Boom der Grabeskirche

Schauen wir in die Geschichte der Kolumbarien (lateinisch columbarium "Taubenschlag"). Die alten Römer nannten so die Grabkammern mit reihenweise übereinander angebrachten Nischen zur Aufnahme von Urnen nach Feuerbestattungen. In Deutschland kam diese Beisetzungsart mit der Einführung der Feuerbestattung ab 1879 auf. Im Zuge der Aufklärung wurden Bestattungen in Kirchen aus hygienischen Gründen untersagt. Seit einigen Jahren wird in Deutschland wieder in Kirchen bestattet. Das erste Kolumbarium in einer Kirche entstand 2004 in Krefeld. St. Josef in Aachen war die erste römisch-katholische Kirche, die 2006 als Kolumbarium umgewidmet wurde. Evangelische Kirchen zogen nach.

Das Konzept der Urnen- bzw. Grabeskirche habe in den letzten Jahren geradezu einen Boom erlebt, beobachtet die Verbraucherinitiative für Bestattungskultur. Die Fachzeitschrift Friedhofskultur stellte 2014 fest, in den letzten zehn Jahren seien bundesweit an die 30 "überzählige" Kirchen mit großem finanziellen und gestalterischen Aufwand zu Urnenkirchen umgebaut worden. Katholiken war lange die Feuerbestattung nicht gestattet. Seit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-65) dürfen sich auch katholische Christen in einer Urne beisetzen lassen.