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Weihnachtskonzert
Auf Musikreise ins Märchenland

Sein 43.  Weihnachtskonzert in der Marienkirche veranstaltete der Verkehrsverein Neunkirchen.
Sein 43.  Weihnachtskonzert in der Marienkirche veranstaltete der Verkehrsverein Neunkirchen. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Mit stehenden Ovationen belohnten die Besucher des Weihnachtskonzertes in der Marienkirche die Akteure am Ende. Von Joshua Michel

Das Innere der Marienkirche leuchtete im warmen Licht zahlreicher Kerzen. In den Kirchenschiffen sitzend ließen sich die Passagiere vom Fluss der Musik treiben. An den schönen Klängen hatte auch das Bildnis des Heilands teil, das über die Menschen zu wachen scheint. Märchenhaft. Und so lautete auch der Titel des Weihnachtskonzerts, das der Verkehrsverein Neunkirchen (VVN) am dritten Advent veranstaltet hatte.


Mehr als 400 Menschen hatten um 16 Uhr in der Marienkirche Platz genommen.

Das Orchestre Symphonique SaarLorraine nahm sie mit auf eine Märchen-Reise mit Hänsel und Gretel, in den blühenden Frühling, zu Tango tanzenden Kobolden, frei fliegenden Vögeln und in romantische Mondnächte.

Das Orchester hat sich 1994 gegründet. Mit dem Ziel, Grenzen zu überschreiten, haben sich damals das Tritonus-Orchester (Saarland) und das Orchestre de Sarreguemines (Lothringen) zusammengeschlossen. Zuerst ein Streichorchester, hat es sich seit 2000 mit der Einsetzung Götz Hartmanns als Dirigent nach und nach zu einem Sinfonie Orchester entwickelt.

Pünktlich um 16 Uhr nahmen die etwa 50 Instrumentalisten Platz. Nach dem gemeinsamen Stimmen begann die Reise mit dem Vorspiel zur Märchenoper „Hänsel und Gretel“ (Engelbert Humperdinck). Verträumt und friedlich mutete das Stück an: Lang gehaltene Töne und sachte Melodien der Streicher schwellen in Wellenformen auf und wieder ab. Es geht über in ein schnelles Treiben. Die Hornbläser durchbrechen die Ruhe mit aufbruchsfreudiger Abenteuerlust. Doch so schnell wie es kam, geht es wieder und die Streicher führen das Stück erneut in romantische Ruhe. Dirigent Hartmann spinnt und verwebt unterdessen die Fäden der Musik zu feinen Stücken. Und die Akustik der Kirche spannt den musikalischen Stoff einem Segel gleich über alle Schiffe. So dass jeder die Musik hören kann. Nach einem stolzen Ende, das die Segel noch etwas nachflattern lässt, applaudiert das Publikum.



Annelie Scherschel-Freudenberger vom Verkehrsverein erklärte in ihrer Moderation, dass dies bereits das 43. Konzert des Vereins sei.  Außerdem informierte sie darüber, dass Mezzo-Sopran Gabriele May krankheitsbedingt ausfalle. Diese werde aber an diesem Abend von Sabrina Hentschke, die ein Gastengagement am Staatstheater innehabe, vertreten.

Doch Hentschke ist nicht der einzige Gast. Da sind noch Nino Deda am Akkordeon und Gitarrist Michal Marx. Das Duo zeigt, dass Bach rockt. Zum Beispiel in der etwas frei arrangierten Invention in a-moll, gibt es neben der flotten Jagd der Motive noch virtuose Soli mit fast spanischer Begleitgitarre. Es wirkt wie eine Intervention in der Invention, die die straffen Fesseln des Barock lockert. Auch die zwischen Melancholie und wilden Kämpfen zerrissenen Tangos von Astor Piazolla bringen viel Energie mit sich.

Die zweite Gastsängerin ist Anne Kathrin Fetik (Sopran). Sie singt das bekannte Blumenduett aus der Oper „Lakmé“ (Leo Delibes) zusammen mit Hentschke.

Dass die beiden Sängerinnen noch ein Orchester im Rücken haben, könnte man gar nicht meinen. Klar vernehmbar füllen ihre Stimmen den Raum und spannen die schwingende Luft. „Am schönsten war für mich das Blumenduett”, sagt dann auch Silvia Koob zur SZ. „Aber auch der Abendsegen aus der Märchenoper Hänsel und Gretel und die Zugabe gefielen mir sehr gut.” Hier spielten am Schluss alle Gastmusiker zusammen mit dem Orchester – eine harmonische Vereinigung. So harmonisch, dass nach der Zugabe (Michael Marx’ Vertonung des Gedichts „Die Mondnacht” von Eichendorff) das Publikum stehend seinen Beifall bekundet. „Es war einfach schön”, so Birgit Reinhardt. Und sie empfiehlt: „Ein Konzert in der Marienkirche ist immer einen Besuch wert.”