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„Das Abitur ist kein Geschenk“

„Das Abitur ist kein Geschenk“

Am Ende entscheidet eine Handvoll Prüfungen über den Erfolg von zwölf Jahren Schule. Auch im Landkreis haben gestern die Abitur-Prüfungen begonnen. Wir haben uns im Gymnasium am Steinwald umgehört.

Die Gesichter wirken gelöst. Gar nicht so, als hätte da jemand fünf Stunden Deutsch-Abitur geschrieben, gar nicht so, als hätte gerade die härteste Prüfungsphase der Schulzeit, das Abitur, begonnen. "Eigentlich war es sogar ganz gut", sagt Florian Schädler, als er aus der Aula des Gymnasiums am Steinwald tritt. Er lächelt. Drei Aufgaben standen zur Auswahl. Eine Frage zu Heinrich Manns "Der Untertan", eine Textanalyse und eine Analyse von Johannes R. Bechers Gedicht "Berlin". Schädler hatte sich für die Textanalyse entschieden. "Ich muss aber gestehen, dass ich für Deutsch nicht ganz so viel gelernt habe. Aber ich bin ganz zufrieden. Die Aufgabe war auf jeden Fall machbar."

Und das sollen die Abitur-Aufgaben auch sein, sagt Deutsch-Lehrer Christian Braun: "Ich fand die Anforderungen in den letzten Jahren anspruchsvoll, aber ordentlich." Denn das Niveau solle so hoch sein, dass es auch ein durchschnittlicher Schüler bestehen kann. Zu einfach darf es aber auch nicht sein. "Das Abitur ist auch kein Geschenk."

Immerhin die Buch-Auswahl erwischte einige kalt. Viele Schüler - insgesamt schreiben laut Bildungsministerium rund 370 Schüler im Landkreis dieser Tage Abitur - hatten damit gerechnet, dass in diesem Jahr ein anderes Buch drankomme. Schließlich war der "Untertan" schon in den vorangegangenen Jahren Thema. "Deshalb habe ich auch die Textanalyse gemacht", sagt Björn Süsser, "Ich hatte mich auf die anderen zwei Bücher vorbereitet. Da war für mich direkt klar, dass ich notgedrungen die Textanalyse mache." Doch auch er wirkt nicht unzufrieden: "Dafür, dass ich mit etwas anderem gerechnet hatte, war es ganz okay."

Dafür kam das Thema den E-Kurs-Schülern gelegen. Die hatten sich nämlich schon im Unterricht intensiv mit dem Untertan beschäftigt. "Wir hatten sogar eine Arbeit geschrieben, in der es auch ein wenig um dieses Thema ging", sagt Julia Schneider, "Deshalb kann ich mich nicht beschweren."

Franz Johann schon gar nicht. "Ich hatte ein Stück gezockt mit der Literatur. Aber ich hatte Glück." Nach dem Glücksspiel mit dem Thema setzte er beim Schreiben vor allem auf Struktur. "Die erste Stunde habe ich mir eine Mind-Map gemacht, und dann erst in der zweiten angefangen, zu schreiben."

Auch Barbara Siffrin hat sich Zeit gelassen, bevor sie zu schreiben anfing. "Ich bin das Buch komplett durchgegangen und habe mir die wichtigen Stellen angestrichen. Und dann erst habe ich mich ans Schreiben gemacht."

Überhaupt schienen nur wenige Schüler in diesem Jahr in arge Zeitnöte geraten zu sein. "Insgesamt war die Prüfung anders als erwartet. Aber eigentlich ganz gut", sagt Doreen Hartmann. Sie konnte ihren Text sogar noch einmal durchgehen: "Ich habe ihn locker noch komplett Korrekturlesen können."

Doch wirklich Zeit, sich von ihrer ersten Prüfung zu erholen, blieb gestern den Wenigsten. Für viele der 96 Schüler des Gymnasiums am Steinwald, die zum Abitur angemeldet sind, steht nämlich heute mit Englisch schon wieder die nächste Prüfung an.