| 21:09 Uhr

Skaterkurs
Auf den Brettern, die die Welt bedeuten

An der Skateranlage im Wagwiesental veranstaltete der Landesverband des Jugend-Rotkreuz einen Workshop. Ahmad Alhouri aus Syrien (vorne) hatte gemeinsam mit seinen deutschen Freunden dabei viel Spaß.
An der Skateranlage im Wagwiesental veranstaltete der Landesverband des Jugend-Rotkreuz einen Workshop. Ahmad Alhouri aus Syrien (vorne) hatte gemeinsam mit seinen deutschen Freunden dabei viel Spaß. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Im Rahmen des Projektes für „Freizeit-Checker“ fand im Wagwiesental ein Skaterkurs für die Jüngsten statt. Von Anja Kernig

„Hier kommt Superman.“ Der Junge auf dem Skateboard reckt die Faust nach vorn und fliegt mit Heldenpose vorüber. Naja, eigentlich ist es gar nicht Superman, sondern Lars. Über Superkräfte verfügt der Zwölfjährige in den Bermuda-Shorts und dem grauem T-Shirt also nicht. Egal, an diesem Vormittag im Wagwiesental hatten er und seine Mitstreiter des Jugendrotkreuz- Projekts „Be part of it“ (übersetzt: Sei ein Teil davon) jede Menge Spaß.


2017 wurde das von der Aktion Mensch geförderte „Projekt für Freizeit-Checker“ aus der Taufe gehoben, erzählt Koordinatorin Meike Jacobs. Auf drei Jahre angelegt, begann die erste Gruppe in Saarbrücken, Nummer zwei in Kleinblittersdorf und mit Neunkirchen folgte im Mai schließlich die dritte. Bei „Be part of it“ dürfen Kinder und Jugendliche gemeinsam aktiv, kreativ und neugierig sein. „Dabei ist es ganz egal, ob man erst seit kurzem in Deutschland wohnt oder schon länger.“

Konkret geht es darum, sich in einer Gruppe Gleichaltriger regelmäßig zu treffen und gemeinsam Freizeit sinnvoll zu gestalten. „Wer sind wir, wo liegen unsere Ressourcen, worauf haben wir Lust“, aus den Antworten ergeben sich die Inhalte der einzelnen Treffen. In den letzten fünf Wochen waren die immer mittwochs, jetzt in der ersten Ferienwoche kommt die 15-köpfige Truppe täglich zusammen. Sie alle sind Schüler der sechsten und siebenten Klasse der Ganztags-Gemeinschaftsschule, mit der man kooperiert, so Meike Jacobs. Musikworkshop, Skater-Workshop, Hochseilgarten – das Programm ist bunt und abwechslungsreich. Ahmad gefällt es. Der 12-jährige Syrer lebt mit seinen Eltern und drei Geschwistern (fünf, sieben und 15 Jahre alt) seit „fast vier Jahren“ hier. Geboren und aufgewachsen ist er in Homs. Früher zählte die drittgrößte Stadt Syriens gut 650 000 Einwohner, heute rund 200 000. Sieben Jahre Bürgerkrieg haben tiefe Wunden gerissen in der Hauptstadt der Revolution, in der sich 2011 Tausende gegen Machthaber Assad erhoben hatten. Einige Viertel liegen in Schutt und Asche, gut drei Viertel aller Gebäude wurden von Bomben zerstört.



Doch das ist weit weg. Ahmad, der fließend Deutsch spricht, ist derzeit der einzige Flüchtling in der Gruppe. „Ich habe mich gefreut, dass ich hierherkommen darf.“ Ginge es nach Meike Jacobs, dürften es gern noch ein paar mehr sein: „Eines der Ziele ist es auch, den Wohnort besser kennen zu lernen und hier Fuß zu fassen.“ Ahmad selbst ist voll integriert, mit den anderen Kindern zusammenzuarbeiten ist für ihn selbstverständlich. Wie etwa beim Geocaching, wo man per GPS-Koordinaten einen Schatz finden musste. Statt gegeneinander anzutreten, haben alle gemeinsam gesucht, strahlt Ahmad. „Wir sind schon ein gutes Team geworden“, bestätigt Sinan (zwölf). Eines, in dem man sich gegenseitig vertraut. „In der Schule helfen wir uns immer.“

„Die sind schon cool drauf“, bestätigt Caro Becker, die schon oft in Neunkirchen Skate-Kurse angeboten und gegeben hat, „eine schöne Gruppe“, sagt sie. Unter Anleitung der Homburger Inline-Academy-Inhaberin und ihres Mitarbeiters probierten die Kids auf und an der Skateranlage im Wagwiesental sowohl Basics aus als auch kleine Tricks. „Wir passen das Programm individuell an“, erklärt Caro Becker. Wer wollte, konnte sich beispielsweise auch einfach aufs Brett setzen und probieren, durch Verlagerung des Körpergewichts um die Kurven zu sausen. Ausgelacht wurde jedenfalls keiner, auch wenn die Skateboardfahrt mal schief ging. Besonders freute sich Caro Becker, dass kein Konkurrenzdenken im Spiel war. Stattdessen hieß es, „probiere es mal so oder so“, lobte die Trainerin. „Da wird keiner ausgegrenzt.“