| 19:18 Uhr

Das Dorf am Himmel

Die Fernsicht von Münchwies in die Region ist sehenswert. Bei gutem Wetter reicht die Sicht bis zum Schaumberg. Fotos: Robert Schmidt
Die Fernsicht von Münchwies in die Region ist sehenswert. Bei gutem Wetter reicht die Sicht bis zum Schaumberg. Fotos: Robert Schmidt
Münchwies. Für eine Sommer-Serie haben wir Ortsvorsteher im Landkreis nach markanten Punkten in ihrem Ort gefragt, die die SZ nun während der Sommerzeit vorstellt. In Münchwies gibt es am Ortsrand eine schöne Aussicht mit Blick bis zum Schaumberg. Robert Schmidt

Den Neunkircher Ortsteil Münchwies bringen viele mit ihrem wohl bekanntesten Bewohner, dem Landes-Politiker Tobias Hans (CDU ) und der Klinik für Suchtkranke in Verbindung. Für Ortsvorsteher Rolf Altpeter (SPD ) ist Münchwies viel mehr. "Man nennt den Ort nicht ohne Grund das Dorf am Himmel", sagt Altpeter. Der Ort heiße so, weil er so hoch liege und wohl auch, weil hier so viele Katholiken leben. Gemeinsam mit Eva Hans und Dieter König, die mit Klaus Charrois und Mischa Ecker den Ortsrat bilden, lädt er zu einer Spritztour zum Münchwieser Aussichtspunkt am Dorfeingang. Der Weg hat sich gelohnt: der Blick schweift weit über Hügel und Täler. "Dort ist der Schaumberg ", sagt der Ortsvorsteher, "und dort Cattenom". Die Waldlage sei für ihn ein besonderes Naturerlebnis, kommentiert König.



Altpeter, gebürtiger Wiebelskircher weiß, wie die Münchwieser ticken. "Hier hält die Dorfgemeinschaft fest zusammen", sagt er. Gemeinsam stelle man so manches auf die Beine. "Ein zehn Tage andauerndes Feuerwehrfest, so etwas findet sich nirgendswo sonst in Deutschland." Neben den aktiven Feuerwehrleuten gebe es auch noch einen florierenden Musikverein und regelmäßige Seniorenmittagessen im Pfarrheim. Die Dorfgemeinschaft pflege zusammen die Dorfmitte. Altpeter lobt: "Hier schwätzt man nicht, man macht's."

Doch die Münchwieser Mentalität ist vielfältig. "Das sind auf der anderen Seite auch Leute, die haben den Schelm im Nacken", erklärt Altpeter lachend. Charakteristisch für den Ort seien nämlich die Münchwieser Spitzbuben, nach denen der auch der Spitzbubenweg 13/14 benannt wurde. Bei allem Gemeinschaftsgeist und aller Lebensfreude wohne vielen Münchwiesern allerdings auch eine Angst inne: "Als entlegendster Ortsteil von Neunkirchen befürchtet Münchwies , dass es benachteiligt wird." Tatsächlich gibt es einiges, was in Münchwies (1150 Einwohner)

nicht so gut läuft, berichten die Ortsräte. Außer dem Sportheim gebe es im Ort keine Kneipe mehr, es fehle ein Allgemeinmediziner und eine Einkaufsgelegenheit. Donnerstags fahre ein Verkaufswagen vor. Auch die Busverbindung ins nahe Bexbach sei schlecht, lediglich ein Anrufsammeltaxi gebe es auf der Strecke.

Während des kleinen Rundganges halten die drei auch am Friedhof an, um vom Dorf und seiner Geschichte zu erzählen. Am Eingang des übrigens ebenfalls sehenswerten Friedhofes steht ein Grenzstein mit einem Hinweisschild, das auf die sich am Friedhof befindliche Grenze zwischen Preußen und Bayern erinnert. Der so genannte Fremgenstein erzählt die Geschichte eines katholischen Küsters namens Jakob Fremgen aus Höchen. Fremgen war beim preußischen König in Ungnade gefallen und konnte deshalb die Zeremonien des Pfarrers nur vom Grenzstein aus begleiten.



"Ich hätte nicht gedacht, dass der Friedhof hier so ein sensibles Thema ist", sagt Altpeter rückblickend. Welche große Bedeutung das Thema Abschied für die Münchwieser hat, zeige auch das letzte Geleit für den ehemaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden im Landtag und Münchwieser Peter Hans im Jahr 2007. "Für den Trauerzug durch den Ort wurde eine ganze Straße gesperrt", weiß Altpeter zu berichten. Es wird klar: "Unser Dorf am Himmel" ist nicht bloß eine leere Floskel.

Ortsvorsteher Rolf Altpeter (rechts) mit Eva Hans und Dieter König bei der Besichtigungstour durch Münchwies.
Ortsvorsteher Rolf Altpeter (rechts) mit Eva Hans und Dieter König bei der Besichtigungstour durch Münchwies.