Am Rande der Verleihung des Günter-Rohrbach-Filmpreises in Neunkirchen

Kostenpflichtiger Inhalt: Rohrbach Filmpreis : Rot leuchten Halle, Teppich und Prosecco

Die neunte Verleihung des Günter-Rohrbach-Filmpreises hatte nur einen Wermuts-Tropfen: Der Namensgeber konnte nicht persönlich kommen.

. Kurz nach 22 Uhr waren schon die ersten Platten „geputzt“. Dem Publikum der neunten Rohrbach-Filmpreis-Verleihung haben die lecker Schnittchen offenbar gemundet, die es im Anschluss an die knapp zweistündige Veranstaltung im Foyer der Gebläsehalle gab. Schinken, Käse, Fisch, die überwiegend geladenen Gäste griffen beherzt zu. Und bis die Platten aufgefüllt waren, da wechselte man auch schon mal zu Hackbällchen am Spieß, wie Kulturgesellschafts-Chef Markus Müller und Ehefrau Sylvia beispielsweise. Was in Neunkirchen Rang und Namen hat, ließ sich auch bei der neunten Auflage dieses größten gesellschaftlichen Ereignisses der Stadt gerne blicken: ob ehemalige OB-Kandidaten, spätberufene Models, Politiker aller Couleur, Neunkircher Kulturszene. Die Kleidung dabei in diesem Jahr einen Ticken legerer: Nicht alle Herren hatten sich in den guten Schwarzen und Krawatte oder Fliege gezwängt. Und auch die Damenwelt schlüpfte gerne mal in hellere Farben. Das kleine Schwarze durfte sehr gerne mal ein Hosenanzug sein. Wie beispielsweise bei der Mit-Organisatorin Cornelia Feld vom Stadtmarketing. Die hatte zum eleganten Hosen-Ensemble pinkfarbene Highheels vom Feinsten gewählt.

Vor Beginn der eigentlichen Preisverleihung hatte sie darauf gemeinsam mit „Mitstreiter“ Nicolas Schneider (im schwarzen Anzug inklusive Weste ganz klassisch schick) alle Füße voll zu tun. Schlag 19 Uhr war Einlass, auf dem roten Teppich gab es für jeden, der’s wollte, ein Foto. (Eingestimmt auf das Ereignis hat im Übrigen wie jedes Jahr die entsprechend angestrahlte Halle.) Die Ankunft der Künstler galt es abzupassen. Jury-Vorsitzende Margarete von Trotta beispielsweise, die im ebenfalls schwarzen Hosenanzug mit schmückendem Schal nach dem Foto erst mal einen Stock höher geleitet wurde in die Künstlergarderoben, um sich noch etwas zu erholen, bis sie dann zusammen mit ihren Regie- und Schauspielkollegen in der ersten Reihe Platz nahm. Das Foyer füllte sich derweil, die junge im Kutscherhaus ansässige Firma Tat und Drang filmte die Ankommenden. Daraus wird ein Film fürs nächste Jahr, genauso einer, wie er zur Einführung der Veranstaltung gezeigt wurde. Dank unter anderem Christina Schreiner, Aline Bernard und Ann-Cathrin Henkes gestaltete sich das Warten auf den Beginn der Verleihung vergnügsam, sorgten sie doch dafür, das immer gut gefüllte Gläser mit rotem Prosecco, Sekt und Orangensaft bereitstanden.

Um 19.30 begann der Saal sich zu füllen. Wie es von Seiten der Stadtpressestelle hieß, lief der Kartenverkauf in diesem Jahr wie geschnitten Brot. Umso unschöner, dass die Künstlerquote eher gering war. (Die wollen aber alle nächstes Jahr kommen, haben sie versprochen.) Drei Preisträger und vor allem Namensgeber Günter Rohrbach ließen sich entschuldigen. Die Preisträger per Videobotschaft. Der 91-jährige gebürtige Neunkircher mit einer von Moderator Peter Lohmeyer vorgetragenen brillant formulierten Lobeshymne an den Erfinder des Preises und Ex-OB sowie Vorsitzenden des Filmpreis-Stiftungsrates, an Jürgen Fried. Er habe den Strukturwandel angepackt mit Zähigkeit, lobte Rohrbach. Als er Fried vor neun Jahren seine Zusage zum Filmpreis gegeben habe, da sei er bei seinem Besuch in der Stadt erschrocken: keine Straßenbahn mehr, keine Toiletten am Bahnhof. „So viele Filmpreise kann man gar nicht erfinden, um das zu kompensieren.“ Was den Zustand der Borussia anbelange, da sei nun Frieds Nachfolger Jörg Aumann sein Hoffnungsträger.

Fried selbst hatte in seiner Funktion aus Stiftungsrat-Vorsitzender zuvor begrüßt. „Ich habe die letzten acht Jahre meine Rede immer mit den Worten begonnen: ‚erlauben Sie, dass ich jemanden begrüße’, nun ist Günter Rohrbach erkrankt und ich kann nur seiner Frau Angelika Wittlich die besten Genesungswünsche mitgeben.“ 61 Filme habe die Vorjury sich angesehen, acht für die Jury ausgewählt. „Ich danke da Margarete von Trotta, dass es ihr gelungen ist, uns zu einer einheitlichen Meinung zu kriegen“, gab’s eine kleine Spitze für die willensstarke Regisseurin. Dank gab’s für die Kreisstadt „zum ersten Mal sage ich das“, lächelte der Ex-OB und besonders für Feld und Schneider.

Nachdem Jury und Vorjury ihre Dankestüten erhalten, die ein (Bahnhof) oder andere (Hotel) Einrichtung der Stadt von Lohmeyer ihr Fett wegbekommen, Elm F. and the RooksAlicia Keys und Al Jarreu gespielt hatten, schlug die große Stunde des neuen OBs. Der war merklich aufgeregt und gab dies auch gerne zu aber auch „auf diesen Moment freue ich mich schon seit Jahren“. „Rohrbach ist der bedeutendste Mensch, den die Stadt die letzten 100 Jahre hervorgebracht hat, vielleicht sogar seit jeher.“ Sein Dank ging vor allem auch an Vorgänger Fried, der den Filmpreis zum Alleinstellungsmerkmal der Stadt gemacht habe. Ministerpräsident Tobias Hans sprach gar vom „Festival des Films“ und wünschte Aumann in Sachen Borussia alles Gute.

Gute Reden der Laudatoren, ein wunderbarer Beitrag von Preisträger Rainer Bock, schöne Dankesreden per Videobotschaft von den abwesenden Gewinnern, eine super Band mit einer grandiosen Sängerin – was soll man da auf die Frage eines der unterhaltsamsten Moderatoren ever „hat’s eich gefall?“ anderes antworten als „na klar!“.

Oberbürgermeister Jörg Aumann begrüßt Jury-Vorsitzende Margarete von Trotta. Foto: Elke Jacobi
Christina Schreiner, Aline Bernard und Ann-Cathrine Henkes (von links) sorgen für gefüllte Gläser bei Ankunft der Gäste. Foto: Elke Jacobi
Sorgten für die passende Musik: Elm F. and the Rooks. Foto: Elke Jacobi
Preisträger Rainer Bock dankte auf ganz besondere Art. Foto: Elke Jacobi
Begrüßung durch den Stiftungsrat-Vorsitzenden Jürgen Fried. Foto: Elke Jacobi
Ein Infoheft, auf den Plätzen ausgelegt, informiert. Foto: Elke Jacobi
In leuchtendem Rot verkündet die Halle, was stattfindet. Foto: Elke Jacobi

Übrigens: Wer den Siegerfilm „Systemsprenger“ gerne sehen würde. Heute um 20 Uhr und am Mittwoch um 17.30 Uhr läuft er in Neunkirchen im Cinetower im Rahmen der Filmreihe „Rollenwechsel“, von Kirche im Kino mit dem gewohnt guten Händchen für Preisträger-Filme schon längst und wie es nun passender nicht sein könnte ausgewählt. Eintritt: fünf Euro

Mehr von Saarbrücker Zeitung