Das Jahr brachte für den ASB große Veränderungen Auch ein Geschenkebaum gehört zu den neuen Projekten

Neunkirchen · Vor einigen Wochen hat der Ortsverband Neunkirchen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) sein 100-Jähriges gefeiert. Quasi zum Jubiläum hat man neue Räume bezogen und auch sonst hat der neue Vorstand so einiges geplant.

Zu Besuch in den neuen Räumen des ASB
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Zu Besuch in den neuen Räumen des ASB

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Foto: Elke Jacobi

Von Elke Jacobi

Wer jetzt in der Vorweihnachtszeit auf Geschenkesuche für Kinder geht, der ist mit Sicherheit schon dran vorbeigekommen. Im Eingangsbereich eines großen Spielzeugladens im Blücherflöz steht ein Weihnachtsbaum. Und an dem hängen ganz viele Wunschzettel. Hingehängt wurden die von den Mitarbeitern. Die Wünsche allerdings, die stammen von von Armut betroffenen Kindern aus Neunkirchen. Der Baum ist ein Pilotprojekt des Ortsverbandes Neunkirchen des Arbeiter-Samariter-Bundes. Die Aktion findet zusammen mit der Tafel statt und läuft folgendermaßen: Bis zu einem Wert von 20 Euro suchen sich die Kinder etwas aus. Das wird hinterlegt, der Wunschzettel kommt an den Baum. Jeder, der möchte, kann sich bis zum 14. Dezember einen solchen Zettel nehmen, an der Kasse bezahlen. Die Aktion löst die Aktion ab, die früher im ehemaligen Kaufhof stattfand und hat als Besonderheit, dass die Kinder sich ihr Geschenk selbst aussuchen. Und, wie das Christkind dem ASB verraten hat: Vergessen werden wird wohl niemand.

Die Baumaktion ist eine von vielen Neuerungen, die beim ASB in den nächsten Wochen und Monaten anstehen. Gerade ist der Ortsverband 100 Jahre alt geworden und hat das groß in der Gebläsehalle in Neunkirchen gefeiert. Ganz frisch ist auch noch der Umzug. Raus aus den beengten Verhältnissen in der Bachstraße auf großzügige 200 Quadratmeter am Hüttenberg, Eingang Rollerstraße. Und im kommenden Jahr kommen vielleicht noch 40 Quadratmeter dazu, die man ebenerdig zur Straße anmieten möchte. Dort soll dann die Jugend hin. Die neue, zu gründende Jugendgruppe ist ein weiteres Projekt, das sich der neue Vorstand vorgenommen hat. An dessen Spitze steht Lukas Münninghoff, als Stellvertreterin zur Seite hat er Nadja Flammann, auch Leiterin der Rettungshundestaffel, Beisitzer sind Tina Roski, Carolin Bartholdt und Rüdiger Becker vom neuen Kriseninterventionsteam/Psychosoziale Notfallversorgung.

Noch sind die Umzugsarbeiten nicht gänzlich abgeschlossen. Wer hier in den ersten Stock der Hüttenbergstraße 40 kommt, kann aber schon erahnen, welche Möglichkeiten die verschiedenen Räume bieten. Gleich rechts ist der bereits fix und fertige Schulungsraum. Tische, Stühle, Flipcharts und Plakate zeigen: Hier findet die Ausbildung zur Ersten Hilfe statt. Der dafür Verantwortliche ist Patrick Mollet. Um den zu treffen, geht es vorbei am Anmeldetresen um die Ecke, ein paar Stufen hoch. Geradeaus ist sein Büro. Mollet selbst ist beim SZ-Besuch grad dabei, eines der vielen Pakete zu leeren und in einen der Schränke einzuräumen. Masken sind hier drin für die Reanimierpuppe. Mollet ist seit 2022 hauptberuflich beim ASB tätig. Macht Erste-Hilfe-Kurse in Schulen, Kindergärten und natürlich für jedermann. Zurzeit macht er auch eine Ausbildung zum Mentor.

An Kisten und Schränken vorbei ist links das Büro von Geschäftsstellenleiterin Silke Jung. Hier ist auch ein größerer Tisch für Besprechungen. Und an dem warten neben Münninghoff und Flammann auch Carolin Barthold und Petra Schwender-Becker. Schwender-Becker ist Leiterin des im Aufbau befindlichen Kriseninterventionsteams. Vor ein paar Monaten wurde das Team gegründet, im kommendem Jahr sollen die Notfallseelsorger einsatzbereit sein. Anfang des Jahres gibt es einen Forbildungs-Grundkurs für weitere Interessenten. Elf Leute gibt es schon, sie alle waren bereits lange in dem Bereich tätig. Sobald die bereits bestellten Kleidungsstücke angekommen sind, kann es  losgehen.

Die Betreuung der ASB-Notfallseelsorger richtet sich an Einsatzkräfte. Wird der ASB informiert über die Rettungsleitstelle – und nur dann –, dass ein Einsatz zu fahren ist, fahren die Notfallseelsorger raus. Immer zu zweit. Wie wichtig diese psychische Erste Hilfe ist, das wissen die beiden Frauen aus eigener Erfahrung. Sind sie doch beide aktiv in der Feuerwehr. Barthold erinnert sich da vor allem an den Einsatz im Ahrtal.

Durch ihre eigene Tätigkeit bei der Wehr, so wissen sie, haben sie ein ganz anderes Entrée, wenn es zum Notfalleinsatz kommt. Gerade junge Einsatzkräfte seien oft nicht vorbereitet auf das, was sie vor Ort erwartet. „Deshalb muss man die Einsatzkräfte auch dafür sensibilisieren, dass sie die Hilfe des Kriseninterventionsteams in Anspruch nehmen“, sagt Schwender Becker. Wer Interesse hat, ebenfalls als Notfallseelsorger tätig zu werden, der kann sich bei der ASB-Geschäftsstelle melden. Bewerben kann sich jeder, der mindestens 23 Jahre alt ist. Aus dem Blaulicht-Milieu zu kommen, ist nicht erforderlich aber hilfreich, denken die Damen vor allem auch an Mitglieder der Alterswehren. Schulungsleitung und ein Therapeut laden dann zum Gespräch, um die Eignung festzustellen. „Sowas kann einfach nicht jeder“, sagt Barthold. Die Ausbildung beginnt im Frühjahr.

Eine Ausbildung von zwei, drei Jahren haben sie hinter sich, die Rettungshunde und ihre Führer, wenn sie sich zur Prüfung anmelden können. Und da kann die Leiterin der Hundestaffel strahlend Erfolg vermelden: Seit Mitte November hat der ASB Neunkirchen seinen ersten erfolgreich geprüften Rettungshund, damit gibt es landesweit jetzt 18. Anfang Februar und März stellt sich ein weiteres Team den Prüfern. Fünf Teams insgesamt sind laut Flammann noch prüfungsbereit. „Ich bin unfassbar stolz“, sagt die stellvertretende Vorsitzende. Im Mai kommenden Jahres, so verrät sie außerdem, wird der ASB selbst Ausrichter der Hundeprüfungen sind. Stattfinden wird das dann aber vermutlich in Illingen.

Bei all dem, was es Neues gibt im Ortsverband, möchte Münninghoff eines auch nicht vergessen wissen: den familienunterstützenden Dienst, bei dem acht haupt- und sechs ehrenamtliche Menschen tätig sind. Apropos Neues: Ab kommendem Jahr will man verstärkt auf die Kooperation mit Schulen setzen, will dort  Schulsanitäter ausbilden.

Um die Ausstattung zusammenzubekommen, beteiligt sich der ASB an der Aktion „Meine Helden“ der Sparkasse. Interessierte Schulen dürfen sich gerne melden.

Der ASB-Ortsverband ist in neuen Räumen. Vorsitzender Lukas Münninghoff (links) und Stellvertreterin Nadja Flammann (Mitte) mit Patrick Mollet (rechts), Petra Schwender-Becker (Zweite von rechts) und Carolin Barthold (Dritte von rechts), Zweite von links Geschäftsstellenleiterin Silke Jung

Der ASB-Ortsverband ist in neuen Räumen. Vorsitzender Lukas Münninghoff (links) und Stellvertreterin Nadja Flammann (Mitte) mit Patrick Mollet (rechts), Petra Schwender-Becker (Zweite von rechts) und Carolin Barthold (Dritte von rechts), Zweite von links Geschäftsstellenleiterin Silke Jung

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Vorsitzender Lukas Münninghoff und Stellvertreterin Nadja Flammann

Vorsitzender Lukas Münninghoff und Stellvertreterin Nadja Flammann

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 Petra Schwender-Becker (rechts) und Carolin Barthold vom PVSN-Team.

Petra Schwender-Becker (rechts) und Carolin Barthold vom PVSN-Team.

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„Es ist alles im Fluss“, sagt Flammann. Und Münninghoff erinnert daran, dass er ebenso wie Flammann erst während Corona zum Ortsverband gestoßen ist. Einem Verband, der zwar 1923 gegründet wurde aber bis 1975 quasi auf Eis lag. „Umso stolzer“, sagt Münninghoff, „sind wir deshalb, dass wir auf einem guten Weg sind, nicht nur mit den Haupt-, sondern auch mit den Ehrenamtlichen.“ Wer da noch eine Betätigung sucht: Das Seniorencafé Sellemols, das seit Corona ruht, würde man gerne wieder wie früher jeden Dienstag für drei Stunden öffnen. Wer Lust hätte, da auszuhelfen bei Kaffee, Kuchen und Spielen, der kann sich gerne melden. Froh ist man beim Vorstand auch über die Unterstützung der Stadt, denn, so Münninghoff: „Unsere Aufgabe ist es, auch als ASB mit dazu beizutragen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.“

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