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Batschkapp ist sein Markenzeichen

Gerd Dudenhöffer ist sein großes Vorbild: Martin Linn als „Heinz Becker“. Foto: Heinz Bier
Gerd Dudenhöffer ist sein großes Vorbild: Martin Linn als „Heinz Becker“. Foto: Heinz Bier FOTO: Heinz Bier
Wiebelskirchen. „Mit Batschkapp bin ich e annerer Mensch“, sagt Martin Linn. Dann schlüpft der Wiebelskircher in die Rolle von Gerd Dudenhöffers Kultfigur Heinz Becker. Sein Traum wäre es, einmal mit Dudenhöffer gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Heinz Bier

Wer bisher geglaubt hat, Heinz Becker sei im Saarland einmalig, der sollte umdenken. Schon seit 25 Jahren gibt auch Martin Linn aus Wiebelskirchen als perfektes Double den bundesweit bekannten saarländischen Kleinbürger . Ob vor Publikum oder beim Proben vor dem Spiegel im heimischen Wohnzimmer - Heinz Becker ist unverkennbar. Vom Langarmhemd, das bis zum Hals zugeknöpft ist, über die Hosenträger und die Batschkapp bis zum Etikett auf der Bierflasche passt jedes Accessoire. "Ich arbeite schon sehr akribisch und überlasse nichts dem Zufall", gibt der 39-Jährige zu verstehen.


Seinen ersten Auftritt als Double von Heinz Becker hatte Linn mit 14 Jahren bei seiner Schulabschlussfeier an der Gesamtschule Schiffweiler. Er erinnert sich: "In meiner Schulzeit war ich aktives Mitglied im Theaterverein Kleine Maske in Landsweiler und deshalb meinte man, ich sollte bei der Abschlussfeier etwas vortragen. Weil mich Heinz Becker schon damals fasziniert hat, wurde es mein erster öffentlicher Auftritt als sein Double." Irgendwann folgten Auftritte bei Familienfeiern, Einladungen zu Radiosendern oder eigene Veranstaltungen.

Als er 1996 nach einer Brandkatastrophe in Heiligenwald bei einer Benefizveranstaltung mitwirkte und ein zweistündiges Soloprogramm als Heinz Becker absolvierte, wurde er danach von der Gemeinde Schiffweiler ins kommunale Kulturprogramm aufgenommen und seine Auftritte häuften sich. In der Folgezeit war der gebürtige Landsweiler im gesamten Saarland unterwegs, hatte Auftritte in Rheinland-Pfalz und bis nach Frankfurt.



"Das hat sich immer weiter entwickelt", erzählt der Familienvater und ergänzt: "Mittlerweile kenne ich alle Bühnenprogramme von Heinz und habe sie alle auf Schallplatte oder CD". Für einen Auftritt benötigt der Logistikmitarbeiter bei Saarstahl drei Monate Vorbereitungszeit, die sich in vier Stufen von der auditiven Phase über die motorische und die visuelle bis zur kommunikativen Phase gliedert. Damit will Linn erreichen, dass Mimik und Gestik seinem großen Vorbild ganz nahe kommen. "Bei Texten und Gags übernehme ich 70 Prozent von Heinz Becker, 30 Prozent sind von mir", erklärt der Wiebelskircher. Sein Bühnenprogramm absolviert er ohne Manuskript "und es gibt auch keine Spickzettel", versichert Linn und dazu muss er vor jedem Auftritt 30 DIN-A 4-Seiten Text auswendig lernen.

Martin Linn hat ganz klare Vorstellungen von der Figur, die er darstellt und deren Wirkungen. "Heinz Becker ist ein Spiegelbild der Gesellschaft", meint er, "und wer über ihn lacht, der lacht auch über sich selbst". Eines macht der Wiebelskircher aber klar: "Die Leute müssen begreifen, dass der Spießer Heinz Becker eine fiktive Figur ist." Er verdeutlicht das mit einer eigenen Erkenntnis. "Wenn ich die Batschkapp anziehe, bin ich e annerer Mensch", sagt Linn und fügt hinzu: "Es kann dann durchaus aach vorkomme, dass ich mei Frau mit Hilde anrede". Er habe noch viele Projekte im Kopf, erklärt Martin Linn und verrät einen Wunsch. "Gerd Dudenhöffer ist für mich ein Idol und deshalb ist es mein größter Traum, mit ihm mal etwas gemeinsam zu machen".

Seit es ihn der Liebe wegen nach Wiebelskirchen verschlagen hat, wo er seit 2012 mit Frau Tanja und Sohn Danilo auch wohnt, ist Martin Linn bisher zwei Mal im Ort aufgetreten. Den Erlös hat der AH-Fußballer jeweils den Jugendfußballern des TuS zur Verfügung gestellt und auch wenn er am 12. November in einer Wiebelskircher Gaststätte erneut als Heinz Becker auftritt, wird er den Erlös stiften. "Ich habe nicht viele Auslagen", erklärt er, "und mit überwiegend geklauten Dingen will ich kein Geld verdienen".

Wenn es mit Heinz Becker einmal nicht mehr klappen sollte, kann Martin Linn jederzeit auf Wolfgang Niedecken oder Herbert Grönemeyer zurückgreifen, denn die hat er fast genauso gut im Repertoire.