Als das Schmieden ein lukrativer Job war

Museumsserie : Als das Schmieden ein lukrativer Job war

In der Alten Schmiede in Wellesweiler wird die Entwicklung der Handwerkskunst demonstriert.

Da würde er nicht schlecht staunen, der Daniel Hößler, wenn er das heute sehen könnte. 1925 war der im Jahr 1860 in Limbach geborene Schmied nach Wellesweiler gekommen. Dort baute er aus allem, was er so im Umkreis fand – wie es eben damals üblich war – das Gebäude der Schmiede, vermutlich auf einem bereits existierenden Vorgängerbau. 1880 war das. Bis ins Jahr 1925 betrieb Hößler die Schmiede. Eine gute Einnahmequelle damals, machten die Schmiede doch das Gezähe der Bergleute, die alle ihr eigenes Werkzeug brauchten. Auch als Hufschmied hatte Hößler einen guten Namen. 1925 übergab Hößler dann an Schlossermeister Franz Krewer. Huf- und Wagenschmiede war das Gebäude nun, Schlosserarbeiten und Maschinenreparaturen wurden hier gemacht. Bis zur Hochzeit 1939/40, als zu Beginn des Feldzuges gegen Frankreich die Wellesweiler Kavallerie hier stationiert war und jede Menge Schmiedenfertigkeit benötigte, ging es bergauf. Danach genauso schnell bergab bis zum Ende. Der, der das alles weiß und noch viel mehr, ist Hans-Günther Sachs. Vorsitzender des Wellesweiler Arbeitskreises für Geschichte, Landeskunde und Volkskultur.

Sachs hat ein ganz besonderes Verhältnis zur alten Schmiede, die quasi im Hof des Junkerhauses liegt. Das ist das älteste Haus des Ortes, stammt von 1685 und ist schon allein durch seine besondere Dachkonstruktion eine Augenweide. Hier hat Sachs als Kind mal gewohnt, ist noch immer voller Geschichten und Anekdoten, was das Haus und die vielen Kleinode, die sich hier auch schon angesammelt haben, anbelangt. Hier trifft sich auch regelmäßig der Arbeitskreis, hier finden Vorträge statt. Fast ist es schon ein kleines Heimatmuseum, soll aber nicht wirklich eins werden. „Dafür gibt es zu viele, die finanziell zu kämpfen haben“, sagt Sachs. Deshalb bleibt es bei der Schmiede. Die hatte Sachs selbst erstanden, hat sie zusammen mit seiner Frau 1999 gekauft. 2003 ging das Gebäude dann an den Verein. Von 2006 bis 2010 wurde dran gearbeitet. 70 000 Euro investiert. „Das Projekt war immer eines der Lieblingsprojekte des ehemaligen Landrates Rudolf Hinsberger, neben der Ölmühle Wern“, erinnert Sachs. Begonnen hatte man mit dem Dach, das eine für heutige Zeit ungewöhnliche Konstruktion hat, wer sich bei einer Führung traut, der darf gern die steile Holztreppe hochgehen. „Ich kann in der Mitte gerade so stehen“, lautet die Höhenbeschreibung von Sachs.

Im zehnten Jahr nach Eröffnung hat sich die alte Schmiede zu einem ungewöhnlichen Erlebnismuseum gemausert. Daran haben nicht nur die 48 Vereinsmitglieder ihren Anteil. Dass die Schmiede so gut gefüllt ist, das ist auch vielen privaten Spenden zu verdanken. Und dem heutigen Heimatverein aus Bexbach, der, als er noch der heimatkundliche Verein Höcherberg war, eine alte Schmiede gekauft hatte und den Inhalt gerne an die Wellesweiler weiterverkaufte. „Unsere Schmiede war ja leer.“ So kamen die Wellesweiler Heimatkundler auch zum Schmuckstück ihrer Schmiede: der Standbohrmaschine von 1880. „Vor der Elektrifizierung war das ein tolles Teil, wo sonst vier Menschen aktiv werden mussten, genügte nun ein einziger“, demonstriert Sachs gerne, wie das funktionierte. Die passenden Bohrwerkzeuge sind auf einem Regal direkt darüber angebracht, der Riesenblasebalg hängt an der Decke. A propos Decke: Da finden sich jede Menge Transmissionen, die früher die Maschinen angetrieben haben. „Wir zeigen hier durchaus den Übergang von der alten zur modernen Schmiede.“ Eine Biegemaschine gibt es, mit der man früher die Räder in Form brachte, eine Drehbank von 1920 und viele, viele Kleinigkeiten. „Die Leute bringen uns immer mal was.“

Besuchen kann man die Schmiede zurzeit während des Weihnachtsmarktes im Ort und zum Tag des offenen Denkmals im September. Dann sind echte Schmiede vor Ort und zeigen, wie ihr Handwerk ging und geht. „Wir machen das nur, wenn wir Leute vom Fach haben, alles andere ist Unsinn“, erklärt Sachs. Deshalb ist er froh um die Patenschaft, die die Firma Ecker gerade übernommen hat. „Die schicken uns dann bei Bedarf ausgebildete Schmiede.“ Wenn Schulklassen kommen beispielsweise. Für die gibt es ein museumspädagogisches und ein schulpädagogisches Gutachten.

Los geht es mit einer Vorführung über die Eisenverhüttung im alten Junkerhaus, dann geht es in Zehnergruppen in die Schmiede („mehr sind aus Sicherheitsgründen nicht gestattet“), die anderen basteln derweil. Am Ende gibt es eine liebevoll und aufwändig gestaltete Urkunde mit vielen Informationen. Das alles kostet natürlich Zeit und Geld und deshalb auch 150 Euro pro Schulklasse. „Das ist manchen leider zu viel“, bedauert Sachs. Eine Menge Infos zum Verein im Allgemeinen und zur Alten Schmiede im Besonderen mit Kontaktdaten für an Führungen Interessierte gibt es im Internet unter www.wak-geschichte.de.

Alle Serienteile finden sich im Internet:

Hans-Günther Sachs macht in Sachen Heimatkunde so schnell keiner was vor. Ihm ist es zu verdanken, dass die Alte Schmiede erhalten blieb. Foto: Jörg Jacobi
Blick auf die alte Schmiede. Von 2006 bis 2010 wurde das Gebäude saniert für insgesamt rund 70 000 Euro. Foto: Jörg Jacobi
Die Standbohrmaschine mit Fußantrieb aus dem Jahr 1880, links, gehört zu den Prunkstücken der Einrichtung. Foto: Jörg Jacobi
An der Decke des Gebäudes befinden sich jede Menge Transmissionen, Antriebsräder mit Riemenbetrieb. Foto: Jörg Jacobi
Eine Gesenkplatte für die verschiedensten Formen. Foto: Jörg Jacobi
Verschiedene Teile, die für die Standbohrmaschine benutzt werden. Foto: Jörg Jacobi
Eine Drehmaschine von 1920, dahinter an der Wand ein Foto von Daniel Hößler, dem Erbauer und Erstbetreiber der Schmiede. Foto: Jörg Jacobi
Hans-Günther Sachs vorm Junkerhaus gegenüber der Schmiede. Das älteste Haus des Ortes (von 1685). Foto: Jörg Jacobi

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