Dankbar sein für das eigene Glück

Dankbar sein für das eigene Glück

Die ersten Wochen des muslimischen Fastenmonats Ramadan ist vorbei. Er beginnt am 18. Juni, letzter Fastentag ist der 16. Juli. Danach ist das dreitägige Fest des Fastenbrechens. SZ-Redakteurin Dörte Grabbert hat mit der Saarbrücker Muslima Douha Jelassi über die besondere Zeit des Ramadan gesprochen.

Douha Jelassi, was bedeutet Ramadan für Sie?

Douha Jelassi: Wir begehen den Fastenmonat Ramadan , um uns einfach wieder bewusst zu werden, wie gut es uns doch geht. Es mangelt uns im Grunde an nichts. Wir sollen 16 Stunden am Tag ohne Essen und Trinken auskommen und haben abends dann einen reich gedeckten Tisch. Andere auf dieser Welt hungern ihr Leben lang ohne Aussicht darauf, jemals einen reich gedeckten Tisch auch nur zu sehen. Es gibt soviel Leid auf dieser Erde, das nur so an uns vorbeigeht, und der Fastenmonat Ramadan macht uns wieder darauf aufmerksam und lässt uns wieder dankbar dafür sein, in welchem Luxus wir doch eigentlich leben. Man hat außerdem das Gefühl Gott näher zu sein und nicht nur seinen Körper zu entgiften sondern auch seine Seele. Gerade jetzt im Sommer, wo der Tag so lang ist, kommt man an seine Grenzen, man lernt, seine Bedürfnisse in den Griff zu bekommen und geduldig zu werden. Nach Ramadan fühlt man sich immer freier.

Wie leicht beziehungsweise schwer fällt das Fasten?

Jelassi: Die ersten Tage ist es meistens schwer, und man muss den Drang, sich etwas aus der Lust heraus in den Mund zu schieben, widerstehen. Und um so stolzer ist man, wenn man abends beim ersten Glas Wasser am Tisch sitzt und denkt, geschafft! Aber nach spätestens einer Woche hat man sich daran gewöhnt. Und der Ramadan verläuft sehr schön.

Was sind die besonderen Momente für Sie und Ihre Familie im Ramadan ?

Jelassi: Wenn wir abends alle zusammen am Tisch sitzen und alle gleichzeitig anfangen zu essen und zu trinken. So war es auch schon in meiner Jugend. Wir sind fünf Kinder gewesen, und da war dann immer was los beim Essen und jeden Tag war Besuch da. Wir hatten sozusagen dreißig Tage lang festliche Abendessen .

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