Blitzer sorgen für Bonus in der Stadtkasse

Blitzer sorgen für Bonus in der Stadtkasse

1,52 Millionen Euro an Verwarnungsgeldern haben die sechs festinstallierten Blitzer in Neunkirchen im ersten Jahr eingebracht. Nun denkt man im Rathaus daran, auch andere Standorte einzubeziehen.

Seit gut einem Jahr bessern in Neunkirchen sechs stationäre "Blitzer" an drei Straßen die Verwarnungsgeldeinnahmen der Stadtkasse auf. Knapp 9,7 Millionen Fahrzeuge sind in diesem Zeitraum an den "Tempowächtern" vorbeigerauscht. Etwas weniger als ein Prozent der Fahrer, die die "eisernen Gustavs" passierten, nämlich 91 650, wurden "geblitzt". Dies geht aus der Jahresbilanz zur "stationären Geschwindigkeitsüberwachung" hervor, die das Ordnungsamt dem Stadtrat in dessen jüngster Sitzung vorgelegt hat.

Für die Stadt Neunkirchen war das erste "Blitzerjahr" recht lukrativ: Von den 1,52 Millionen Euro an Verwarnungsgeldern, die hereinkamen, blieben 780 000 Euro in der Stadtkasse hängen. Knapp 640 000 Euro mussten an den Säulenhersteller und -betreiber Jenoptik für die Auswertung der Aufnahmen abgeführt werden (Fallpauschale von 5,50 Euro ). 52 000 Euro nahmen laut Stadtverwaltung die Portokosten für die "Sünderpost" in Anspruch, 40 000 Euro gingen für erhöhten Personalbedarf drauf.

Von den 9,7 Millionen Fahrzeugen wurden 4,6 Millionen an der Westspange registriert, 2,8 Millionen waren es an den Radarsäulen der Bliesstraße und 2,3 Millionen in der Ottweilerstraße am Ortsausgang Wiebelskirchen. Die ganz große Mehrheit der "Sünder", rund 88 700, kam mit einem Verwarnungsgeld zwischen 15 und 35 Euro davon, weil sie die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde - erfasst werden erst Verstöße ab 55 km/h - um nicht mehr als 20 km/h überschritten hatten. "Harte Raser" waren demnach 2936 Fahrzeuglenker (0,03 Prozent der erfassten Fahrzeuge) - sie überschritten die erlaubte Höchstgeschwindigkeit um mehr als 20 Stundenkilometer und kassierten dafür ein Bußgeld von mindestens 80 Euro und einen Punkt in Flensburg.

In der Stadtratssitzung kündigte Oberbürgermeister Jürgen Fried an, dass man im Rathaus nun daran denkt, die Radarsäulen auch an andere Standorte in der Stadt zu verlagern, etwa an die Fernstraße. CDU-Fraktionschef Karl Albert regte an, neben den Blitzern auch Überwachungsanlagen an den Ampeln anzubringen - es sei bei vielen Verkehrsteilnehmern zur Unsitte geworden, bei Rot, selbst bei "Dunkelrot", durchzufahren.

Eine Auswertung der Polizei hat laut Stadtverwaltung ergeben, dass die Zahl der Unfälle wie auch der Verletzten im Umfeld der Radarsäulen deutlich zurückgegangen ist - allerdings mit der Einschränkung, dass "nach knapp einem Jahr stationärer Geschwindigkeitsüberwachung noch keine verlässliche Aussage über deren Wirkung auf die Entwicklung der Unfallzahlen und -folgen getroffen werden kann". Ein weiteres Fazit des Landespolizeipräsidiums nach der aktuellen Auswertung des Neunkircher Unfallgeschehens: Im gesamten Stadtgebiet gebe es keine Schwerpunkte für "Geschwindigkeitsunfälle", also Unfälle, die ausschließlich oder überwiegend auf zu hohes Tempo zurückzuführen sind.