China will von Neunkirchen lernen

Neunkirchen. Das Saarland hat knapp über eine Million Einwohner, in der Provinz Shanxi in China leben über 31 Millionen Menschen. Sie hat eine Fläche von 150 000 Quadratkilometer, das Saarland eine Fläche von 2 568 Quadratkilometer. Auf den ersten Blick scheinen beide Regionen nichts gemeinsam zu haben. Doch verbindet beide die Tradition des Bergbaus

Neunkirchen. Das Saarland hat knapp über eine Million Einwohner, in der Provinz Shanxi in China leben über 31 Millionen Menschen. Sie hat eine Fläche von 150 000 Quadratkilometer, das Saarland eine Fläche von 2 568 Quadratkilometer. Auf den ersten Blick scheinen beide Regionen nichts gemeinsam zu haben. Doch verbindet beide die Tradition des Bergbaus. Während Saarlandes zweitgrößte Stadt Neunkirchen den Strukturwandel von einer Bergbau- und Hütten- zu einer Dienstleistungsstadt vollzogen hat, steht der Provinz Shanxi dieser Schritt noch bevor.Aus diesem Grund war eine 21-köpfige Delegation des Development Research Centres (DRC) der Regierung der chinesischen Provinz Shanxi gestern zu Gast im Neunkircher Rathaus. Wang Ybing, der Leiter der Delegation, erläuterte das Ziel ihrer Reise. Man wolle von den Erfahrungen anderer Regionen lernen. "Der intensive Kohleabbau hat Probleme mit sich gebracht. Wir stehen jetzt da, wo das Saarland vor mehr als 30 Jahren stand." In der Region Shanxi befindet sich ein Viertel der gesamten Kohleproduktion Chinas. Damit sich die Gäste aus Fernost die Veränderungen, die Neunkirchen in den vergangenen Jahrzehnten vollzogen hat, besser vorstellen konnten, wurde ein Film über das Ende der Eisenerzeugung in der Hüttenstadt gezeigt. 1982 ging die Ära der Stahlerzeugung zu Ende. "Einen Strukturwandel zu vollziehen, war eine schwierige Aufgabe für die Stadt", sagte OB Jürgen Fried. Immerhin habe die Montanindustrie Neunkirchen lange Zeit beherrscht. Bis dahin gab es keinen nennenswerten Handels- oder Dienstleistungsbereich. Schwerpunkt der Umstrukturierung war die Errichtung des Saarparkcenters. Außerdem sei es gelungen, Industrie außerhalb des Stadtkerns anzusiedeln. Als wichtigsten Industriezweig nannte Fried die Automobilzulieferer. Aber inzwischen spielten auch der Dienstleistungssektor und das Gesundheitswesen eine bedeutende Rolle in der Stadt. Der äußere Wandel sei vollzogen. Sorgen bereitet der Stadt jedoch die soziale Komponente. Fried gab offen Auskunft über soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit.

Die chinesischen Gäste interessierten sich auch für Themen wie Haushalt und Steuereinnahmen der Stadt. Es gilt Ideen zu sammeln für einen Strukturwandel in der eigenen Region. Zum Abschluss wollte Wang Ybing noch wissen, was ein Oberbürgermeister im Alltag zu tun hat. "Das ist einer der vielfältigsten Berufe überhaupt", sagte Fried und bat den Gast aus Fernost, um einen Eintrag ins Gästebuch der Stadt.