Brigitte Kuhar ist für den Deutschen Engagementpreis 2019 nominiert

Diakonie Neunkirchen : Das Herz der „Wärmestubb“

Brigitte Kuhar ist für den deutschen Engagementpreis 2019 nominiert. Sie hofft auf viele Stimmen aus dem Kreis.

„Mir haben die Tränen in den Augen gestanden.“ Brigitte Kuhar kann sich noch gut erinnern an den Tag, als sie das erste Mal in die Wärmestube kam und mit dem Elend dieser „armen Menschen“ konfrontiert wurde. Das ist 17 Jahre her. Damals wurden dringend Helfer gesucht, um nicht schließen zu müssen, erzählt die 76-jährige Neunkircherin, die 2017 von der Hospitalstraße mit hierher ins Haus der Diakonie zog. Längst ist Brigitte Kuhar das Gesicht der Wärmestube. Im Februar wurde ihr der Ehrenamtspreis der Evangelischen Kirche und der Diakonie an der Saar verliehen – im Bereich „Sozial-diakonisches Engagement“. Aber dabei wolle man es längst nicht bewenden lassen, betonte Udo Blank, Geschäftsführer der Diakonie Saar, gestern beim Pressetermin in der Bahnhofstraße. So ist die Mutter von sieben Kindern und 25-fache Großmutter jetzt auch für den deutschen Engagementpreis 2019 nominiert.

Dieser versteht sich als Dachpreis bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland. Über 700 Wettbewerbe und Preise gibt es bundesweit, sie alle können ihre Preisträger für den Deutschen Engagementpreis vorschlagen. Initiator und Träger ist das Bündnis für Gemeinnützigkeit. Gefördert wird der Preis vom Bundes Familienministerium, der Deutschen Fernsehlotterie und der Stiftung Deutsche Bahn. Brigitte Kuhar hat jetzt die Chance, bei der Preisverleihung am 5. Dezember in Berlin geehrt zu werden. Dort wird auch der mit 10 000 Euro dotierte Publikumspreis überreicht. An wen, darüber stimmen die Bürger bis 24. Oktober online ab: www.deutscher-engagementpreis.de/publikumspreis .

Ohne Brigitte Kuhar würde nicht viel laufen in der „Wärmestubb“, einem von Caritas und Diakonie betriebenen Treffpunkt für Wohnungslose und Menschen mit ungenügendem Wohnraum. Von Montag bis Freitag kocht sie ab 6.30 Uhr Kaffee und Tee, belegt Brötchen und deckt die Tische, berichtet Sozialarbeiter Philipp Adelhardt. 20 bis 50 Personen kommen an einem Vormittag vorbei – um sich zu stärken, Wäsche zu waschen, „Mensch ärger dich nicht zu spielen“ und sich beraten zu lassen. Der Bedarf nimmt leider zu statt ab, informierte Stefan Gebhardt von der Fachabteilung „Bildung und Soziale Teilhabe“. Waren es 2008 noch 2200 Besucher pro Jahr, sind es nun 8000. Zwei Drittel sind Männer. Sieht man sich das Alter an, stellt man fest: „Die unter 25-Jährigen sind besonders betroffen.“ Kuhars Engagement endet übrigens längst nicht zur Mittagszeit. Denn einigen Stammgästen hilft die Preisträgerin regelmäßig nachmittags, ihre Wohnstätten ordentlich und sauber zu halten. Ihr eigenes Zuhause pflegt sie dann oft nachts. Das, meint die Neunkircherin, sei doch „selbstverständlich“. Woche für Woche, Urlaub kennt sie nicht. „Ich mache das gerne. Was soll ich alleine zu Hause“, sagt Brigitte Kuhar und freut sich, dass sie in der Wärmestubb als „die Mutter der Nation“ gilt. „Ich lass niemandem im Stich.“ Am Wochenende kommen sie ihre Kinder und Enkel besuchen, dann wird gemeinsam gekocht. „Die gute Atmosphäre, die friedliche, freundliche, manchmal sogar fröhliche Stimmung in der Wärmstubb, die vielen Mut macht für den Tag, ist der Verdienst von Brigitte Kuhar“, lobt Diakoniepfarrer Blank. Dieses Engagement, gepaart mit großer Lebenserfahrung und ihrer Bereitschaft, sich auf die Besucher einzulassen und auch mal Tacheles zu reden („Du gehst erst mal runter, duschen. Dann gibt’s Frühstück“) – all das sei „unendlich wertvoll“. Deshalb: „Voten Sie mit!“

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