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Das Kreativzentrum Kutscherhaus in Neunkirchen liefert viele Inhalte digital

Kreativzentrum Kutscherhaus : „Unsere Zeit besteht aus Gold“

Kunst nach Hause ins Quartier bringen. Auch digital. Das Projekt „Light up! Neunkirchen“ des Kreativzentrums Kutscherhaus bietet ein vielfältiges Online-Angebot.

„Drei Sachen täglich raushauen“, lautet das Ziel Edda Petris dieser Tage – virtuelle Sachen, was sonst. Solange es die Ausgangsbeschränkungen gibt, stellt das Team des Kreativzentrums Kutscherhaus alle Angebote auf digitale Formate um – soweit das irgend möglich ist. Tatsächlich ist sehr viel möglich, um den Neunkirchern auch in dieser schwierigen Zeit Angebote kultureller Art liefern zu können – passiver, aber eben auch interaktiver Art: „Wir hoffen damit die zarten Pflänzchen zu erhalten, die wir an Kontakten im Quartier aufgebaut haben.“ Zusammen mit Netzwerkmanagerin Dana Almatt und Manuela Schmidt von der Agentur GOALICE! hat die Integrationsmanagerin ein abwechslungsreiches Programm entwickelt und im Netz platziert. Besonders daran ist nicht nur die Vielfalt der Projekte, sondern auch die durchgehende Zweisprachigkeit Deutsch und Arabisch. Angelegt ist das Mammut-Kultur-Paket zunächst auf vier Wochen. „Dann gucken wir weiter.“

Um was genau es sich handelt? Da wäre zum einen das „Corona-Tagebuch Neunkirchen“: „Wir haben uns gefragt, was die Menschen in der aktuellen Situation bewegt. Was macht diese Zeit mit uns?“ Wer möchte, kann seine Erlebnisse, Ängste, Sorgen, aber auch Hoffnungen rund um die Corona-Krise im virtuellen Tagebuch teilen. „Alle sind aufgerufen, uns ihre kreativen Beiträge wie Texte, Gedichte, Bilder, Fotos oder Videos per E-Mail an: info@lightup-nk.de zuzusenden.“ Auf Facebook wird regelmäßig eine kleine Auswahl veröffentlicht. Eine der schönsten Zusendungen kam bisher von Shaymaa Schaar, einem syrischen Mädchen. Sie listet auf, was trotz Einschränkungen noch alles möglich ist, zum Beispiel Vokabeln lernen – oder mit den Zehen die Computertastatur zu bedienen: „Unsere Zeit besteht aus Gold, also nutze sie aus“, lautet ihr Credo.

Mit dem Projekt „Schmöker, Heckmeck & Klimbim“ möchte das Trio Neunkircher Eltern entlasten: „Wir haben die tägliche Gute Nacht-Geschichte übernommen.“ Immer um 19.30 Uhr erscheint auf dem Kutscherhaus Neunkirchen You Tube-Kanal von Montag bis Freitag eine neue Geschichte im Wechsel auf arabisch oder deutsch. Jede Folge endet mit einem Gewinnspiel. Die Resonanz sei super: „Hier kommen täglich Bilder von Kindern an“, freut sich Edda Petri. Toll sei auch, dass die arabisch sprechenden Kinder sich zunehmend die deutschen Beiträge ansehen.

Eher an Erwachsene richten sich die Fünf-Minuten-Workshops. Wobei das Spektrum von „Hausarbeit & Tanz“ über „Gesang & Atemtechnik“ bis hin zu Coaching reicht. „Alle Workshops werden von Profis geleitet“ – womit man Künstler aus der Region unterstützen will, die derzeit erhebliche Umsatzeinbußen zu verkraften haben.

Und dann gibt es da noch die Kultur-Spendierer fürs Quartier. Mehr als 50 renommierte Künstler aus dem gesamten deutschsprachigen Raum wurden gefragt, ob sie Lust und Zeit hätten, den Neunkirchern fünf Minuten ihrer Kunst zu schenken. Und siehe da: Viele wollen – darunter Pianisten, Opern- und Musicalsänger und Tänzer. Die größte Überwindung dürfte es Schauspielerin April Hailer gekostet haben, mutmaßt Edda Petri: „Eigentlich nervt sie das“, diese Übertragungen von heimischen Computern, vor denen man in Jogginghose sitzt, Kulturverfall im wahrsten Sinne. Aber ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Mittel. Dass ein entspannter Umgang mit den neuen Medien keine Frage des Alters ist, beweist Elfie Elsner. Die 82-jährige „große Diva des Saarländischen Staatstheaters“ postete ihre Interpretation des Erich Kästner Gedichts „Sachliche Romanze“.

Noch mal zum selber aktiv werden lädt die Gruppe „Happy Stones Neunkirchen ein“. Gestartet wurde diese Aktion lange vor Corona 2015 in den USA. „Auch im Saarland werden bereits fleißig Steine bemalt und anschließend in der Natur ausgewildert. Wer einen solchen Stein findet, darf ihn gern behalten. Im Gegenzug sollte dann aber ein neuer bemalt und versteckt werden.“ Die Initiative stammt von einer Bewohnerin des Quartiers.

Ein buntes Angebot findet sich im Youtube-Kanal des Kutscherhauses. Foto: Elke Jacobi

Ebenfalls beim Spaziergang entdecken kann man in Kürze das von der Schiffweiler Illustratorin Catrin Raber entworfene Plakat „Nachbarschaft stärken!“. „ Wir werden es an allen Bushaltestellen aufhängen – für den Zusammenhalt in einem Viertel, in dem knapp 3000 Menschen aus 105 Nationen leben“, sagt Petri.