (82). Dieses Platzangebot kann das Quartett und andere mobil machen – in die nahegelegenen Nachbarorte Lautenbach, Hangard und Frankenholz und zurück  (siehe Grafik). Dort gibt die Infrastruktur noch manches her, was im 1150-Seelen-Dorf Münchwies vorbei ist. Es fehlen Einkaufsmöglichkeiten, Arztpraxen oder eine Bankfiliale. Doch ohne Auto und öffentlichen Nahverkehr sind auch diese kurzen Entfernungen nicht zu überwinden.


Mobilität fördern. Das motivierte die Projekt-Macher. Initiiert wurde „Mitfahrerbänke Münchwies“ von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland (KISS). Projektleiterin Beate Ufer (selbst Münchwieserin) und ihre Mitarbeiterin Stephanie Kratz haben ein halbes Jahr Vorarbeit reingesteckt (die SZ berichtete). Am Freitag bei der offiziellen Einweihung war dann auch ein Tag des Stolzes und des Dankes: „Ich bin erleichtert und freue mich“, so Ufer. „Es ist ein großes Gemeinschaftsprojekt geworden. Übergreifend über Parteien, Kommunen.“ Auch Landrat Sören Meng sprach von einem Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit, von der so viel geredet werde. Beteiligt sind Neunkirchen, Ottweiler und Bexbach. „Schön, wenn vielleicht noch andere Stationen dazukommen.“

Finanziert wird das Projekt mit Mitteln aus dem Programm Landaufschwung – exakt 14 355 Euro. Beim Aufstellen der Bänke unterstützte Effizienz Keller aus Waldmohr. Jede Bank – Holzlatten auf einem Betonsockel, Sitzhöhe 53 Zentimeter, Armlehnen - bringt 400 Kilo. Also ziemlich standfest. Sechsmal sind die Bänke im Doppel aufgestellt, in Hangard aus Platzgründen als Einzelbank. An der Seite lassen sich schwarz auf weiß die Zielschilder einstellen. In der Lautenbacher Straße dreht  der Mitfahrwillige auf Lautenbach oder Hangard in die eine Richtung, auf Frankenholz in die andere. Will er nicht fahren, sondern einfach mal sitzen, lässt er die Grundeinstellung „Mitfahrerbank“. Damit das Hin und auch Zurück funktioniert, wurden sieben Sitzgelegenheiten aufgestellt. Vier Bänke in Münchwies (da geht es den Berg hoch und runter), drei Gegenbänke in Frankenholz, Lautenbach und Hangard.



Die Bänke sind die eine Komponente des Projektes, sagt Beate Ufer, die zweite Komponente ist die Online-Mitfahrzentrale. Stephanie Kratz stellte diese Angebot nach der Bank-Einweihung im benachbarten Pfarrheim beim Umtrunk vor. Hier lassen sich von zu Hause über PC, Tablet oder Smartphone Fahrten suchen und finden. So kommen passende Fahrgemeinschaften  für einmalige oder regelmäßige, geplante oder spontane  Fahrten zusammen. Sie sind nicht  auf die innerörtliche Mobilität oder die Nachbarorte beschränkt, sondern bieten Raum für individuelle Ziele. Die Mitfahrerbänke können dann Treffpunkt sein. Informiert wird auf der Seite auch über Themen wie Sicherheit (Bei wem steige ich ein?) und Versicherungsfragen (Haftung).

Nach einiger Zeit werde es eine Befragung zum Projekt geben, sagt Beate Ufer: „Vielleicht können wir eine Handlungsempfehlung für andere Kommunen entwickeln.“ Sie hoffe, dass auch jüngere Menschen das Angebot nutzen. Und auch umweltbewusste Menschen, die ihren „ökologischen Fußabdruck“ reduzieren wollen.

„Ein gutes Projekt“, wertete  Hilde Freiberger schon mal bei der Einweihung. Und schob lächelnd hinterher: „Vielleicht wird man dann nicht an der Bank abgesetzt, sondern nach Hause gebracht und die Tüten werden rein getragen.“