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„Der Wal ist der André Rieu des Meeres“

Mit seiner guten Laune steckte Christoph Reuter auch das Publikum in der Stummschen Reithalle an. Foto: VA
Mit seiner guten Laune steckte Christoph Reuter auch das Publikum in der Stummschen Reithalle an. Foto: VA FOTO: VA
Neunkirchen. Zum ersten Mal mit einem Soloprogramm ist Christoph Reuter in der Stummschen Reithalle aufgetreten, ein Mann, den viele an der Seite von Eckart von Hirschhausen kennen. Reuter kann es aber durchaus auch alleine, wie er am Samstag bewies. nig

. "Bin ich mancher?" Das war die große Frage, die sich die Gäste am Samstagabend stellten - neben der genauso angebrachten: "Was erwartet mich hier eigentlich?" Trat doch mit Christoph Reuter ein No-Name-Pianist auf die Bühne der Reithalle - und damit aus der zweiten Reihe ins Scheinwerferlicht, das sonst Dr. Eckart von Hirschhausen bei den gemeinsamen Tourneen für sich beansprucht. Aber Reuter kann das: allein unterhalten, auf eine sympathische, betont beiläufige Art und Weise, die ab und zu in Richtung Otto Waalkes ausschlägt, um dann wieder fast schamhaft rüber zu kommen, wenn Reuter am Piano herum nestelt, als ob ihm sein Ausflug in die Welt der Comedy gerade etwas peinlich ist.

Normalerweise steht bei Konzerten ja die Höchststrafe darauf. Doch der aus Dessau Süd stammende Musikpädagoge und Komponist quasselt sich genussvoll ständig selbst dazwischen. Viele seiner Gags gründen auf die "Wussten Sie schon dass"-Methode, gern auch wissenschaftlich unterfüttert: Zum Beispiel, dass der Mensch eine angespielte Melodie im Kopf zu Ende klingen lässt. Oder dass jeder von uns mit zehn Jahren mehr Musik gehört und, leider, für immer gespeichert hat, "auch Andrea Berg ", als Chopin oder Brahms in ihrem ganzen Leben. Oder Wale : Ihr Lied kann bis zu einer Stunde dauern. "Besuchten Wale also eine Wagner-Oper, vergingen die vier Stunden wie im Flug. Es wären ja nur vier Lieder." Liebevoll widmet Christoph Reuter den Meeressäugern eine Geschichte: "Ein kleiner Wal wird geboren, anfangs ernährt er sich von ovalen Walnüssen." Das Schönste an Walen: "Sie reisen im Dreivierteltakt. Hm-ta-ta, hm-ta-ta . . .", so sei der Wal "der André Rieu des Meeres, und deshalb" - Pause, Grinsen - Achtung, Gag: "... heißt es auch WALzer!"

Zu absoluter Höchstform läuft Reuter jedoch am Klavier auf: Egal, ob er mal eben auf eine zugerufene Telefonnummer improvisiert, mit der "C-Kralle" die Rezeptur erfolgreicher Popsongs demonstriert, "Allen meinen Entchen" ein chinesisches Klangbild überstülpt oder furios Astor Piazolla interpretiert. Musiktheorie? Auch das: Er spielt einen Takt, singt: "Fra-hank! Essen ist fertig!" Erklärt: "Das war eine kleine Terz ." Und fügt hinzu: "Jetzt gibt's großen Terz ! Fraaa-haaank! Essen ist fertig!!!"

Die Mischung kam bestens an beim lach- und applaudier-freudigen Publikum: "Wir sind sehr angetan", so das Ehepaar Jockers. "Reuter ist ein großartiger Pianist, er spielt perfekt." Sagt Sigrid Jockers, die früher selbst gern in die Tasten gegriffen hat. Die Eintrittskarten seien ein Geschenk und ein Glücksfall gewesen: "Wir schauen uns sonst nie Comedy an." Doch schon allein die Zugabe mit dem aus einem Blatt Papier gezauberten Schlagzeug war den Eintritt wert. Und übrigens: Jeder Mensch, der zwei Töne unterscheiden kann, ist musikalisch. Daniela aus dem Publikum also auch.