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Ausschreibung zum Günter-Rohrbach-Filmpreis geht Ende Mai raus

Kostenpflichtiger Inhalt: Günter-Rohrbach-Filmpreis : Gala ja oder nein? – Das ist in Neunkirchen noch die Frage

Ende Mai geht die Ausschreibung zum zehnten Günter-Rohrbach-Filmpreis raus. Alles andere ist allerdings zurzeit noch offen.

Normalerweise wüsste SZ-Redakteurin Melanie Mai jetzt genau, was sie jeden Abend tut: Filme gucken. Mai gehört seit der ersten Günter-Rohrbach-Filmpreis-Verleihung 2011 zur Vorjury. Das bedeutet: Zusammen mit vier Mitstreitern schaut sie sich die eingereichten Filme an, trifft zusammen mit ihnen eine Vorauswahl,  aus der die Jury dann den oder die Gewinner auswählt. Normalerweise. Nur, wir wissen es längst, in Zeiten der Corona-Pandemie ist eben nichts normal. Das heißt für Melanie Mai: Die Abende sind mehr oder weniger zur freien Gestaltung frei. Das heißt aber für die Filmschaffenden, für die Schauspieler, die Jury und die Günter-Rohrbach-Filmpreis-Stiftung: Keine Ahnung, wie es letzten Endes dieses Jahr aussehen wird.

„Wir halten uns zurzeit noch alles offen“, sagt der Stiftungsvorsitzende und Gründer des Filmpreises, Neunkirchens Ex-OB Jürgen Fried, auf SZ-Anfrage. Eines ist zumindest seit dieser Woche entschieden: Bis Ende Mai wird die Ausschreibung raus sein. Die Produktionsgesellschaften sind bereits informiert. Damit wird sich vor allem für die Vorjury so oder so alles verzögern. „Vor zwei Jahren beispielsweise waren im Mai schon zehn, 15 Filme da, das hat das Ganze gut entzerrt“, erinnert sich Mai. Meist habe die Vorjury-Sitzung so Anfang/Mitte September stattgefunden. „Je später der erste Film ankommt, umso länger werden die Abende in den Folgewochen“, sagt Mai. Immerhin reden wir von rund 80 Filmen.

Wie es nach der Ausschreibung weitergehen wird, das weiß bislang noch niemand. Auf jeden Fall wird man noch in diesem Jahr die Filme begutachten. Gala oder nicht, das aber ist momentan noch die große Frage. Und dabei ist es ausgerechnet die zehnte Preisverleihung. Weil das was Besonderes ist, hatte man sich von Seiten der Stiftung auch eine an Aktionen erweiterte Filmpreis-Woche vorgenommen. Da hätten verschiedene Workshops stattfinden sollen, möglicherweise der Saar-Lor-Lux-Filmemmacherabend. Auch wollte man die ehemaligen Jury-Vorsitzenden noch einmal einladen. Das waren immerhin so illustre Namen wie Senta Berger, Elmar Wepper, Juliane Köhler, Barbara Auer, Klaus Doldinger, Burghart Klaußner, Nicolette Krebitz, Herbert Knaup und Margarethe von Trotta. In diesem Jahr hat Schauspieler Ulrich Matthes den Vorsitz.

Was möglich sein wird, „das alles ist zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss“, sagt Fried. Noch ist eben nicht einmal klar, ob die Preisverleihungs-Gala überhaupt stattfinden wird und falls ja, in welcher Form. Traditionell ist Veranstaltungstag der erste Freitag im November, das wäre in diesem Jahr der 6. November. „Ob man diese hochwertige Gala in abgespeckter Form veranstalten könnte, ich weiß es nicht“, überlegt Fried im SZ-Gespräch. Andererseits weiß er auch, dass die insgesamt 20 000 Euro Preisgeld den Künstlern sicherlich sehr zupass kommen würden.

Wie sieht es das Vorjury-Mitglied Mai? „Ich fände es nicht gut für den Filmpreis, wenn er eine Zwangspause machen müsste“, überlegt die Redakteurin. „Also würde ich wohl eher bevorzugen, den Filmpreis ohne Gala über die Bühne zu bringen. Falls wir im November keine Masken- beziehungsweise Abstandspflicht mehr hätten, dann wäre ich natürlich für die Gala.“

Wie eine Preisverleihung ohne Publikum abläuft, das konnte man gerade beim Deutschen Filmpreis erleben – eine Übertragung ganz ohne Zuschauer. Dort wurde der Preis im Übrigen mehr oder weniger erwähnt: Als der Moderator im Wasser stand, erinnert sich Mai, fragte er: „Sind wir hier etwa beim Günter-Rohrbruch-Preis oder was?“. Nichts desto Trotz: Was der deutsche Filmpreis jetzt mit acht Auszeichnungen belohnt hat, das hat die Jury des Günter-Rohrbach-Filmpreises bereits im November gewusst und „Systemsprenger“ den mit 10 000 Euro dotierten Günter-Rohrbach-Preis verliehen.

Der Namensgeber selbst war damals übrigens zum ersten Mal seit Bestehen des Preises nicht anwesend. Der in Neunkirchen geborene und in München lebende Produzent zahlreicher Filmbestseller („Das Boot“) hatte sich einen grippalen Infekt zugezogen. Das hatte die Verleihung im vergangenen Jahr schon anders gemacht als sonst. Vor einem Jahr hatte der damals gerade 91 gewordene Rohrbach aber durch Fried verkünden lassen: Nächstes Jahr sei er wieder dabei. An ihm soll es auch wohl nicht liegen. Denn auf Nachfrage kann der Neunkircher Ex-OB versichern: „Rohrbach geht es gut.“ Im Telefonat vor einigen Tagen habe er Fried erzählt, dass er auf sich aufpasse. Morgens geht er demnach im Englischen Garten spazieren, den Rest des Tages verbringe er dann im Haus.

Nora Fingscheidt ist Regisseurin des Films „Systemsprenger“, der den Rohrbach-Filmpreis 2019 gewann. Foto: dpa/Axel Heimken
Günter Rohrbach bei der Verleihung 2018, vergangenes Jahr konnte er nicht teilnehmen. Dieses Jahr wollte er wieder kommen. Foto: Jörg Jacobi

Und so warten sie alle. Die Stiftungsmitglieder und der Namensgeber darauf, dass es bald eine Lösungsmöglichkeit gibt und eine Entscheidung Gala ja oder nein getroffen werden kann. Die Jurymitglieder auf die vorausgewählten Filme. Und die Vorjury darauf, dass es endlich los gehen kann mit dem sichten. Damit Barbara Wackernagel-Jacobs, Gabriella Bandel, Marisa Winter, Christian Bauer und Melanie Mai endlich ihre Abendgestaltung wieder ganz klar definiert haben.