DAnce4Fans : Tag der Tänzer in der Gebläsehalle

2500 Tanzbegeisterte pilgerten am Wochenende nach Neunkirchen zur Doppel-EM „Dance 4 Fans“ und „Streetstyle“.

Stell dir vor, es ist Europameisterschaft und niemand nimmt Notiz davon. Bei Fußball und Leichtathletik undenkbar – bei Videoclip-Dance die Regel. Abbruch tat das der Veranstaltung aber keineswegs, bei der sich die besten Tänzer aus ganz Europa am Wochenende in Neunkirchen dem Urteil der Jury stellten. Zum fünften Mal richtete die Tanzschule Bootz-Ohlmann diese EM aus – auch diesmal wieder ein Riesenevent mit etwa 2500 Besuchern.

Wer es nicht kennt: Bei Dance4Fans handelt es sich um eine Marke des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbandes. Mitglieder des Verbandes besitzen die Lizenz, aktuelle Originalchoreografien der Popstars zu unterrichten. Was seit 1997 gern genutzt wird: Bundesweit lernen etwa 300 000 Kinder und Jugendliche, sich wie ihre Vorbilder auf der Bühne zu bewegen. Auf den Spuren von Justin Timberlakes, Daddy Yankee, Bebe Rexha & Co. ließen am Samstag 1100 Tänzer die Gebläsehalle brodeln, zuzüglich Schlachtenbummlern, Mamas und Papas. Den längsten Anreiseweg hatten die Gruppen aus der Slowakei. Etwa 1200 Kilometer, schätzt Ramon Gechnizdjani, Geschäftsführer der gastgebenden Tanzschule. Dass man die EM nicht in Saarbrücken ausrichte, sei „keine Kriegserklärung“ an die Landeshauptstadt, sondern einfach dem Umstand geschuldet, dass hier in Neunkirchen alles zusammenpasst: die Zentrumsnähe, die Parkplatzsituation und dass mit dem Wasserturm nebenan sogar ein Kino zur Verfügung steht, für alle, die mal eine Auszeit benötigten.

Los ging es kurz vor neun Uhr, getanzt wurde fast bis Mitternacht – ein Wahnsinnsmarathon für die Teilnehmer, aber auch für die Moderatorin, das Orga-Team und die acht Wertungsrichter. Unter denen befand sich mit Curtis Burger eine Koryphäe der Szene. Weltweit unter anderem als Choreograf von DJ Bobo unterwegs, legte er einen Zwischenstopp an der Saar ein. „Man muss ein bisschen crazy für diesen Job sein“, bringt es Kollegin Mara Richter auf den Punkt. Da man es mit den Siegern dreier Vorentscheide zu tun hatte, war die gebotene Qualität auf der Bühne sehr hoch. Wie man da zu einer Entscheidung kommt? „Man muss noch genauer hinschauen als sonst.“ Letztlich zählen vor allem Technik und Bühnenpräsenz, erklärte die Tanzlehrerin aus Heiligenhaus im Niederbergischen Land. „Wird es nur getanzt oder leben die Tänzer das auch.“

Trotz des engen Zeitplans genoss Mara Richter die Stimmung vor Ort: „Es ist immer wieder toll, wenn man sieht“, wie sich die jungen Leute „die Seele aus dem Leib tanzen.“

Denn genau das taten die Sieben- bis knapp 30-Jährigen nonstop. Mit zum Teil unglaublichem Tempo performten die Tänzer solistisch oder in Gruppen zu zwei- bis dreieinhalbminütigen Songs – von wegen „das bisschen Tanzen“, schüttelt die sympathische Wertungsrichterin lachend den Kopf. „Das ist Leistungssport.“

Getanzt wurde nicht nur auf, sondern zwischen begeistert kreischenden Gleichgesinnten vor der Bühne, selbstvergessen im Foyer mit Kopfhörern auf den Ohren und sogar draußen, wo zwei mobile Caterer für Energie-Nachschub in Form von Pommes und Bratwurst, Waffeln und Joghurt-Eis sorgten. Da griffen auch Bonita und Jomana aus Stuttgart gern zu.

Beide tanzen schon seit Kindesbeinen, die eine seit sie sechs ist, die andere ab dem vierten Lebensjahr. Warum sie sich diesen Stress antun – die lange Fahrt, das Warten vor Ort, die Anstrengung und dazu die Gewissheit, den Lernstoff vom Wochenende nachholen zu müssen?

„Allein das Gefühl, auf der Bühne zu stehen“, sei es vollkommen wert, meint Bonita.

Und Jomana ergänzt: „Jeder schreit, klatscht, feuert die anderen an“, ein Riesenerlebnis. Die Gebläsehalle gefällt den Teenagern gut, „die ist voll groß“. Die Umkleiden dafür etwas eng. Aber das nimmt man gern in Kauf. „Wir geben hier alles.“