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Bei Roberto Capitoni schüttete das Publikum sich aus vor Lachen

Bei Roberto Capitoni schüttete das Publikum sich aus vor Lachen

Wenn Deutsche Suchmaschinen benutzen, ist „Routenplaner“ der meistgesuchte Begriff. In Italien „Amore“. Dazwischen bewegt sich Roberto Capitoni. Als Halbschwabe/-italiener hat er die Lizenz für binationalen Nonsens.

"Meine Gags reichen nur drei Meter. Dann fallen sie runter und sind tot." Weshalb Roberto Capitoni bei seinem Gastspiel am Samstag in der Stummschen Reithalle als erste Amtshandlung die Sitzordnung änderte. Wer spielt schon gern vor leeren Stühlen. So weit, so verständlich. Aber das zahlende Publikum nach vorn zu nötigen, "sonst rede ich nicht weiter", bewegt sich etwa auf Kindergartenniveau. Was den Synchronsprecher der Lemminge in "Der kleine Eisbär" 1+2 nicht davon abhielt, es immer wieder zu tun à la "jetzt küssen sie endlich ihre Frau, sonst ...". Dabei hat Capitoni das gar nicht nötig. Sein Stil ist eigen, aber witzig, und die Pointen sitzen: "Kinder sind zum Auffressen. Warum macht man es eigentlich nicht?"

Unerschöpfliche Gag-Quelle

Allein seine Herkunft erweist sich als schier unerschöpfliche Gag-Quelle: Halbitaliener/Halbschwabe zu sein, könne man sich etwa so vorstellen wie "Dr. Jekyll und Mr Hyde in einer Person, als wärst du Vegetarier, würdest aber im Schlachthof arbeiten". Nachdem sein Vater beschlossen hatte, in Germany eine Pizzeria zu eröffnen, fuhr er mit der Vespa, deren Schaltgeräusche auch der italienischen Nationalhymne zugrunde liegen, über die Alpen bis ins Allgäu. Dort verliebte er sich Knall auf Fall in seine Zukünftige. Und dann kam Roberto. "Ich hatte eine tolle Kindheit. Neun Monate lang." Nur mit viel Überredungskunst und einem Bausparvertrag konnte man mich damals dazu bewegen, die gastliche Fruchtblase zu verlassen. Als sein Vater sah, dass sein Sohn - wie er - ein wenig zwergenhaft ausgefallen war, kompensierte er das mit einem langen Namen: Roberto Emilio Francesco Paolo Sergio Capitoni. "Bei der Taufe bin ich fast ersoffen", erinnert sich der Täufling 44 Jahre später. "Im Taufbecken habe ich in einem das Seepferdchen gemacht."

Rat vom Vollblutmafiosi

Zu Hochform läuft Capitoni auf, wenn Onkel Luigi aus Palermo ins Spiel kommt. Dann mimt er filmreif den Paten mit zwei Zentner Lebendgewicht, eine Marlon-Brando-Reinkarnation, über deren Mimik sich die zwei minderjährigen Zuschauer schier ausschütten vor Lachen. "Wenn du Problema hast, dann löse es, aber lass es aussehen wie eine Unfall", empfahl der Vollblutmafiosi seinem Neffen. Als effektive Lösung hätten sich bislang auch immer Betonschuhe im Wasserbad erwiesen. Klischees also ohne Ende, aber die machen eben auch einen Heidenspaß.

Mittlerweile hat Capitoni längst selbst eine Familie mit Trauschein und pubertärer Tochter. Am Anfang sei das ja auch ganz toll gewesen, "aber irgendwann stehst du am Ende der Nahrungskette - nach dem Hund."

Zumal Kinder einen fiesen Musikgeschmack haben. "Wenn man Kindermusik hört, blutet man direkt aus dem Ohr." Nicken im Saal, man versteht sich. Weshalb am Ende auch keiner wirklich widerspricht, als Capitoni meinte: "Das Leben ist viel zu kurz, um kein Italiener zu sein." Oder wie der Schwabe sagt: Oifach schee!