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Politiker auf der Kirchenbank
Christlicher Dialog mit Wahlkandidaten

 Eine Aktion des Momentum auf dem Lübbener Platz: Parteispitzenkandidaten aller Couleur des Landkreises konnten auf der Kirchenbank Platz nehmen und interessierten Bürgern Rede und Antworten stehen.
Eine Aktion des Momentum auf dem Lübbener Platz: Parteispitzenkandidaten aller Couleur des Landkreises konnten auf der Kirchenbank Platz nehmen und interessierten Bürgern Rede und Antworten stehen. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Bei der Aktion „Politiker auf der Kirchenbank“ suchten kirchliche Einrichtungen den Diskurs kurz vor der Bundestagswahl. Von Mathias Huckert

Sechs Politiker, eine Kirchenbank. Mit der Aktion „Politiker auf der Kirchenbank“ hatten verschiedene katholische Institutionen aus der Umgebung eine ganz besondere Variante gewählt, um so kurz vor der Bundestagswahl den politischen Diskurs zu suchen. Klaus Becker, Leiter des Kirchenprojekts Momentum in Neunkirchen, hatte die Idee, das Gespräch mit Mitgliedern aller gängigen Parteien zu suchen. Das Besondere: alle Kandidaten haben sich für die bevorstehende Bundestagswahl um einen Sitz in Berlin beworben und können in den Wahlkreisen 199 (Homburg) und 198 (St. Wendel) – zu denen jeweils Teile des Kreises Neunkirchen gehören – am 24. September in den Bundestag gewählt werden.


Für Klaus Becker war gerade jetzt ein öffentliches Gespräch nötig. „Vor allem die Diskussionen rund um den aufkeimenden Rechtspopulismus in letzter Zeit waren der Auslöser für diese Aktion“, erklärte der Sozialpädagoge der SZ. Bewusst verzichtet hatte man darauf, die AfD einzuladen: „Ich sehe im Programm dieser Partei nicht die Berücksichtigung christlicher Werte, die wir hier vertreten. Deshalb werden wir ihnen auch keine Bühne bieten“, so Becker.

Christliche Werte fanden sich in allen Themenbereichen, die auf der Kirchenbank auf dem Lübbener Platz in Neunkirchen diskutiert wurden: Es ging um die Pflege, um Nachhaltigkeit, um die Menschenwürde und um Religionsfreiheit. Dabei konnten die Zuschauer auf dem Lübbener Platz viele Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Parteien, aber auch einige Unterschiede feststellen. Gerade im Bereich Nachhaltigkeit herrschte Einigkeit. Wie man den Verbraucher am ehesten auf nachhaltige Produkte aufmerksam machen soll, wollte Monika Schula von der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands wissen: „Verbraucher sollen wissen, welche Produkte sie kaufen“, erklärte dazu Esra Limbacher von der SPD. Das gelinge am ehesten durch eine gezielte Kennzeichnung sogenannter Fairtrade-Produkte, gab Nadine Schön (CDU) zu verstehen. Sie verwies auch auf Initiativen, die bereits durch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller umgesetzt wurden. Obwohl für Peter Habel (FDP) eine Kennzeichnung von fair gehandelten Lebensmitteln wenig Sinn macht, verwies auch er, genauso wie Dr. Marc Piazolo von den Grünen, auf die Rolle des Einzelnen: „Am Schluss entscheidet der Verbraucher“, so der FDP-Politiker.



Carmen Schön-Baldauf, die als Krankenschwester in der Marienhausklinik in Ottweiler arbeitet, wollte wissen: „Woher sollen die finanziellen Mittel kommen, um den christlichen Pflegegedanken umzusetzen?“ Dass gerade in Krankenhäusern im Saarland an Personal gespart werde, und auch ein Investitionsstau vorliege, gab Nadine Schön von den Christdemokraten zu. „Wir setzen uns aber für Personaluntergrenzen ein. Außerdem muss man sicherstellen, dass das Geld dort ankommt, wo es benötigt wird“, betonte sie.

Ähnliche Worte gab es auch von Dr. Walter Kappmeier (Die Linke) zu hören. Er sprach gar von einer „Verletzung der Menschenwürde“, wenn „Krankenhäuser gewinnorientiert arbeiten“. Klaus Dejon aus Schiffweiler hatte sich als Thema die Religionsfreiheit in Deutschland herausgesucht. Dabei konnte man feststellen, dass die Themen Religionsfreiheit und Menschenwürde stets eng beieinanderliegen: „Ob jetzt jemand ein Kreuz oder einen Halbmond im Gerichtssaal aufhängt, stört mich persönlich nicht. Aber das Ausleben des eigenen Glaubens gehört auch zur Erhaltung der Menschenwürde“, fasste Klaus-Peter Scheit von der Linken zusammen. Am Ende konnten auf die ganz großen Fragen keine Antworten gefunden werden.