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Anlaufstelle für Flüchtlinge auf Jobsuche

Anlaufstelle für Flüchtlinge auf Jobsuche

Mit Bundesmitteln stellte das Jobcenter Neunkirchen zusätzliches Personal ein und zusätzliche Programme auf. Jeder sechste Hartz-IV-Bezieher hat einen Asyl-Hintergrund.

Vor einem Jahr lag der Anteil der vom Jobcenter Neunkirchen betreuten Flüchtlinge noch bei sieben Prozent. Prophetisch stellte Geschäftsführerin Katja Sauerbrey damals gegenüber der SZ fest: "Wir wissen, dass das erst der Anfang eines dynamischen Prozesses ist." Aktuell hat jeder sechste Hartz-IV-Bezieher einen Asyl-Hintergrund - die Quote stieg auf 17,7 Prozent. Das sind 1707 Menschen bei derzeit insgesamt 9545 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im SGB II.

Der Anstieg der Flüchtlingszahlen im ersten Halbjahr 2016 hatte durchgeschlagen: "Das war für uns operativ schwierig", sagt Sauerbrey im Gespräch mit unserer Zeitung. "In relativ kurzer Zeit ist eine relativ hohe Zahl ins System reingekommen." Das traf alle Bereiche: Leistungen zum Unterhalt bewilligen, Erstaufnahme Richtung Vermittlung in den Arbeitsmarkt, Einspeisen in Sprachkurse. Mit dem Rückgang der Flüchtlingszahlen im zweiten Halbjahr flachte die Kurve ab (siehe Grafik). Sauerbrey: "Ich denke, wir haben 2016 die Erstversorgung der Flüchtlinge gut gemeistert, ohne dabei unsere anderen Kunden zu benachteiligen. 2017 können wir wieder mehr inhaltlich arbeiten, die Arbeitsmarktintegration stärker in den Blick nehmen und intensiver mit dem Einzelnen arbeiten."

Bundesmittel haben "das Meistern" möglich gemacht. 2,9 Millionen Euro vom Bund flossen nach Angaben der Geschäftsführerin im Vorjahr für zusätzliches Personal und Infrastruktur, die gleiche Summe für arbeitsmarktorientierte Programme. Und auch in diesem Jahr kann damit geplant werden.

Das half, Hilfestrukturen für Flüchtlinge aufzubauen. 25 Mitarbeiter sind dazugekommen: elf Vermittler/Fallmanager, sieben Arabisch-Muttersprachler fürs Dolmetschen, sieben Leistungssachbearbeiter. Auch räumlich hat sich das Jobcenter neu aufgestellt. Im vierten Stock in der Neunkircher Ringstraße 1 ist inzwischen die zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge mit Leistungsgewährung, Anträge stellen, Beratung mit Dolmetschern oder auch Kontakt zu Flüchtlingsnetzwerker der Kammern. Die Dolmetscher sind ein zentrales Element. "Sie müssen nicht vereidigt sein", erklärt Sauerbrey. "Muttersprache Arabisch und gute Deutschkenntnisse helfen schon sehr." Diese Frauen und Männer sind gesucht: "Hier entsteht ein kleiner Arbeitsmarkt."

91 Prozent der Flüchtlinge beim Jobcenter sind Syrer, hat Katja Sauerbrey aufbereitet. Die Mehrheit ist männlich (66 Prozent) und jung (fast 70 Prozent jünger als 35 Jahre, lediglich 11,5 Prozent über 45 Jahre).

Die Bundesmittel erlaubten auch neue Programme, etwa "Perspektiven für Flüchtlinge". Da nicht alle etwa in einem Integrationssprachkurs Platz fanden, wollte das Jobcenter hier ein Überbrückungsangebot machen. Mit Informationen zum Arbeiten in Deutschland, mit Sprachförderung, mit Erstkontakt zum Arbeitsmarkt etwa über ein Praktikum.

Eine sozialversicherungspflichtige Arbeit fanden im Vorjahr übrigens 65 der vom Jobcenter betreuten Flüchtlinge. Die Integration in den Arbeitsmarkt sei "ein längerfristiger Prozess", betont Katja Sauerbrey immer wieder. "Zu glauben, diese Menschen kommen hierher, lernen Deutsch und arbeiten, kann so einfach nicht funktionieren."

Neben der Sprache hemmen auch berufsspezifische Herausforderungen und unterschiedliche Arbeits- und Wirtschaftsstrukturen, aber auch Denk- und Lebensweisen im Herkunftsland und im Zielland.