"Bitte gehen sie weiter"

Saarbrücken. "Weitergehen. Bitte gehen Sie weiter. Bleiben Sie nicht stehen. Bitte gehen Sie weiter. Es gibt nichts zu sehen." Er wirkt verstörend, dieser rote Schriftzug auf weißem Hintergrund, der immer und immer wieder auf dem Monitor erscheint. Zumal dieser Monitor im Schaufenster einer Modeboutique auf dem Sankt Johanner Markt steht

Saarbrücken. "Weitergehen. Bitte gehen Sie weiter. Bleiben Sie nicht stehen. Bitte gehen Sie weiter. Es gibt nichts zu sehen." Er wirkt verstörend, dieser rote Schriftzug auf weißem Hintergrund, der immer und immer wieder auf dem Monitor erscheint. Zumal dieser Monitor im Schaufenster einer Modeboutique auf dem Sankt Johanner Markt steht. Warum werden Passanten dazu aufgefordert, ausgerechnet dort weiterzugehen, wo sie sonst mit werbewirksamen Mitteln zum Innehalten animiert werden?"Ich finde es spannend, diese Videoinstallation ausgerechnet in einem kommerziellen Schaufenster zu zeigen", sagt Michael Koob. Der Ottweiler Regisseur und Videokünstler hat das Stück mit dem bezeichnenden Titel "Weitergehen" entworfen und präsentiert es derzeit im Rahmen von Loopingstar, einem parallel zum Max-Ophüls-Preis stattfindenden Festival für Videokunst. Rund 60 Künstler präsentieren im Rahmen von Loopingstar ihre Werke in Schaufenstern der Innenstädte von Saarbrücken und Forbach, wo sie in einer Dauerschleife, 24 Stunden am Tag, zu sehen sind. Michael Koob ist einer der Künstler.

Im letzten Jahr feierte sein erster Spielfilm "Wagner sucht das Glück" beim Ophüls-Festival Premiere. Jetzt ist er mit einem ganz anderen Projekt dabei. "Ich möchte die Leute dazu animieren, nicht in alten Strukturen zu verharren. Sie sollen sich für Neues öffnen. Also weitergehen im übertragenen Sinne. Auf einer mentalen Ebene, wenn man so will", sagt der 37-Jährige.

Dass er "Weitergehen" quasi direkt vor seiner Haustür - Koob lebt und arbeitet in Saarbrücken -, im Schaufenster der Boutique "Mode Finesse" zeigen kann, hat sich durch einen Zufall ergeben. "Alexander Karle, der Organisator von Loopingstar, hat mich gefragt, ob ich mitmachen möchte und mir eine Liste mit den Läden gegeben, die sich beteiligen. Als ich gesehen habe, dass diese Boutique dabei ist, habe ich sofort dort angefragt, zumal ich gleich nebenan wohne. Ich finde es schon mutig von den Betreibern, dass sie sich darauf eingelassen haben." Laden-Inhaberin Christina Schädel und ihr Mann Klaus waren zunächst auch etwas "geschockt", als sie "Weitergehen" zum ersten Mal sahen, fanden es dann aber doch "witzig", den Film in ihrem Laden zu zeigen. "Eigentlich ist das ja eine Art von provokanter Werbung. Aber die Leute werden darauf aufmerksam und fragen neugierig, was es damit auf sich hat", erzählen sie. Dass viele Filmschaffende und Festivalbesucher an Koobs Installation quasi vorbei müssen, wenn sie über den Sankt Johanner Markt gehen, freut den Regisseur. Schließlich sei der Max-Ophüls-Preis eine wichtige Kontaktbörse in der Branche.

In Koobs Terminkalender ist daher während der gesamten Woche kaum noch ein freier Platz. Er bereitet derzeit seinen nächsten Spielfilm vor und ist auf der Suche nach Partnern, die mit ihm das Projekt realisieren. "Vielleicht klappt es ja noch mit einem Treffen mit der Schauspielerin Anna Maria Mühe. Das versuche ich schon seit längerer Zeit", sagt er. Von was sein neuer Film handelt, will er noch nicht verraten. Aber anders als bei "Weitergehen" wird darin sicher was zu sehen sein. "Die Leute sollen sich für

Neues öffnen."

Regisseur Michael Koob

Auf einen Blick

Noch bis kommenden Montag wird Michael Koobs Videoinstallation "Weitergehen" als Teil des Festivals Loopingstar in einem Saarbrücker Schaufenster gezeigt. pra

Loopingstar.de