Bereit für die neue Freiheit

Heute wird Jürgen Müller offiziell als Geschäftsführer der Lebenshilfe im Kreis Neunkirchen in den Ruhestand verabschiedet. Wir haben mit ihm über sein Fazit und seine Pläne für den nächsten Lebensabschnitt gesprochen.

Jürgen Müller wirkt entspannt, vielleicht sogar gelöst. Als noch 64-Jähriger wird er heute offiziell als Geschäftsführer der Lebenshilfe verabschiedet. 65 wird er an seinem letzten Arbeitstag sein, nach dem er sich in den Urlaub und zum 31. August dann ganz offiziell in den Ruhestand begeben wird.

Nach seinem betriebswirtschaftlichen Studium war Müller in der Privatwirtschaft, dann, wie er sagt, in der Ministerialbürokratie, und schließlich als Kreisjugendamtsleiter beschäftigt. 15 Jahre lang hat er danach bis heute die Geschicke der Lebenshilfe im Kreis Neunkirchen gelenkt - und ist rückblickend recht zufrieden.

"Seit meinem Amtsantritt habe ich versucht, soziale Anliegen und wirtschaftliche Erfordernisse unter einen Hut zu bringen", beschreibt Müller "sein Glaubensbekenntnis". Wichtig sei ihm vor allem gewesen, dass Menschen mit Behinderung, ihre Angehörigen, aber auch die Betreuer immer Hilfe erhalten haben, wenn diese notwendig war. Indem das gelungen sei, habe das Unternehmen seine Satzung und Leitbild ausgelebt, sagt Müller.

Auch wirtschaftlich zeigt sich der scheidende Geschäftsführer zufrieden. Zu Beginn des neuen Jahrtausends seien die Verhältnisse schwierig gewesen, erinnert Müller. Glücklicherweise sei die Neuausrichtung gelungen. "Wir haben es geschafft, die Lebenshilfe zu einem kerngesunden Unternehmen zu entwickeln." Von 220 Mitarbeitern im Jahr 2000 habe die Lebenshilfe sich auf 440 entwickelt. "Durch zusätzliche Aufgaben sind wir auch personell gewachsen", so Müller. Rückblickend freue es ihn besonders, dass er "keine betriebsbedingten Hiobsbotschaften" habe verkünden müssen.

Die Lebenshilfe hat im vorigen Jahr ihren 50. Geburtstag gefeiert - für die nächsten 50 Jahre zeigt sich Müller optimistisch. Dennoch gebe es auch Herausforderungen. "Im Grunde müssen die Immobilien erneuert und zukunftstauglich gemacht werden." Voraussetzung sei, dass ein Unternehmen die wirtschaftliche Kraft habe, das zu stemmen. Müller sieht das gegeben. Auch strukturell-organisatorische Veränderungen, die sich ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen geschuldet sind, sieht Müller auf die Lebenshilfe zukommen.

Zur Bewältigung dieser Aufgaben wünscht Müller seinem Nachfolger Thomas Latz und allen Beteiligten eine weitere Stärkung der Partnerschaft zwischen Lebenshilfe und der Landesregierung als Kostenträger . Die mitunter strapaziösen Aushandlungsprozesse, sollten sich laut Müller noch mehr am jeweiligen Erfordernis ausrichten. Müller zeigt sich optimistisch, dass es gelingen kann. "Mir ist um die Lebenshilfe nicht bange, wir haben bewiesen, dass wir erfolgreiche Arbeit machen können."

Privat schaut der scheidende Geschäftsführer dem neuen Lebensabschnitt gelassen entgegen. Im Ruhestand sieht er "die Chance auf ein Höchstmaß an Freiheit". Wandern gehört zu seinen Hobbys genauso wie das Reisen. Noch in diesem Jahr will er den letzten auf seiner Liste noch fehlenden Kontinent - Australien - bereisen. Danach will er in aller Ruhe Deutschland erkunden. Ansonsten gelte es die Zeit für Haus und Freunde zu nutzen, so Müller. Noch lange ein gutes Glas Wein genießen zu können, zählt neben Gesundheit zu seinen Wünschen. Der Lebenshilfe bleibt er als stellvertretender Landesvorsitzender noch zwei Jahre erhalten - allerding ohne die tägliche Anspannung im Beruf. "Dass ich hier 15 Jahre Geschäftsführer sein durfte, dafür muss ich mich bedanken - ich habe es gerne getan", sagt er. Und weil das Haus gut bestellt sei, blicke er Ruhestand und neuer Freiheit gelassen entgegen.

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