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Bienen starten jetzt in die Obstblüte im Saarpfalz-Kreis

Bienen fliegen los : Sie dürfen in Gruppen überall hin

Bienen starten in die Obstblüte. Die Pollenernte läuft auf Hochtouren. Übrigens verdanken die Imker den Bienen auch ein bisschen Freiheit: Bienen sind Nutztiere und der Imker darf sie überall besuchen.

Nein, nicht alle sind derzeit angehalten, zu Hause zu bleiben. Es gibt ein kleines, ganz besonderes Völkchen, das trotz Corona raus darf, ja sogar raus soll, um die Winterstarre abzuschütteln, sich neue Nahrung zu suchen und den Frühling angemessen zu begrüßen und zu bestäuben. Klar, es sind die Bienen.

Den Winter haben sie gut überstanden, sagt Helmut Kiefer aus Limbach, der auch stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes saarländischer Imker ist. Die Herbst- Winter-Verluste an seinen Bienenvölkern seien verkraftbar, „nicht so schlimm wie in manch anderen Jahren, ich schätze mal, 24 Prozent sind weg“. Die übrigen erfreuten sich bester Gesundheit und haben vor einigen Tagen schon mit den dünnen Beinchen gescharrt, um richtig vor die Tür zu kommen. Das tun die Menschen zwar auch, aber die werden derzeit eingebremst. Die Bienen haben freien Flug, wohin immer sie möchten. Beziehungsweise, wohin die Kraft sie trägt.

Im Schnitt sind es knapp vier Kilomter im Umkreis – und damit kommen sie weiter herum als zum Beispiel die zweibeinigen Franzosen, die sich nur nahe um ihr Haus aufhalten dürfen. „Normalerweise fliegen Bienen drei Kilometer“, sagt Kiefer, „aber das hängt natürlich auch vom Futter ab. Wenn es etwas Besonderes gibt, wie zum Beispiel eine große, blühende Linde, fliegen sie schon mal bis zu vier Kilometern“.

Aber hier wägen die klugen Tierchen natürlich ab, wieviel Kraft sie brauchen, um vollbeladen mit Pollen wieder zurückzukommen. Wenn man Bienen aus der Nähe betrachtet, sieht man, wie sie die bunten Kügelchen unter ihre dünnen Beine packen und vollbeladen in Richtung Bienenstock zurückfliegen.Vergangene Woche flogen sie vorwiegend am Nachmittag, denn die Nächte waren kalt, und Bienen kommen bekanntlich vor elf Grad nicht aus ihrer Behausung.

Kirschblütennektar ist bei Bienen besonders beliebt. Es folgen die Birnen-, die Mirabellen- und die Apfelblüten.  Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb/Ulrich_Perrey

Ein bisschen sind sie schon im März herumgeflogen, haben Weidenkätzchen, Weißdorn und den einen oder anderen Rosmarinstrauch in den Gärten angenuckelt, „aber da ist die Ausbeute noch sehr gering, das brauchen sie, um die Brut zu versorgen“, sagt Kiefer. „Wir nehmen den Bienen die Pollen nicht ab“, betont er, „einerseits, weil sie sie selbst brauchen, andererseits müssen die Pollen vorsichtig getrocknet werden, bevor sie für Menschen zum Verzehr geeignet sind. Das muss nicht sein.“

Er hat vor allem auch eine Warnung parat: Man möge bitte nicht anfangen, aus falsch verstandener Tierliebe die Bienen zu füttern. „Die brauchen keine Nahrungszufuhr von außen, die helfen sich selbst und finden genug Nahrung in der Natur.“ Zuckerwasser sei unnötig, Honig gar schädlich, „denn man weiß nie, woher der Honig kommt. Er ist auf jeden Fall Fremdhonig, den die Bienen womöglich in ihr Volk einschleppen, oft befinden sich da Sporen drin, denn Honig ist ein naturbelassenes Nahrungsmittel. Den Menschen macht das nichts aus, aber für das Bienenvolk könnten diese fremden Elemente schädlich sein.“

Markus Fischer aus Homburg hat nur ein Bienenvolk und betreibt die Imkerei als Hobby nebenher, seine Bienen fliegen vorzugsweise den Schlossberg an. „Es sind zwar Stadtbienen, aber in Homburg gibt es im Umkreis von vier Kilometern so viel Nahrung, dass sie nicht lange suchen müssen.“ Auch seine Bienen sind schon unterwegs, sie haben zunächst geübt, „Haselsträucher, Schneeglöckchen, Pfirsichbäumchen“, aber das gibt erst mal nur Pollen für den Nachwuchs, die Markus Fischer natürlich nicht anzapft, ebenso hat er den Bienen den Honigvorrat vom letzten Jahr gelassen, „ich erfreue mich an den Bienen, ich lebe ja nicht vom Honig“.

Der Besuch bei den Bliesgau-Bienen der Imkerei Wenzel ist immer ein beliebtes Ausflugs-Angebot des Biosphärenverbandes. In diesem Frühjahr wird nichts daraus.  Foto: Wolfgang Henn Saarpfalz-Touristik

Im diesem Frühjahr dürften die Bienen – im Gegensatz zu den Menschen – optimale Bedingungen für ihre Ausflüge vorfinden. Die Temperaturen seien tagsüber mild, die Sonne locke die Blüten hervor, „und mit der Obstbaumblüte geht auch die erste große Sammelaktion einher“, so Fischer. Diese beginnen mit der Kirschblüte, ebenso der Blüte von Birnen und Mirabellen, „das ist natürlich ein Fest für die Bienen, dann fliegen sie in Scharen.“ Bienen seien in der Regel sortentreu und ernteten sorgfältig einen Lindenbaum, ein Rapsfeld oder eine Robinie ab, „sie verzetteln sich nicht. Sie machen nichts, was zu viel Energie kostet“.

Tilmann Wenzel, der in Seelbach ansässig ist und als Bioland-Imker den beliebten Biosphärenhonig produziert, hat mehrere Bienenvölker, weil er die Imkerei professionell betreibt. Seine Bienenstöcke sind an mehreren Orten in der Biosphäre verteilt und bringen Blüten-, Raps- und Akazienhonig hervor.

Auch besondere Sorten wie Kastanien-, Tannen- und Lindenhonig hat Wenzel im Sortiment. Wie seine Mitarbeiterin im Hofladen betont, haben Bienen derzeit einen Vorteil: „Man darf als Imker jederzeit zu seinen Bienen raus, denn Bienen sind Nutztiere und fallen nicht unter Beschränkungen.“ Nun, die Ansteckungsgefahr für Imker dürfte ohnehin gering sein, denn sie sind nicht nur alleine oder höchsten zu zweit unterwegs, sie tragen auch einen Bienenhut nebst Ganzkörperanzug. Sich bei der Arbeit mit den Bienen an Corona anzustecken, dürfte also gegen Null tendieren. „Die Bienen dürfen raus. Und Dank der Bienen dürfen auch wir Imker raus“, sagt Jürgen Kiwitter, der ebenfalls in der Biospäre mit einem Partner eine Imkerei betreibt, allerdings mehr in Richtung Saarbrücken, seine Bienen ernähren sich von der Güdinger Kirschblüte.

Der Hofverkauf, Internet-Bestellungen und der Versandhandel sind bei Wenzels intakt, „leider mussten wir die Gruppen-Ausflüge zu unseren Bienenstöcken im Rahmen des Biosphären-Veranstaltungskalenders ausfallen lassen“, bedauert die Mitarbeiterin. Das sei schade, denn diese lehrreichen Besichtigungen seien gerade im Mai immer gut gebucht.

Imkermeister Wenzel nimmt sich gerne Zeit für Kinder, die ganz aufgeregt sind, wenn sie den Schutzhut tragen dürfen. Foto: Nicole Berger/Kita

Helmut Kiefer, der Vereins-Imker aus Limbach, bedauert, dass die Kurse für Nachwuchsimker ausfallen mussten, „denn es ist doch wichtig, dass wir bei diesem schönen Hobby Nachfolger bekommen, egal, wie alt die Interessenten sind, die zu uns kommen. Einige fangen erst nach der Rente an, andere sind noch Studenten, die einen geben das Hobby auf, neue kommen hinzu.“ Dennoch – wer einmal der Imkerei verfallen sei, der könne sich nicht so schnell trennen von diesen ganz besonderen Tierchen.