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Corona-Krise befeuert Arbeitslosigkeit im Landkreis Neunkirchen

Arbeitsmarkt : Corona-Krise befeuert Arbeitslosigkeit im Landkreis Neunkirchen

Saisonüblich wäre zum jetzigen Zeitpunkt ein Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Für rund 11 800 Personen im Kreis Neunkirchen wurde bislang Kurzarbeit angemeldet.

Die Agentur für Arbeit Saarland hat im April 5641 Arbeitslose im Landkreis Neunkirchen gezählt. Die Zahl der arbeitslosen Frauen und Männer ist gegenüber dem Vormonat um 570 gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren bei der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter 782 (16,1 Prozent) mehr Arbeitslose gemeldet. Die Arbeitslosenquote lag mit 7,8 Prozent um 0,8 Prozentpunkte über dem Wert des Vormonats und 1,1 Prozentpunkte über dem Wert des Vorjahres.

„Die Arbeitslosigkeit ist von März auf April stark gestiegen. Üblich wäre im saisonalen Verlauf ein Rückgang. Im Vergleich zum Vorjahr liegt die Zahl der Arbeitslosen ebenfalls deutlich höher. Von dieser negativen Entwicklung sind sämtliche Personengruppen betroffen“, sagt Jürgen Haßdenteufel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Saarland. „Für die Steigerung der Arbeitslosigkeit gibt es verschiedene Ursachen. Einerseits haben sich aufgrund der Corona-Situation die Arbeitslosmeldungen aus Erwerbstätigkeit extrem erhöht. Demgegenüber stellen Betriebe derzeit kaum noch ein. Vor allem findet die sonst übliche Frühjahrsbelebung in diesem Jahr nicht statt. Es wirkt sich natürlich auch aus, dass die Arbeitsagentur den Arbeitsmarkt nicht wie sonst mit Hilfe ihrer Fördermöglichkeiten entlastet“, ergänzt Haßdenteufel.

Die Entwicklung der Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit lässt die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt deutlich erkennen. Die Zahl der geprüften Anzeigen und der darin genannten Personen ist von März auf April nochmals gestiegen. Bisher haben über 1100 Unternehmen im Landkreis Neunkirchen bei der Agentur für Arbeit Kurzarbeit angemeldet. Die Anzeigen kommen aus nahezu allen Branchen. Schwerpunkte sind die Arbeitnehmerüberlassung, der Handel und das Verarbeitende Gewerbe. Auch das Gastgewerbe und der Logistikbereich sind stark betroffen. Für rund 11 800 Personen wurde bisher Kurzarbeit angemeldet.

„Würde die Arbeitsagentur im Moment nicht über Kurzarbeitergeld eine starke Brücke für viele Betriebe bauen, wären noch deutlich mehr Männer und Frauen von Arbeitslosigkeit betroffen und viele Unternehmen in ihrer Existenz bedroht“, erläutert Haßdenteufel.

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Neunkirchen (7,8 Prozent) wird noch von der des Regionalverbandes Saarbrücken (10.1 Prozent) übertroffen. Hinter Neunkirchen folgen der Landkreis Saarlouis (5,6 Prozent), der Saarpfalz-Kreis (5,4 Prozent), der Landkreis Merzig-Wadern (4,8 Prozent) und der Landkreis St. Wendel (3,9 Prozent)

Beim Jobcenter im Landkreis Neunkirchen waren im April 3628Personen arbeitslos gemeldet, 365 mehr als im März. Damit lag die Zahl der Arbeitslosen um 270 über dem Vorjahreswert (plus 8,0 Prozent). Die Zahl der arbeitslosen Jüngeren unter 25 Jahren lag im April bei 363. Sie ist gegenüber dem Vormonat um ein Zehntel gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr ist ein Rückgang um 4,2 Prozent zu verzeichnen. 928 von Arbeitslosigkeit Betroffene waren 50 Jahre und älter. Ihre Zahl ist gegenüber dem Vorjahr um 18 gestiegen. Rund 39 Prozent der beim Jobcenter registrierten Arbeitslosen sind gleichzeitig auch langzeitarbeitslos, also bereits länger als ein Jahr gemeldet. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen betrug im April 1414. Sowohl gegenüber dem Vormonat als auch gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Anstieg um rund elf Prozent.

„Die Situation auf dem Stellenmarkt hat sich gegenüber dem Vormonat und dem Vorjahresmonat deutlich verschlechtert. Die derzeitige Pandemie hinterlässt drastisch Spuren. In einigen Wirtschaftsbereichen kommen die Stellenbesetzungen fast zum Erliegen“, sagt Haßdenteufel. Im April wurden 92 Stellen zur Besetzung gemeldet, nur rund halb so viele wie im Vormonat und über 60 Prozent weniger als vor einem Jahr. Seit Jahresbeginn wurden 663 offene Stellen gemeldet, 177 weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum (minus 21,1 Prozent). Aktuell stehen 883 freie Jobs zur Besetzung zur Verfügung, 274 weniger als im Vorjahresmonat.