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Blutspendeaktion am Klinikum Neunkirchen

Geht doch! : Flüssiges Gold als Dankeschön

Am Diakonie-Klinikum in Neunkirchen ist die Bereitschaft zum Blutspenden ungebrochen.

Es ist ein bisschen wie Schnitzeljagd. Zur Blutspende immer den Pfeilen nach. Normalerweise hätte das DRK sein technisches Equipment in der Personal Cafeteria des Diakonie Klinikums aufgebaut. Doch das verbietet sich angesichts der aktuellen Lage, in denen Krankenhäuser für Besucherverkehr gesperrt werden müssen. Also leitet man Spendenwillige auf dem Fischkastenweg am Gebäude vorbei, hoch zur Krankenpflegeschule. Dort finden sie leere Flure vor, an der Tür wurde ein Desinfektionsmittel-Spender mit Klebeband fixiert. Eine Mitarbeiterin taucht auf: „Die Anmeldung ist, glaub ich, da vorn“, versucht sie zu helfen. Und grinst: „Die sind bei uns eingefallen.“

Die – das sind Nanette und Christoph Blechschmitt und ihr Team. Vor ein paar Jahren, bei einem Vortrag über Blutprodukte, entschieden sich die Zuhörer spontan, am damals noch städtischen Krankenhaus Blutspende-Termine anzubieten. Seitdem organisiert der Facharzt für Chirurgie diese Spende-Möglichkeiten zwei Mal im Jahr: „Das ist eine positive Abwechslung zum Alltag in der Abteilung.“ Wenn man dort zur Visite rund geht, „ist man spätestens nach dem dritten Zimmer deprimiert“, erzählt Blechschmitt lachend. Dem einen passt das Mittagessen nicht, der andere klagt über den schnarchenden Mitpatienten. „Hier sind die Leute alle gut drauf.“ Unterstützt wird er am Tag selbst von seiner Frau, Kollegen und drei Hauptamtlichen aus Bad Kreuznach.

Bevor Nanette Blechschmitt dem Spender einen Standard-Fragebogen zum aktuellen Gesundheitszustand aushändigt, kommt das blaue Licht zum Einsatz. Per Infrarot-Thermometer misst sie schon vorab die Körpertemperatur kontaktlos auf der Stirn – eine Corona-bedingte Vorsichtsmaßnahme.

Bei ausreichender innerer Kälte darf man rein in die „gute Stube“. Ein Teil des Unterrichtssaals lädt zum Stärken ein. Platten mit belegten Brötchen und Süßteilchen, Obst, Kaffee und Getränke werben um die Gunst der Spender. Kathrin Schliesing ist schon satt, gleich muss sie zurück in die Klinik. Für die Krankenschwester bedeutet das Spenden eine kleine Auszeit. Ja, bei Patienten und Personal geht aktuell die Angst um, bestätigt sie. „Corona ist das Hauptthema, es gibt sonst nichts mehr, worüber man reden kann.“ Die meisten Neuankömmlinge füllen ihren Fragebogen gleich hier aus. Wer mehr Diskretion will, kann sich nebenan in den Raum zurückziehen. Bei Frage 9 gilt es, ein wenig Orakel zu spielen: „Haben Sie in den letzten vier Monaten mit extrem gefährlichen Krankheitserregern gearbeitet oder sind Sie damit anderweitig in Kontakt gekommen?“ Das wüsste man selber nur zu gern. Also raten.

Wird eigentlich jede Spende auf Corona getestet? Das kann Blechschmitt nicht beantworten. „Ich weiß nur, dass man bezüglich Infektionskrankheiten wie HIV oder Hepatitis eine Pool-Testung vornimmt.“ Dabei kommen Proben von 50 Spendern in einen Topf. Schlägt der Teststreifen an, muss jede der 50 Proben separat untersucht werden.

Bezüglich Covid-19 wird derzeit noch nicht getestet, kann man auf der Homepage des DRK nachlesen. „Für die Übertragbarkeit des Erregers durch Blut und Blutprodukte gibt es keine gesicherten Hinweise“, weshalb die zuständige Bundesbehörde bislang keine Überprüfung vorschreibt. Pro Tag werden im Bereich des DRK-Blutspendedienstes West, zu dem Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland gehören, 3500 Blutspenden benötigt.

Am anderen Ende des Raums, vor der Schultafel, stehen drei Liegen. Auf denen machen es sich Alexandra Pastora und Andreas Klass bequem, beide in Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Blut spenden sei für ihn selbstverständlich, betont der junge Mann. „Weil ich hier arbeite. Und wenn ich in einer Notlage wäre, würde mir auch geholfen werden. Ich will was zurückgeben.“

Natascha Jost-Baruth setzt mit geübtem Griff die Nadel. Dann fließt der rote Lebenssaft. Nach exakt 528 Gramm ist Schluss – seltsame Zahl, aber das hat mir der Umrechnung zu tun, erklärt die Fachfrau: „Es sind immer noch 500 Milliliter.“ Da die Dichte von Blut höher als die von Wasser ist, kommt man auf die seltsame Menge.

Die Spendenbereitschaft ist erstaunlich gut, „wir hatten schon vergleichsweise viele Erstspender“, freuen sich die Blechschmitts. Normal kommen zwischen 30 und 40 Leute, heute sind es nach der Hälfte der Zeit bereits 25. Was auf große Hilfsbereitschaft schließen lässt – oder Langeweile. „Man hat ja sonst nicht viel zu tun.“ Wie Christoph Blechschmitt auch: „Am Freitag gehen die letzten Knieprothesen in Reha, dann ist es leer.“ Die Gelegenheit, um Überstunden abzufeiern.

Rainer Amberg und Klaus Maurer vom mobilen DRK Team Bad Kreuznach kümmern sich um Alexandra Pastora. Foto: Anja Kernig

Als Dankeschön fürs Spenden gibt’s diesmal den Hauptgewinn mit nach Hause: Ein 100 ml Fläschchen Desinfektionsmittel. Alle strahlen! Da war aber jemand ziemlich clever. Von wegen: „Reiner Zufall“, widerspricht der Arzt: „Es handelt sich um das reguläre Quartalsgeschenk.“ Als die Werbemaßnahme geplant wurde, war von Corona noch keine Rede.