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Boxen hinter Gittern

Wellesweiler. Mehr als 30 Jugendliche haben an einem Projekt der SSV Wellesweiler teilgenommen, bei dem Gefangene der JVA Ottweiler ein Boxtraining absolvieren dürfen. Es geht auch darum, ihre Energien zu kanalisieren. Stefan Holzhauser

Boxen im Knast. Am Anfang gab es Skepsis, jetzt ist die Bilanz rundweg positiv - und das Projekt "Boxsport-Training in der Justiz-Vollzugsanstalt Ottweiler " sogar preisgekrönt. Bei der Aktion "Sterne des Sports" erhielt die Boxsport-Abteilung der Sport- und Spielvereinigung (SSV) Wellesweiler kürzlich einen mit 500 Euro dotierten Förderpreis.

Hauptinitiator des Projekts ist Karl Heinz Neu. Der 68-Jährige fungiert bei der Boxsport-Abteilung der SSV Wellesweiler als Vorsitzender und bei der Saarländischen Box-Union als Präsident. In der JVA Ottweiler hat der frühere Justiz-Vollzugsbeamte ein Projekt ins Leben gerufen, über das sogar das ZDF berichtet hat.

Vor mehr als zwei Jahren war Neu gefragt worden, ob er auch in der JVA Boxtraining anbieten könne und ob gleichzeitig Freigänger bei der SSV Wellesweiler in dieser Sportart an ihrer Fitness feilen könnten. Das Projekt war anfangs umstritten. Der Anstaltsleiter der JVA Ottweiler , Marco Bauer, erklärt: "Die Themen Boxen und Gefängnis bieten natürlich von vorneherein ein Spannungsfeld. Doch die positive Entwicklung der Häftlinge gibt allen Beteiligten Recht."

Seit dieser Zeit erscheint Neu mit SSV-Vereinstrainer Sandro Krüger in Ottweiler . Zwischen sechs und zwölf Häftlinge kommen in den Genuss der Übungseinheiten. Zuvor müssen sich die Kandidaten bewerben. Wer ausgewählt wird, darf sich nicht daneben benehmen. Ansonsten wird er direkt vom Boxtraining ausgeschlossen.

"Die jungen Gefangenen lernen durch das Training, sich in einem Regelsystem zu bewegen. Viele Häftlinge sind hyperaktiv und können so ihre Energien zielgerichtet kanalisieren. Außerdem dürfen auch Freigänger in Wellesweiler trainieren", erklärt Bauer. Ihm ist es wichtig, dass die Jugendlichen nach ihrer Haftentlassung in sinnvolle soziale Projekte integriert werden. Sie sollen in Freiheit in Wellesweiler oder bei einem anderen Verein regelmäßig weitertrainieren.

"Bislang haben bereits mehr als 30 Jugendliche am Training teilgenommen, und acht davon konnten wir an einen Boxsport-Verein binden. Zwei wurden sogar auf Anhieb Vize-Saarlandmeister", berichtet Neu.

Auch ansonsten ist Neu bemüht, das Boxen im Saarland wieder populärer zu machen. So wurde an der Sportschule in Saarbrücken ein neuer D-Kader aufgebaut. Dass diese Bemühungen bundesweit wahrgenommen werden, beweist die Tatsache, dass die deutschen Meisterschaften der weiblichen Jugend, Juniorinnen und Elite erstmals ins Saarland vergeben wurden. Die Titelkämpfe finden vom 13. bis zum 17. Mai an der Sportschule in Saarbrücken statt.