Caritas hat Erfolge vorzuweisen

Neunkirchen. Geschäftsführer Michael Schütz und Fachdienstleiter Horst Arend stellten zusammen mit einem Teil der 32 Mitarbeiter des Caritas-Beratungs- und Behandlungszentrums Neunkirchen die Bilanz 2011 vor. Ganz unüberhörbar dabei die Botschaft, dass "sehr gute Erfolge" erzielt werden

Neunkirchen. Geschäftsführer Michael Schütz und Fachdienstleiter Horst Arend stellten zusammen mit einem Teil der 32 Mitarbeiter des Caritas-Beratungs- und Behandlungszentrums Neunkirchen die Bilanz 2011 vor. Ganz unüberhörbar dabei die Botschaft, dass "sehr gute Erfolge" erzielt werden. Will heißen, dass ein stattlicher Teil der Menschen, die mit Suchtproblemen zur Brigg oder zum Psychosozialen Dienst (siehe Info) kommen, seine Abhängigkeit los wird, beziehungsweise lernt, mit all den Versuchungen zwischen Alkohol, Nikotin, Internet, Glücksspiel und Drogen verantwortlich umzugehen, damit es nicht zur Sucht kommt.Arend stellte die Vorteile der ambulanten Therapien heraus. Denn anders als bei einer stationären Betreuung ("weg vom Alltag, wie unter einer Käseglocke") verbleibe der Abhängige oder Gefährdete in seinem beruflichen und sozialen Umfeld und könne schon während der Therapie lernen, mit den vermeintlichen Verlockungen zurechtzukommen. Bei seinen Hilfsangeboten von Neunkirchen aus hat sich der Caritas-Verband Schaumberg Blies schon seit Jahren ganz breit aufgestellt. Und nimmt sich neben den "klassischen" Suchterzeugern wie Alkohol, Nikotin, Cannabis, harten Drogen, Glücksspiel auch "moderner" Verführer wie dem Internet an. "Erfreulicherweise stellen wir einen Rückgang bei der Zigaretten-Abhängigkeit fest, im Gegenzug wächst die Zahl der Menschen, die ihren Lebenssinn aus dem Internet beziehen", stellt Michael Schütz bei der Pressekonferenz einen Wandel vor allem bei jüngeren Leuten fest.

Brigg und PSD warten nicht, bis die Leute mit Problemen zu ihnen kommen, sondern setzen auch ganz stark auf Prävention und Aufklärung. Deswegen kommen die Mitarbeiter in Schulen und Betriebe, suchen die Öffentlichkeit und (auch jugendliche) Multiplikatoren, um ihre Arbeit nach dem Schneeball-System unters Volk zu bringen. Die Information soll auf Augenhöhe erfolgen.

Ein herausragendes Modell-Projekt war dabei "Schwanger ohne Nikotin, Alkohol, Drogen", gefördert durch Bund, Land und dem Landkreis. Jutta Klein stellte diese Aktion ("Ihr Kind profitiert ein Leben lang") vor. In der umfänglichen 2011-Bilanz nimmt deren eingehende Dokumentation auch breiten Raum ein. Eigentlich sollte es ja für jede Frau selbstverständlich sein, ihr ungeborenes Kind nicht mit Suchtmitteln zu gefährden, doch die Erfahrungen von Jutta Klein zeigen, dass noch erheblicher Aufklärungsbedarf besteht. "Selbst geringste Mengen Alkohol können dem Kind schaden", sagen die Caritas-Fachleute und listen mögliche Schäden auf: Missbildungen, Verhaltenstörungen, Hyperaktivität, Lernschwierigkeiten oder motorische Entwicklungsverzögerungen.

Noch würde von den Ärzten, die Schwangere betreuen, zu wenig auf die Gefahren durch Suchtmittel hingewiesen, sieht Klein das Ziel des Projektes noch nicht erreicht. Und so hofft die Caritas, dass - auch mit Hilfe des Landes - die Aufklärungsarbeit fortgesetzt werden kann.

die-brigg.de

psd-nk.de

caritas-neunkirchen.de

Meinung

Internet ersetzt

nicht Ansprache

Von SZ-RedakteurinSolveig Lenz-Engel

Nikotinentzug schadet Ihrem Kind nicht! Das steht in dem Faltblatt zu lesen, das der Caritasverband als Information für Schwangere herausgebracht hat. Diese Aussage sei notwendig, sagen die Caritas-Leute, denn sie würden schon mal von Schwangeren mit der waghalsigen These konfrontiert, dass die Raucher-Entwöhnung dem Ungeborenen schaden könne. Was zeigt, dass Aufklärung über Suchtmittel offenbar wirklich weiterhin Not tut. Auch in Zeiten des Internets, in denen sich (fast) jeder immer und überall über alles informieren kann, ist die direkte Ansprache offenbar immer noch nicht wegzudenken, wenn es darum geht, Menschen vor "Dummheiten" zu bewahren beziehungsweise ihnen aus einer Krankheit oder Krise herauszuhelfen.

So gesehen muss man die Arbeit der Caritas und natürlich auch der vielen anderen Anlaufstellen sehr hoch einschätzen. Denn, "wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Welt".

Auf einen Blick

Unter dem Dach des Beratungs- und Behandlungszentrums des Caritasverbandes in der Neunkircher Hüttenbergstraße 42 bieten Die Brigg (für Jugendliche und junge Erwachsene) und der Psychosoziale Dienst (kurz PDS, für Erwachsene mit Suchtproblemen) eine Fülle von Angeboten zu Prävention und Therapie im Suchtbereich. Dazu gehört unter anderem auch betreutes Wohnen und die Vermittlung und Betreuung von Gastfamilien für psychisch kranke Menschen durch den PSD. Auch die Jugend- und Familienhilfe im Familienberatungszentrum Illtal (Hauptstraße 78 in Illingen) und Schüler-Nachmittagbetreuung gehören zur Brigg, die auch Kinder aus suchtbelasteten Familien unter ihre Fittiche nimmt. Im vergangenen Jahr lag ein Schwerpunkt im Bereich des Schutzes Schwangerer und ihres Babys vor Schäden durch Nikotin, Rauchen und Drogenkonsum.

Telefonisch erreichbar ist Die Brigg unter (06821) 920 940, der PSD unter 940 970. 32 Mitarbeiter sind in den verschiedenen Aufgabenfeldern tätig. Die Gespräche und Therapien sind für die Teilnehmer freiwillig, kostenfrei und unterliegen der Schweigepflicht. sl