Barock trifft Rock

Illingen. Ein Jahr geht, die Große Nachtmusik in Illingen kommt, wie jedes Jahr pünktlich am Silvestervorabend, und das seit nunmehr 22 Jahren

Illingen. Ein Jahr geht, die Große Nachtmusik in Illingen kommt, wie jedes Jahr pünktlich am Silvestervorabend, und das seit nunmehr 22 Jahren. Ein minutiös geplanter Programmablauf, perfekte Organisation und ein abwechslungsreiches Musikprogramm, das nicht, wie man so schön sagt, für jeden etwas im Portefeuille hatte, aber trotzdem mannigfaltig gemischt war und sich vor allem auf hohem künstlerischen Niveau abspielte.

Freude über Rekordbesuch

Die Veranstalter von der AG Nachmusik, einer Gruppe musikbegeisterter Leute aus Illingen, wurden für ihre Mühen belohnt. Mehr als 300 Besucher kamen in die Illipse, "so viel wie seit Jahren nicht", freute sich Vera Jochum von der AG. Von klassischer Musik mit Werken von Eric Satie und Johann Sebastian Bach, präsentiert von der Illinger Musikerfamilie Doll, bis Rock zum Abtanzen spannte sich der Bogen und alle waren zufrieden. Durch das Programm führte Walter Thomas und er hatte bei seiner Präsentation eine verlorene Wette einzulösen. "Irgendwas mit Weltuntergang", geheimniste er. Er führte durch das Programm in Reimen und brachte wirklich das Kunststück fertig, dies bis zum Ende durchzuhalten, wenngleich der ein oder andere Quälreim dabei entstanden ist. Falcon Mill machten im Foyer den Auftakt mit Blues-Rock-Cover-Titeln. Im Saal ging es flott weiter mit Uwe Hill und Udo Lovisa als Duo Maryland Street in für Folk- und Countrymusik ungewohnter Instrumentierung (Gitarre, Saxophon, Gesang).

Drei Generationen der Musikerfamilie Doll setzen das Programm mit Kammermusik aus Barock und Klassik fort. Dabei bemerkte Thomas Doll, dass Illingen das musikalisch-kulturelle Zentrum des Saarlandes sei. "Im Gegensatz zu Saarbrücken oder Saarlouis bilden wir uns jedoch nix drauf ein, sondern machen einfach gute Musik in Illingen". Caleido Club, definiert durch die klangvolle Stimme von Annika Jonsson und die poetische Trompete von Manuel Scherer ließen weltmusikalische Kuschelatmosphäre aufkommen. Nicht fehlen durfte der gemischte Chor Vox Populi unter der Leitung von Andreas Goldbach zusammen mit Christof Thewes und seinem Quartett.

30 Jahre Captain Sperrmüll

30 Jahre auf dem Buckel hat die Formation Captain Sperrmüll, von deren Urbesetzung nur noch der angehende Lehrer Didi Conrad übrig ist. Er habe die aktuelle, kleine Tournee seines Trios um den Auftritt bei der Großen Nachtmusik "sehr gerne" erweitert. Politisches mit klaren Worten, gut gewürzt mit Rock, sind nach wie vor die Sache der Sperrmülls. Die Gebrüder Grimmig, bestehend aus Christof Thewes (Posaune, Elektronik), Herbert Weidemann (Chapmann Stick) und Manuel Schwierczek (Schlagzeug) verloren sich nicht in leeren Versprechungen. Sie verlangten Konzentration und musikalische Gefolgschaft von ihrer Hörerschar.

Die Aufgabe, das Abtanzen der jüngeren Gäste zu begleiten, hatten heuer Teenage Guide to Popularity übernommen. Sie schonten weder sich noch die Tänzer, denn ihre Musik besteht aus Sex und Rock'n'Roll.