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Nach Widerstand gegen Globus
„Ein Erfolg gegen alle Erwartungen“

So groß, wie der Globus-Markt in Völklingen hier auf dem Foto, wird der im Alten Hüttenareal in Neunkirchen geplante Markt keineswegs sein. Es soll der kleinste Globus-Markt im Saarland werden, der überwiegend Lebensmittel im Sortiment hat.
So groß, wie der Globus-Markt in Völklingen hier auf dem Foto, wird der im Alten Hüttenareal in Neunkirchen geplante Markt keineswegs sein. Es soll der kleinste Globus-Markt im Saarland werden, der überwiegend Lebensmittel im Sortiment hat. FOTO: rup
Neunkirchen. Dass Globus nicht im Gebiet der Lik-Nord baut, sei ein Sieg der Umwelt gegen Profit, sagt der Illinger Bürgermeister. Die jetzigen Pläne seien aber kein Selbstläufer. Von Marc Prams

Es sei das Heftigste gewesen, was er in seiner bisherigen Amtszeit erlebt habe, erklärte Armin König bei einer Pressekonferenz am Donnerstagabend. Gemeint ist der Kampf gegen eine Globus-Ansiedlung im Kerngebiet des Großvorhabens Lik-Nord. Das Thema ist nun vom Tisch. Globus baut zwar in Neunkirchen, aber wesentlich kleiner als damals geplant, und nicht auf Lik-Nord-Gebiet am Stadtrand, sondern auf dem Alten Hüttenareal in der Innenstadt.


König: „Umwelt siegt gegen Profit“

Der Widerstand habe sich also gelohnt, betont der Illinger Bürgermeister. „Umwelt siegt gegen Profit, Vertragstreue siegt gegen dubiose Absprachen. Gesetze, Verträge und Grundsätze der Landesplanung sowie die grundgesetzlich garantierte kommunale Planungshoheit siegen gegen die Einzelinteressen eines Konzerns und einer Stadt“, so König. Und weiter: „Dabei hatten wir eigentlich keine Chance, wenn man den Aussagen der Lobbyisten geglaubt hätte. Sie haben sich geirrt.“



Mit der jetzigen Lösung könne man zufrieden sein. Nun müssten Globus und die Stadt Neunkirchen so planen, dass alle Gesetze und die Ziele und Grundsätze der Landesplanung sowie europäische Richtlinien eingehalten würden. „Wir fordern Transparenz von Anfang an – wenn noch alle Optionen offen sind. Globus soll ein faires Verfahren bekommen“, so König. Aber: „Wir werden jetzt mit Argusaugen darauf achten, was in Neunkirchen geplant wird. Das ist kein Selbstläufer.“

Bürgermeister erwartet Transparenz

Transparenz ist ein Begriff, der König oft über die Lippen kommt. Genau die habe er vermisst bei der ursprünglichen Planung.  „Ich erwarte, dass sämtliche Akten und Gutachten nun geöffnet werden und das Land seinen Widerstand gegen Transparenz und rechtsgültige Umweltinformationsbegehren aufgibt.“

Überhaupt sei er nach wie vor vom Verhalten der saarländischen Umweltbehörde enttäuscht. „Da hieß es einfach: Die Lik soll die Fläche ausgliedern, dann kann dort gebaut werden.“ So dürfe sich eine Umweltbehörde nicht verhalten. Er hoffe, dass sich dies im Falle der Grubenflutung nicht wiederholen werde.

„Das ging tief unter die Gürtellinie“

Ähnlich häufig wie der Begriff Toleranz, fällt bei König das „wir“, wenn er von den zurückliegenden Monaten erzählt. „Wir sind massivst bekämpft worden.  Das ging tief unter die Gürtellinie. In solchen Situationen braucht man Unterstützung: Flankenschutz und Rückendeckung. Die haben wir bekommen und gegenseitig geleistet. Weil wir ein starkes Netzwerk waren, sind wir nicht eingeknickt. Langer Atem zahlt sich aus.“

Wir, das sind für ihn Mitstreiter wie der Merchweiler Bürgermeister Patrick Weydmann (SPD), Einzelhandelsbündnisse in Illingen,  Merchweiler und Neunkirchen, die Bürgerinitiative Betzenhölle, Tina Schöpfer (Die Grünen), der Naturschutzbund Nabu, der BUND und  die LIK Nord.

„Hätte man das Ganze nicht ausschreiben müssen?“

„Wer hätte geglaubt , dass es im Industrieland Saarland möglich ist, dass die so verletzbare Umwelt tatsächlich gegen eine mächtige Allianz geschützt wird? Der Bund hat letztlich den Ausschlag gegeben, weil er auf Vertragstreue und Umweltschutz pochte und mit hohen Rückzahlungsforderungen drohte“, so König, der noch immer gerne ein paar Fragen beantwortet hätte. „Haben das Land oder der Forst einen Vorvertrag mit Globus geschlossen? Gab es Mitbewerber? Hätte man das Ganze nicht ausschreiben müssen?“

Und dann ist da noch die Rolle der Stadt Neunkirchen, die sich an mancher Stelle wenig ruhmreich verhalten habe. „Wenn die wussten, dass das nicht geht, dann hätten die Behörden den Arsch in der Hose haben müssen, zu Globus zu sagen: Das geht einfach nicht.“

Aber wie dem auch sei, das Erreichte und die der jetzige Globus-Plan seien im Sinne aller Beteiligten. Illingen könne zufrieden sein, Merchweiler könne zufrieden sein, die LIK Nord könne zufrieden sein, die Bürgerinitaitive Pro Betzenhölle könne zufrieden sein. „Wir haben zusammengehalten, das war das Erfolgsrezept. Es ist ein großer Erfolg gegen alle Erwartungen.“

Der Illinger 
Bürgermeister 
Armin König.
Der Illinger Bürgermeister Armin König. FOTO: Andreas Engel