1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Neunkirchen

Bernd Rockstroh setzt sich beim Saarländischen Fußballverband für die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen ein.

Kostenpflichtiger Inhalt: Integration : Der Weltenbummler gibt seine Erfahrung gerne weiter

Bernd Rockstroh setzt sich beim Saarländischen Fußballverband für die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen ein.

Bernd Rockstroh aus Neunkirchen verfolgt das große Ziel, Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam zum Fußball zu bringen. Dabei kommt ihm sein großer Erfahrungsschatz zugute. Denn der 69-Jährige hat bereits viel von der Welt gesehen. Er wuchs im südbadischen Geisingen auf. Nachdem er unter anderem in Köln und Sigmaringen wohnte, legte Rockstroh in Zweibrücken sein Abi-
tur ab. Es folgte ein Sport- und Geographiestudium in Saarbrücken, in dessen Rahmen es ihn auch drei Jahre lang an die Universität Laval in Quebec verschlug. Bis zu diesem Zeitpunkt war er ein Straßenfußballer, der mit seinen Kumpels kickte, wo es ihm gerade Spaß machte. In Nordamerika musste der Deutsche dann umdenken. Da dort auf der Straße kein Fußball gespielt wurde, meldete sich Rockstroh in der Universitätsmannschaft an.

Zurück in Deutschland beendete er sein Sudium mit einem Referendariat. Die Anstellung im Schuldienst misslang allerdings, da die Kombination aus Sport und Geografie „damals ziemlich überbelegt“ gewesen sei. Aus dieser Not heraus machte Rockstroh eine Tugend und erkundete die Welt. Zwei Jahre lang bereiste er Asien – war dabei auch vier Monate mit dem Fahrrad in Japan unterwegs. In Thailand heuerte er als Surf-
lehrer an.

Nach der erneuten Rückkehr nach Deutschland war dieses Mal die Jobsuche schnell beendet: Er wurde im Werkstattzentrum für Behinderte in Spiesen-Elversberg Verantwortlicher für Sport und Freizeit. Rockstroh war der Erste, der dort für diesen Bereich eingestellt wurde. Und er blieb bis zur Rente.

2013 bewarb sich Rockstroh dann aber auf eine Ausschreibung hin beim Saarländischen Fußballverband (SFV) als Koordinator Behindertenfußball, ein Beauftragter für Inklusion. „Ein Freund hatte mich darauf hingewiesen. Er meinte, das sei aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit eine sinnvolle Aufgabe für das Rentnerdasein“, erinnert sich Rockstroh zurück. Und obwohl er noch nie in einem Verein gespielt hatte und auch keine Fußballfunktionärstätigkeit vorweisen konnte, wurde er angenommen. Und bereute seine Entscheidung nicht.

Rockstroh liegt es am Herzen, dass viele Menschen mit Beeinträchtigungen Fußball spielen können. In welcher Organisationsform das geschehe, sei zweitrangig. Das oberste Ziel laute, ihnen den Zugang zu einer „normalen Fußballfamilie“ zu ermöglichen. Zwar hätten Fußballverbände und Vereine seit einiger Zeit Anstrengungen unternommen, um den Zugang, Es wäre aber lobenswert, wenn noch mehr Clubs dem Thema Inklusion größere Aufmerksamkeit widmen würden. Rockstrohs Traum: „Einzelspieler oder sogar ganze Inklusionsteams könnten ihren Platz im normalen Spielbetrieb finden“. Mit Mitteln des Verbandes will er dabei helfen. Auch die Sepp-Herberger-Stiftung, die sich Inklusion auf die Fahnen geschrieben hat, sei ein großer Unterstützer, betont der 69-Jährige. Er ist auch Mitglied in der Kommission Integration, Ehrenamt und Fair Play und hält weiterhin zum Fußball der Werkstätten „engeren Kontakt“. Regional drückt Rockstroh dem Landesligisten SV Furpach die Daumen, überregional dem 1. FC Kaiserslautern.

Auch wenn sich im Saarland im Hinblick auf die Integrationsbemühungen schon viel getan hat, schaut er mit Bewunderung nach Nordrhein-Westfalen. „Dort gibt es bereits einige Inklusionsligen. Der Anteil von Spielern mit geistiger Beeinträchtigung und ohne beträgt in etwa jeweils 50 Prozent“, erklärt Rockstroh und ergänzt: „Im Saarland fehlt uns dazu einfach die Masse. In etwa fünf Prozent der Bevölkerung seien beeinträchtigt. Die Fußballinteressierten unter ihnen gehören Teams von Werkstätten oder Sonderschulen – oft spielen sie aber gar nicht. Mehr Akzeptanz unter „normalen Clubs“, könne helfen das zu ändern, hofft Rockstroh.