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Georg Friedrich Dasbach
Auf den Spuren des Sozialpolitikers Georg Friedrich Dasbach

Mit Karl Stumm lieferte sich Dasbach heftige Wortgefechte.
Mit Karl Stumm lieferte sich Dasbach heftige Wortgefechte. FOTO: Willi Hiegel
Neunkirchen. Vor 110 Jahren starb der Gründer der „Neunkircher Zeitung“, der sich auch stark für die Bergleute in der Region engagierte.

Unerschrocken engagierte er sich im Meinungsstreit seiner Zeit, auch im Saarrevier. Die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der kleinen Leute lag ihm besonders am Herzen. Als Zeitungsgründer wurde er berühmt. Seinen Gegnern - darunter auch der Neunkircher Hüttenbaron Freiherr von Stumm - war er ein Dorn im Auge: Der katholische Priester und Politiker Georg Friedrich Dasbach (1846-1907), von dem hier die Rede
ist, war eine vielseitige Persönlichkeit. Ein Mann des Wortes und der
Tat mit Ecken und Kanten.


Dasbach, der vor jetzt 110 Jahren starb, stammte aus dem Westerwald. Sein Leben und Wirken war eng mit der Stadt Trier verbunden. Dort machte er am Jesuiten-Gymnasium Abitur (1864), dort wirkte er nach der Priesterweihe (1871) als Kaplan der Pfarrei St. Gervasius in der Innenstadt. Dasbachs erste und einzige Stelle im Kirchendienst. Er blieb sein Leben lang Kaplan. Für ihn ein Ehrentitel.  Im ‚‘Kulturkampf``, der erbitterten Auseinandersetzung zwischen Preußen und der katholischen Kirche (1871-1887), wurde der Jungpriester 1875 vom Staat mit einer Amtssperre belegt. Dasbach hatte als Redner und Zeitungsschreiber gegen die antikirchlichen Schikanen der preußischen Regierung gewettert, den „Kanzelparagraphen“ bekämpft und das Verbot des Jesuitenordens beklagt.  Das rief die preußischen Beamten auf den Plan. Auch liberale Katholikenkreise, die eine Verschärfung des Kulturkampfes und der Notlage der Seelsorge befürchteten. Zuletzt waren im Bistum Trier, zu dem auch ein Großteil der Saar-Region gehört, von 731 Seelsorgerstellen 251 verwaist. Bei der Reichstagswahl 1874 gelang der
Zentrumspartei und ihrem Wahlkämpfer Dasbach im Trierer Land der große Durchbruch.

Der rührige Geistliche hatte mit Wahlbroschüren und anderen Druckwerken gutes Geld verdient. Das erlaubte ihm, 1875 das „Sanct-Paulinus-Blatt“ und die „Katholische Volkszeitung“ herauszubringen. Die erste „Paulinus“-Ausgabe erschien am Tage der Entlassung von Bischof Dr. Matthias Eberhard (1815-1876) aus dem Trierer Stadtgefängnis. Er hatte dort 300 Tage Einzelhaft verbüßt. Weil er Neupriester ohne staatliche Genehmigung zu Kaplänen ernannt hatte.



Auch andere Geistliche wurden damals wegen Unbotmäßigkeit mit Gefängnis und Geldbußen bestraft. Kein Wunder, dass sich Dasbachs
Zeitungen für die Religionsfreiheit und die Rechte der Katholiken stark machten. Auch die 1884 gegründete „St. Johanner Volkszeitung“ (Saarbrücken), die „Westpfälzische Zeitung“ (1888, St. Ingbert) und die „Neunkirchener Zeitung“ (1894).

Dasbachs Gegner zogen alle Register. Man beschimpfte ihn als „Sozialdemokrat“, boykottierte seine Blätter und beschuldigte sie permanenter Beamtenbeleidigung. Dasbach führte in der Tat eine spitze Feder, doch konnte er auch versöhnlich auftreten. Etwa 1889 beim großen Grubenstreik an der Saar. Niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen, bestechliche Steiger und Beamtenwillkür hatten die Bergleute auf die Palme gebracht.

Kaplan Dasbach stand den 11 500 Streikenden zur Seite, mahnte aber – bei einer Protestkundgebung am 9. Juli 1889 in Bildstock – zur Gesetzestreue: „Wer das Gesetz verletzt, der schadet sich selbst.“ Das hatte Erfolg. Auf seinen Rat hin gründeten die Bergleute damals den „Rechtsschutzverein“, die erste gewerkschaftsähnliche Organisation an der Saar. Um die Jahrhundertwende schaffte Dasbach den Sprung in die große Politik nach Berlin, als Abgeordneter im Preußischen Landtag (1889) und im Reichstag (1898). Dort kreuzte er oft mit dem Neunkircher Hüttenbaron Carl-Ferdinand Freiherr von Stumm (1836-1901) die Klingen. Seine „Jungfernrede“ im Landtag war ein einfühlsames Plädoyer für die Anliegen der Bergleute:
„Der Bergmann ziehe jeden Morgen sein Totenhemd an. Wer jahrelang zehn Stunden unter Tag arbeiten müsse, fern dem erquickenden Licht der Sonne, in ungesunder, durch Kohlenstaub und Pulverdampf verderbter Luft, bei extremer Hitze und ohne ein kräftiges Mittagsmahl, der habe Anspruch auf reichliche Nahrung und noble Behandlung.“
Vermögend geworden, aber bescheiden lebend, starb Georg Friedrich Dasbach am 11. Oktober 1907 sechzigjährig an Magenkrebs. Sein auf 70 000 Mark geschätztes Vermögen ging größtenteils an die Pfarrkirche St. Hedwig (Berlin) für den Bau einer Kapelle und eines Studentenheims. Die von ihm gegründete Presse ist – bis auf den „Paulinus“, das Trierer
Bistumsblat – untergegangen. Auch die „Neunkircher Zeitung“, die Ende Mai 1972 ihr Erscheinen einstellte. Letzter Chef der Lokalredaktion am Hüttenberg gegenüber der Marienkirche war der Journalist Hans Staut (1915-1977).