Brauchtum hat Zukunft

Heiligenwald. Im Saarland wird seit diesem Sommer keine Kohle mehr gefördert. Aber in Heiligenwald tritt der Bergmannsverein weiterhin für die Traditionspflege eines Gewerkes an, mit dem viele Menschen in unserer Region über 250 Jahre lang ihr täglich Brot verdienten

Heiligenwald. Im Saarland wird seit diesem Sommer keine Kohle mehr gefördert. Aber in Heiligenwald tritt der Bergmannsverein weiterhin für die Traditionspflege eines Gewerkes an, mit dem viele Menschen in unserer Region über 250 Jahre lang ihr täglich Brot verdienten. Bei der Barbarafeier am Samstag in der Jahnturnhalle plauderte Vorsitzender Klaus Gorny quasi aus dem Nähkästchen, denn er ist Bereichsleiter im nun stillgelegten Bergwerk Ensdorf und verantwortlich für die Abwicklung der Grube. Kritisch fiel sein Resümee aus, als er über die Folgen des Bergbau-Endes hierzulande sprach.

Bis 2013 würden 1500 Bergleute das Saarland verlassen, obwohl hier noch zirka 800 Millionen Tonnen förderbare Kohle in der Erde lägen. Gorny: "Jährlich werden drei Millionen Tonnen für die Auslastung der Kohlekraftwerke hier gebraucht. Allein der Transport der Importkohle, die vom Rotterdamer Hafen aus per Schiff ins Saarland transportiert wird, kostet 15 Millionen Euro, Tendenz steigend".

Trotzdem müsse die Tradition des Bergbaus hochgehalten werden. Im Erzgebirge, wo es seit 100 Jahren keinen Bergbau mehr gebe, funktioniere das heute noch. Klaus Gorny bat: "Macht Werbung für den Erhalt unseres Vereins, denn wenn die Bergmanns- und Knappenvereine sterben, dann stirbt auch unsere Tradition." Schiffweilers Bürgermeister Markus Fuchs schloss sich diesem Anliegen an. In diesem Jahr sei alles anders als bei bisherigen Barbarafeiern. Vorher sei der Kohleabbau ein Motor für den Wirtschaftsstandort Saarland gewesen. Fuchs: "Der Bergbau prägte unsere Landschaften, unsere Menschen und unsere Kultur. Seine Hinterlassenschaften werden uns weiterhin begleiten. Wir sollten sein Erbe pflegen und somit nachfolgenden Generationen vor Augen halten, was wir ihm zu verdanken haben." Im Heiligenwalder Bergmannsverein sei diese Zukunftsaufgabe sehr gut aufgehoben. Schriftführer Hugo Seewald betonte, dass die Traditionspflege nicht an den aktiven Bergbau gebunden sei: "Wir werden die Lieder weitertragen, die Ehrentage hochhalten und die bergmännische Tracht mit Stolz tragen." Zu Gast bei dieser Barbarafeier war auch eine Delegation des Bergarbeitervereins aus dem französischen Forbach mit deren Vorsitzenden Raymond Kiener.

Geehrt wurden für ihren Einsatz, Treue und Verbundenheit zum Verein: Otto Braun, Manfred Broschard, Dieter Kloss, Günter Spang und Aribert Schmidt. Sehr zur Freude von Pfarrer Franz Waldura spendeten die Anwesenden über 300 Euro für die Sanierung der denkmalgeschützten evangelischen Kirche. Sie wurde im 19. Jahrhundert als Betsaal für die in Heilgenwalder Bergarbeiterfamilien genutzt.