Neunkircher SPD: Bürgerpreis für Mediziner und Initiative

Neunkircher SPD : Bürgerpreis für Mediziner und Initiative

Die Neunkircher SPD verlieh den neu ins Leben gerufenen Bürgerpreis für herausragendes gesellschaftliches Engagement an den Arzt Dr. Peter Kielbassa, der sich für Suchtkranke einsetzt, und an die Bürgerinitiative Heinitzer Freibad.

„Wie reagiert man auf die zunehmende Individualisierung?“ Diese Überlegung stand laut Vorsitzendem Sebastian Thul am Anfang – und mündete schließlich in die Auslobung des Bürgerpreises, den der SPD Stadtverband Neunkirchen am Donnerstagabend erstmals verlieh. Wobei sich die gut besuchte Veranstaltung in der Stummschen Reithalle auch als ein Fest des Ehrenamtes verstand. Wozu das Trio Alldieweil mit seinen  Coversongs nicht unwesentlich beitrug.

„Die Menschen kümmern sich nur noch um sich selbst“, skizzierte Thul ein Zeitphänomen. Zwar wird viel gepostet in den sozialen Medien, aber „da ist selten ein Lob dabei“, eher Schelte und Klagen. Er vermisse Beiträge, in denen „von sozialem Engagement die Rede ist“ und damit von dem „was unsere Gesellschaft zusammen hält“. Was also tun? Es besser machen. Weshalb die Sozialdemokraten nun regelmäßig den Bürgerpreis Neunkirchen verleihen. Ob in jährlichem oder zweijährigem Turnus, müsse man noch überlegen, so Thul. Aber eine Fortsetzung stehe außer Frage.

Bei der Premiere teilten sich Dr. Peter Kilebassa und die Bürgerinitiative „Rettet das Heinitzer Schwimmbad“ den mit 1000 Euro dotierten Bürgerpreis, der sich aus gespendeten Sitzungsgeldern der roten Neunkircher Stadt- und Ortsräte speist. Laudator Jörg Aumann dankte zunächst allen Menschen, die sich „in unserer Stadt tagtäglich ehrenamtlich engagieren“. Halten diese doch das soziale Leben am Laufen: „Sie machen Neunkirchen lebenswert.“ So auch Peter Kilebassa. Seit 37 Jahren als Allgemeinmediziner tätig, gehört er der seltenen Spezies Hausärzte an, die noch ihre Patienten daheim aufsuchen. Über zehn Jahre unterrichtete er Arzthelferinnen am KBBZ und ist seit mehr als 34 Jahren in der Alkohol- und Drogenberatung tätig. In diesem Zusammenhang wirkt er aktiv am Methadonprogramm in Neunkirchen mit. „Dr. Kielbassa betreute darüber hinaus über 24 Jahre die Insassen der JVA Neunkirchen.“ Besonders bemerkenswert findet Aumann, dass der Geehrte „als Arzt soziale Schranken durchbricht und sich gerade für die Ausgeschlossenen und Marginalisierten unserer Gesellschaft engagiert“.

Und dann war es an dem Bürgermeister, sich zu outen: „Ich habe die Heinitzer unterschätzt“, gestand Jörg Aumann lächelnd. Skeptisch sei er damals, im Frühjahr 2013, gewesen, als die Initiative sich anbot, mit der Stadt in Sachen Freibad-Sanierung zu kooperieren. „Aus Verwaltungsperspektive sah man zunächst nur die 90.000 Euro Kosten“ und fragte sich: Wie zuverlässig sind die Bürger, erinnerte Aumann. Wobei sich alle Zweifel schließlich in Wohlgefallen auflösten. 85 Menschen brachten sich ein. Unter anderem wurden Wasser- und Duschleitungen erneuert, die Toilettenanlage renoviert, ein barrierefreier Zugang zum Schwimmbecken gebaut und ein neues Eingangstor – und immer wieder Gelder akquiriert, um Baumaschinen anzumieten. Letztlich blieben nur die Materialkosten in Höhe von 30.000 Euro am Stadtsäckel hängen. „Die oft beschworene Bürgergesellschaft, in Heinitz ist sie gelebte Wirklichkeit“, lobte Aumann. „Heute kann ich sagen: Ich habe viel gelernt von der Bürgerinitiative.“

Wobei längst kein Ende in Sicht ist, wie Frank Lorschiedter, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Heinitzer Vereine, nach einem Dank in Richtung des nicht anwesenden Hans-Otto Häfners berichtete. Nach wie vor quietschen regelmäßig samstags um 9 Uhr die Schubkarren im kleinsten Freibad des Landkreises. Zu tun ist schließlich immer irgendwas, etwa die jährliche Wartung der Pumpe oder aktuell die Sanierung des Kinderbeckens. Da findet das Preisgeld ganz schnell eine gute Verwendung. Die Schecks, witzelte Sebastian Thul, seien im Übrigen gedeckt und stammten nicht von Saar Toto oder dem Landessportverband. Was er mit den 500 Euro anstellt, musste auch Peter Kilebassa nicht lange überlegen: „Ich spende das Geld der Lebenshilfe.“

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