Hitze : Borkenkäfer-Rekord in heimischen Wäldern

Während die einen unter der Hitze litten, haben andere sich richtig wohl gefühlt: Der Borkenkäfer liebt dieses Wetter. Es gibt so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Wie es in den Wäldern aussieht, das hat Revierförster Ingo Piechotta der SZ in einer zweistündigen Spezial-Führung erläutert.

 Die vergangenen drei Wochen waren geprägt von großer Hitze und anhaltender Trockenheit. Mensch und Tier litten unter den hohen Temperaturen, die an einzelnen Tagen nahezu die 40-Gradgrenze erreichten. Doch einem kleinen Tierchen ging es in dieser Zeit so richtig gut. Der Borkenkäfer liebt diese heißen Temperaturen und die niederschlagsfreie Zeit und fühlt sich dabei pudelwohl. Während es sich die Menschen im Uchtelfanger Freibad im kühlenden Nass gut gehen ließen, blühte die Population der Borkenkäfer im nahegelegenen Fichtenwald.

  Die Saarbrücker Zeitung besuchte Revierförster Ingo Piechotta, um Auskunft über die Ausbreitung des Schädlings zu erhalten. In einer mehr als zweistündigen Begehung in den Waldgebieten von Uchtelfangen und Dirmingen informierte der Beamte des Saarforstes eingehend über die Bereiche, in denen der Schädling für starkes Baumsterben gesorgt hat. „Waldbestände in Uchtelfangen, Dirmingen, Habach und Berschweiler gehören zu den meist befallenen Gebieten in meinem Forstrevier“, berichtet Piechotta. Für die Forstwirtschaft relevant sind hauptsächlich Insekten mit Schädigungspotenzial für Wald und Holz. Bekanntermaßen sind Borkenkäfer die gefährlichsten Schädlinge innerhalb der Forstwirtschaft, da sie den größten wirtschaftlichen Schaden verursachen können.

Die Exkursion startet im Landesforst südlich der Uchtelfanger Kartbahn. „Der heiße und trockene Sommer 2018 war ganz extrem. An diesem Südhang fielen auf einer Fläche von 1,5 Hektar Fichten dem Borkenkäfer zum Opfer. Im Frühjahr 2019 wurden in Minigewächshäusern wieder Eichen, Esskastanien, Bergahorn, Wildkirsche und Baumhasel aufgepflanzt“, erklärt Ingo Piechotta.

Das Gebiet „Kirschborner Heck“ in Dirmingen, nahe des Waldparkplatzes mit schöner Aussicht, musste in diesem Frühjahr gerodet werden. Nach einem Sturm, dem ein Teil des Fichtenwaldes zum Opfer fiel, nisteten sich anschließend in den noch stehenden Bäumen Borkenkäfer ein. Die Kombination Trockenheit und Hitze verringerte die Vitalität der Fichten. Kommt dann noch der Befall von Borkenkäfer hinzu, sind die ohnehin schon geschwächten Bäume nicht mehr zu retten. „Bei der Zustandserfassung im August 2018 sind die Schädigungsgrade deutlich angestiegen“, sagt Piechotta.

Für das aktuelle Jahr ist noch keine Waldzustandserfassung erfolgt. Der Fachmann befürchtet, dass das Fichtensterben anhalten wird. Ein Beleg dafür sind die Einschlagzahlen im Forstrevier Wustweiler. Waren beim Einschlag 2018 Fichten zu 80 Prozent von Borkenkäfer befallen und noch 20 Prozent regulärer Einschlag frischen Nadelholzes, so erwartet Piechotta in diesem Jahr 80 Prozent Borkenkäferholz und 20 Prozent Fichtenholz aufgrund von Windwurf. „Das heißt, wir werden in diesem Jahr kein frisches Nadelholz fällen, um den planmäßigen Einschlag von 3000 Kubikmeter Holz zu decken. Der Klimawandel, in dem wir uns befinden, geht schneller als dass die Waldbäume sich daran anpassen können“, stellt Ingo Piechotta fest.

Und dann erklärt der Forstfachmann noch die Populationsentwicklung des Borkenkäfers: Das Männchen bohrt sich in die Rinde der Fichte ein. Unter der schützenden Borke legt es eine Rammelkammer an und versprüht einen Duftstoff, der die Weibchen anlockt. Nach der Begattung legen die Weibchen Muttergänge an. Von der Eiablage dauert es unter besten Bedingungen sechs bis sieben Wochen bis zum Ausschwärmen der fertigen Jungkäfer. Bei normalen Bedingungen kommt es in einem Sommer zu zwei fertig entwickelten Generationen; unter den optimalen Witterungsbedingungen im letztjährigen Sommer wurde erstmals sogar eine vierte Generation angelegt. Als Resümee stellt der Förster fest: „Ich sehe die Fichte auf einem absteigenden Ast.“ Das Anpflanzen von Douglasien und Weißtannen könnte eine Alternative sein, er sieht bei diesen Nadelbaumarten aber auch Fragezeichen.

Anhand der von Borkenfall betroffenen Rinde einer Fichte erklärt Ingo Piechotta die Brutstätte des Borkenkäfers. Foto: Benno Weiskircher

Sowohl die Waldbesitzer als auch der Wald stehen unter den derzeitigen Gegebenheiten unter Stress. Der Stress hält an, eine Verbesserung der Situation ist nicht in Sicht. „Solch einen Borkenkäferbefall hatten wir seit dem Zweiten Weltkrieg noch nicht gehabt“, stellt Piechotta am Ende des Rundgangs fest.