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So waren die Neunkircher Bliestage
„Das friedlichste Stadtfest seit langem“

Die Massen hatten sich auf dem Stummplatz versammelt. Hier traten am Samstagabend Zibbz (unser Foto) und Michael Schulte auf.
Die Massen hatten sich auf dem Stummplatz versammelt. Hier traten am Samstagabend Zibbz (unser Foto) und Michael Schulte auf. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Bei den Neunkircher Bliestagen gab es super Stimmung bei den bestens besuchten Events, aber auch einiges an Kritik. Von Anja Kernig

„Habt ihr eure Schwimmflügel dabei?“ Danke der geistreichen Nachfrage. Aber nein, hatten die jungen Leute in den knallorangen Uniformen natürlich nicht. Dafür Leitern und einen ausgebildeten „Strömungsretter“ pro Schicht, der, mit Helm und an Seilen gesichert, in die Blies gefallene Festbesucher retten würde. Doch das blieb zum Glück Theorie. Stattdessen wurde auf den Bliesterrassen am Wochenende ab den Abendstunden fleißig und friedlich die Seele baumeln gelassen und gefeiert.


Für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) war das Stadtfest, das ab sofort auf den Namen Bliestage Neunkirchen hört, eine Premiere. Auch wenn Ertrinken bei einer Wassertiefe von 50 Zentimetern absurd erscheint. Gefährlich sei das Geröll im Flussbett, erklärte Bezirksleiter Eric Scheid. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man mit dem Kopf aufschlägt und bewusstlos im Wasser liegt.“ Ganz einfach sei es nicht gewesen, für drei Tage durchgängig eine siebenköpfige Mannschaft zu rekrutieren. Außer den örtlichen Gruppen beteiligten sich deshalb auch Ottweiler, Eppelborner und Illinger Ehrenamtliche – die dann zum Dank immer mal wieder mit Sprüchen, siehe oben, konfrontiert wurden.

Die Bliespromenade war es auch, die die Gemüter am meisten erhitzte. „Zu weit ab vom Schuss“, „erbärmlich“,  „die findet man gar nicht“, „zu unattraktiv“, kommentierten vor allem die älteren Festbesucher. Bei der Klientel selbst kamen DJ und Bewirtung dagegen super an, berichtet Uwe Wagner, Chef der veranstaltenden Kulturgesellschaft. „Es herrschte Clubfeeling, genau wie geplant.“ Ihn freute, dass die Neunkircher Jugendlichen so „gechillt feiern können“, gerade weil ihnen ja gern das Gegenteil nachgesagt wird.

Apropos. Friedlich ging es bis Redaktionsschluss an allen drei Festtagen zu, so friedlich, wie seit langem nicht mehr, betont Wagner. Dass es trotzdem permanent schrille Schreie gab, lag an den Probanten des Fahrgeschäfts „Chaos“. Die wurden mit solcher Wucht mittels Riesenpendel durch die Luft gewirbelt, dass einem schon vom Zuschauen der Magen rebellierte. Für handfeste Verwirrung sorgte der Untere Markt. Der war Tage zuvor schon abgesperrt worden – und am Freitag wieder beparkbar. Die versprochene Kirmes verkleckerte sich derweil auf der Lindenallee und dem Lübbener Platz. Wie Christian Schwinn, Geschäftsführer der für die Neukonzeption maßgeblich verantwortlichen Agentur Acpress, informierte, war die Hauptattraktion wegen eines Getriebeschadens kurzfristig ausgefallen. Hinzu kam, dass sich die Stromkapazitäten als unzureichend erwiesen. Improvisieren wäre extrem teuer geworden, weshalb man sich am Donnerstagmittag gegen den Unteren Markt entschied.

Dabei war es dort immer so schön, „nicht so gedrängt wie hier“, machte Jennifer Jungblut von den Roten Funken ihrem Ärger Luft. Auf dem Stummplatz standen die Getränkestände der vier Karnevalsvereine und des SV Kohlhof dicht an dicht – und mussten zusätzlich die Konkurrenz etlicher gewerblicher Anbieter verkraften. Zudem fehlten Sitzmöglichkeiten, „da bleibt die Kundschaft weg“. Mit Wehmut denkt auch Madeleine Pirrung an das frühere Festareal mit Bühne an der Christuskirche: „Da hat jeder Verein etwas anderes angeboten“ und auch musikalisch passte es irgendwie besser. „Hier fehlt mir das typische Stadtfest-Feeling. Mit Coverbands“, ergänzte Jennifer Jungblut. Aber „DJ Ferro gestern war gut“.



Über jedweden Zweifel erhaben war das Feuerwerk am Freitagabend. „Phänomenal“, lobte Familie Rietschel, die aus Hessen auf Besuch im Saarland weilte und sich vom Stadtfest positiv überrascht zeigte. „Hier ist richtig was los.“ So gab es am Eröffnungsabend auf dem Stummplatz und den angrenzenden Zonen kaum noch ein Durchkommen. Was sich am Samstag beim vielbejubelten Auftritt von Michael Schulte wiederholte. „Uns wurde von vielen Seiten bestätigt, dass mehr Besucher da waren als in den Jahren vorher“, informierte Wagner. Und was war mit den Kindern? „Für die wird viel geboten“, lobte Adrian Weinland, ansonsten eher unglücklich mit den neuen Bliestagen. „Seit ich denken kann, gehe ich aufs Stadtfest“, erzählte der gebürtige Neunkircher. Es sei deutlich „kleiner geworden“, generell bestehe eine Tendenz zum „Verschlimmbessern“. Die Fahrt mit dem Riesenrad ist für Tochter Lara (5) jedes Mal „das Highlight“. Diesmal ein etwas zweifelhaftes, da „zwischen zwei Parkhäusern verbaut“. Entschädigt wurde Lara von Zauberer Johann Wolfgang Goethe und seinem sechsköpfigen Team. Auf dem zur Spielinsel umfunktionierten Parkplatz in der Pasteurstraße sei das Schminken am schönsten, strahlte das kleine Eiskönigin Elsa-Double. Der Standort war kurzfristig hierher verlegt worden – ohne die Bespielung des Unteren Marktes hätte man hinter der Luther-Schule auf zwar schattigem, aber verlorenem Posten gekämpft. Etwas zu heiß war es für die Stadtrallye der Kinderkommission, bei der es fürs Entdecken von Sense Eduard & Co. Sachpreise zu gewinnen gab. Aber die Kinder konnten auch einfach nur jonglieren,  puzzeln, im Mini-Bassin planschen und  malen, was gerade die Flüchtlingskinder mit viel Eifer taten. „Erst haben sie sich geschämt“, berichtete Saidani Redouane, der arabisch übersetzte. „Aber als das Eis gebrochen war, hatten sie richtig viel Spaß.“ Und wem das alles noch nicht reichte, der konnte zu den Daalern gehen. Die hatten „Kuscheln“ für einen Euro im Angebot. Die Nachfrage hielt sich allerdings in Grenzen.

Damit im Falle eines Falles schnell die Rettung naht, hatte das DLRG Bezirk Neunkirchen Dienst an der Blies. Hier Philip Neu (links) und Eric Scheid.
Damit im Falle eines Falles schnell die Rettung naht, hatte das DLRG Bezirk Neunkirchen Dienst an der Blies. Hier Philip Neu (links) und Eric Scheid. FOTO: Jörg Jacobi