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Damit die Angst nicht alles überlagert

Damit die Angst nicht alles überlagert

Rund 250 externe Besucher nutzten bei der Fachtagung in der Münchwieser Klinik die Gelegenheit zu Information und Erfahrungsaustausch. Viele Selbsthilfegruppen stellten ihre Arbeit vor.

Der Selbsthilfegruppentag in der AHG-Klinik Münchwies hatte in diesem Jahr das Thema Angst. Angst gehört zur menschlichen Existenz und hat viele Gesichter. Sie ist Signal einer möglichen Bedrohung und mahnt uns zu selbstschützenden Reaktionen. Sie kann aber auch überraschend schnell zur krankhaften Störung werden, die lähmend den Alltag überschattet und einengt.

Nicht selten werden dann, im Sinne eines Selbstheilungsversuchs, zustandsverändernde Mittel wie Alkohol oder Medikamente zur Beruhigung eingesetzt. Was anfänglich hilfreich zu sein scheint, mündet dann nicht selten in eine Abhängigkeitserkrankung.

Eröffnet wurde die Fachveranstaltung, an der rund 250 externe Besucher teilnahmen, durch einen musikalischen und szenischen Beitrag von vier Patienten der Klinik. Mit großen und kleinen Trommeln zeigten sie, wie Angst durch die Unterstützung der Gruppe überwunden werden kann.

Gute Chancen zur Therapie

Dr. Monika Vogelgesang, Chefärztin der Klinik, wies in ihrer Begrüßung auf die Tatsache hin, dass Angststörungen in der Bevölkerung äußerst weit verbreitet seien. Allerdings seien bei diesem Krankheitsbild auch die Ergebnisse der Behandlung, so wie sie auch in Münchwies durchgeführt wird, besonders gut. Eine Ergänzung und für manche auch eine Alternative zu der Behandlung beim Profi, ist die Selbsthilfe. Ein Beispiel für ein gelungenes Selbsthilfeangebot bei Angststörungen ist die Neunkircher Gruppe "PAN". Die bereits 1996 gegründete Gruppe bietet schwerpunktmäßig Hilfe für Menschen mit Angst und Panikstörungen.

Bei den wöchentlichen Gruppentreffen geht es um eine gleichberechtigte, partnerschaftliche Zusammenarbeit und die Erfahrung der gegenseitigen Hilfe. "Über den Erfahrungsaustausch hinaus gestalten wir aber auch gemeinsame Freizeitaktivitäten und unterstützen uns gegenseitig auf vielfältige Weise", berichtet Fritz Koop, der die Gruppe in einer Plenumsrunde vorstellte. Neben den Selbsthilfegruppen , die sich speziell der Überwindung psychischer Erkrankungen, wie Angst und Depression widmen, wussten aber auch die Vertreterinnen und Vertreter aller anderen Gruppen über die große Bedeutung von Angststörungen zu berichten. Auch in diesem Jahr nahmen an der Diskussionsrunde die regionalen Gruppen der Anonymen (AA, GA, NA), das Blaue Kreuz, die Freundeskreise, die Guttempler und der Kreuzbund teil.

Von der Angst zur Sucht

Gerade die Suchtgruppen machten deutlich, dass Ängste oft am Beginn einer Abhängigkeitserkrankung stehen. Dann sind es Alkohol oder abhängig machende Beruhigungsmittel, die zunächst scheinbar hilfreich sind, im Verlauf jedoch nicht selten zusätzlich in eine Suchtstörung münden. Mit Roland Rosinus, der in seinen Büchern und Vorträgen über eigene Erfahrungen mit Ängsten berichtet, war ein weiterer Experte Gast der Veranstaltung. In einem Interview mit Wolfgang Bensel, therapeutischer Mitarbeiter der Reha-Einrichtung, sprach er über erfolgreiche Wege aus der Angst.

Vielfältige Möglichkeiten zur Vertiefung des Themas boten schließlich die acht Arbeitsgruppen am Nachmittag. Hier war es möglich, das Angstbewältigungsprogramm der Klinik kennenzulernen, sich über die Verbindung von Depression und Angst zu informieren, den Einfluss psychischer Erkrankungen auf die Familie näher zu beleuchten und Achtsamkeitsorientierung als einen effektiven Schutzfaktor kennenzulernen.