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Auch dort, wo Trubel und Treiben ist, kann man sich einsam fühlen

Auch dort, wo Trubel und Treiben ist, kann man sich einsam fühlen

Mainzweiler. Eigentlich hatte der Fotograf Jan Reif nie vor, sich mit Einsamkeit und Melancholie zu beschäftigen. Zu klischeehaft, zu ausgelutscht schien ihm dieses Bildthema. Dass er in seiner Ausstellung "Facetten der Einsamkeit" in der Alten Schule Mainzweiler mit 34 Fotos nun doch genau solche Stimmungen behandelt, ist einem Zufall geschuldet

Mainzweiler. Eigentlich hatte der Fotograf Jan Reif nie vor, sich mit Einsamkeit und Melancholie zu beschäftigen. Zu klischeehaft, zu ausgelutscht schien ihm dieses Bildthema. Dass er in seiner Ausstellung "Facetten der Einsamkeit" in der Alten Schule Mainzweiler mit 34 Fotos nun doch genau solche Stimmungen behandelt, ist einem Zufall geschuldet. "Das Projekt entstand aus einem völlig versemmelten Shooting", berichtet Reif grinsend. An diesem Abend im Studio wollte nichts so richtig klappen: Er war schlecht drauf, das Model war schlecht drauf und die Kamera schien sich zu sträuben. Schließlich ging man an die frische Luft, wobei das erste Foto der melancholischen Reihe entstand: Eine Frau in einem Hosenanzug im Stil der 20er Jahre läuft die leere, schwach beleuchtete Straße hinunter.Mit 30 weiteren Modellen hat Reif sich weiter an das Thema herangetastet. Die Fotos, allesamt Schwarz-Weiß-Aufnahmen, geben ganz persönliche Einblicke in die Gedanken und Gefühle der Abgebildeten. Reif ist es gelungen, das "Klischee-Thema" auf eine authentische Art neu zu beleuchten.

Keine Tränen, die überschminkte Gesichter hinunterkullern, sondern echte Menschen, in ganz persönlichen Situationen, die sie mit Einsamkeit oder Melancholie verbinden. "Ich hatte mit jedem einzelnen ein sehr intimes Gespräch", berichtet der Fotograf. Dabei ging es um Fragen wie: "Auf welche Art erlebst du Einsamkeit?" oder "Was tust du, wo gehst Du hin, wenn du traurig bist?". Die Ideen, die daraus entstanden, so Reif, wären ihm alleine nie gekommen.

Ein junger Mann in karierter Jacke und Schal beobachtet ein Fußballspiel. "Das ist Eugen. Er hat oft das Gefühl, nicht dabei sein zu dürfen", erklärte der Künstler.

In einem anderen Bild lehnt Tim in einem Türrahmen. In seiner Hand hält er ein Buch, sein Blick geht auf Paare, die in dem sich öffnenden Raum tanzen und lachen. Der Betrachter steht hinter Tim und nimmt seine Perspektive ein. Ganz automatisch beschleicht auch ihn das Gefühl, dass Tim in diesem Moment haben muss. "Beklemmende Stille" heißt ein weiteres Bild: Ein Mann und eine Frau sitzen am Tisch, finden jedoch keinen Zugang zueinander, jeder bleibt allein.

Ortsvorsteher Udo Zägel ist stolz, die Ausstellung für das historische Schulhaus in Mainzweiler gewonnen zu haben: "Hier wurden ganz unterschiedliche Eindrücke von Einsamkeit zusammengestellt. Auch dort, wo Trubel und Treiben ist, kann der Mensch sich einsam fühlen." Und Reif betont: "Die Modelle haben sich geöffnet, und wir hatten trotz des Themas eine Menge Spaß."

Die Ausstellung kann noch bis zum 24. Juni Sonn- und Feiertags von 15 bis 18 Uhr besichtigt werden in der Alten Schule in Mainzweiler (Hauptstraße). Der Fotograf ist zu den Öffnungszeiten selbst anwesend.