1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Neunkirchen

Am Tag der Architektur werden am Sonntag die Bliesterrassen vorgestellt.

Tag der Architektur : „Die Bliesterrassen werden zu einer Adresse”

Am Tag der Architektur werden am Sonntag die Bliesterrassen vorgestellt. Im Juli soll der zweite Bauabschnitt am Südufer beginnen.

Im Grunde genommen lässt sich die Idee von Luca Kist mit einem Satz auf den Punkt bringen. Er möchte "die Menschen an die Blies holen". Ein erster Schritt, um diese Idee zu verwirklichen, ist bereits getan: Am Nordufer der Blies in der Neunkircher Innenstadt wurde ein Platz geschaffen, der dazu einlädt, dort zu verweilen, wo einst eine schroffe Böschung dem Fluss einen eher unschönen Charakter verlieh: die Bliesterrassen.

Wenn der Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Kist von seinem "wichtigsten Projekt" erzählt, merkt man schnell, dass "wichtig" hier keine leere Worthülse ist - die Bliesterrassen bedeuten dem 43-Jährigen tatsächlich viel. Kist, in Neunkirchen aufgewachsen, hier zur Schule gegangen, lebt heute mit seiner Familie in seinem Elternhaus in der Nähe zur Innenstadt. "Natürlich ist das für mich etwas ganz Besonderes, hier, direkt vor meiner Haustür, an einem Ort meiner Kindheit. In keinem meiner Projekte steckt so viel Herzblut wie in diesem", betont Kist, der deutschlandweit große Bauprojekte betreut.

Und so gerät er beim Spaziergang entlang der Blies gleichermaßen ins Schwärmen, über das, was hier noch entsteht, und was bereits entstanden ist. Er spricht aber auch offen an, wo noch Verbesserungen notwendig sind. "Die Leute nehmen diesen Ort wahr. An manchen Wochenenden ist hier schon richtig Highlife. Die Bliesterrassen werden so genutzt, wie wir uns das vorgestellt haben", sagt Kist. Aber Gastronomie an den Terrassen, das würde er sich schon noch wünschen. "Bliestro" wäre ein passender Name dafür. Vorbereitet ist alles für einen kleinen Gastronomiepavillon mit ein paar Bistrotischen direkt an der Blies. Nur die Suche nach einem Betreiber scheint sich recht schwierig zu gestalten. Auf Anfrage teilt die Pressestelle der Stadt Neunkirchen knapp mit, dass die Stadt bemüht sei, einen Betreiber zu finden und bereits Kontakt zu einigen aufgenommen habe. Zuversichtlich klingt das nicht gerade, aber Kist ist es ohnehin wichtig, das Nordufer, also den ersten Bauabschnitt, in den Kontext zum gesamten Ensemble zu setzen, das mit der Fertigstellung des Südufers zu einem Ganzen wird. "Der Blick aufs Südufer ist derzeit noch nicht gerade sexy" sagt er.

Davon können sich die Besucher am Sonntag selbst überzeugen. Denn die Bliesterrassen sind das einzige Freiraumprojekt und das einzige Projekt im Kreis Neunkirchen, das am Tag der Architektur vorgestellt wird. Bei einer Führung will das Architekturbüro Dutt & Kist dann noch einmal die Tragweite des gesamten Bauprojekts ins Bewusstsein der Teilnehmer rufen, das im zweiten Bauabschnitt die unsexy Süduferseite in eine Aktivitäten-Zone verwandeln soll, "auf der es auch mal scheppern darf", so Kist. Während das Nordufer eher zum Verweilen und Ausruhen einlädt, soll gegenüber das Leben pulsieren. Nicht zuletzt wegen der Bühne, die in die Blies hineinragt. Auf der lässt Kist in Gedanken schon mal die Stones auftreten, die dann von der anderen Uferseite bejubelt werden. Aber auch wenn es wohl kaum die Rolling Stones sein werden, die die Bliesbühne rocken, das Ganze wirkt in der Tat sehr sexy.

An Ideen, diesen zweiten, barrierefreien Bauabschnitt, zu beleben, mangelt es dem Neunkircher nicht. "Vor dem Zweiten Weltkrieg war an dieser Stelle die Festwiese von Neunkirchen, zu der auch der 'Hahnenbalken' gehörte. Darauf saßen die jungen Kerle und warben um die Gunst der Damen", erzählt er. Ein solcher Balken sollte dann auch in Form eines Spielgeräts an die Festwiese erinnern. Aber weder dafür, noch für ein Trampolinfeld ist derzeit Geld da. "Aber", verspricht Kist, "Spielgeräte sind dennoch in Planung." Dass diese Aktivitäten-Zone drei Meter tiefer liegt als die Lindenallee, hat einen Grund. Denn die historische Stadtebene mit der Festwiese habe sich ebenfalls drei Meter unterhalb der heutigen Lindenallee befunden.

Das enorm große Bauprojekt ist - im Gegensatz zu anderen im Saarland - weder aufgrund einer Kostenexplosion noch wegen Terminüberschreitung in die Schlagzeilen geraten ist, was an dieser Stelle erwähnt werden sollte. Dass es noch bespielt werden muss, um zur Marke zu werden, auch.

Aber das, meint Luca Kist, werde sich im Laufe der Zeit noch etablieren. "Die Bliesterrassen werden zu einer Adresse", ist er sich sicher.

Zum Thema:

Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Luca Kist auf den Bliesterrassen mit dem fertigen Nordufer (links) und dem „unsexy“ Südufer. Foto: Thomas Seeber Foto: Thomas Seeber

Am Tag der Architektur werden im Saarland acht Bauprojekte bei Führungen vorgestellt. Die Führung über die Bliesterrassen ist am Sonntag, 25. Juni, 14 Uhr. Treffpunkt ist am blauen Infocontainer in der Lindenallee. www.aksaarland.de