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Ärzte kommen in die Wechsel-Jahre

Ärzte kommen in die Wechsel-Jahre

Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung: In der Stadt Neunkirchen könnte bis 2022 jeder zweite Hausarzt aufhören.

Auf Hausärzte warten in unserer Region offene Stellen. Bis zum Erreichen der Sperrgrenze könnten sich noch 6,5 Allgemeinmediziner zusätzlich niederlassen. Das rechnet auf SZ-Anfrage die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Saarland vor. Diese Zahl gilt für den Planungsraum Neunkirchen (Neunkirchen, Ottweiler, Illingen, Merchweiler, Schiffweiler und Spiesen-Elversberg). 6,5 unbesetzte Hausarztstellen meldet die KV ebenfalls für den Planungsraum Lebach mit Eppelborn. Für Fachärzte zeigen sich im Landkreis Neunkirchen laut KV derzeit keine offene Stellen.

Hintergrund: Wer als Arzt gesetzlich versicherte Patienten in der eigenen Praxis behandeln möchte, muss Vertragsarzt einer Kassenärztlichen Vereinigung sein. Wie viele Arztsitze es in den Regionen gibt, regelt die so genannte Bedarfsplanung. Gebietsweise wird festgelegt, wie viele Ärzte welcher Fachrichtung sich dort niederlassen dürfen. Eine Verhältniszahl regelt, wie viele Ärzte einer Fachrichtung auf wie viele Einwohner kommen. Je spezialisierter die Ärzte-Gruppe, desto größer der Planungsraum für ihre Niederlassungen (siehe Info).

Saarlandweit sind derzeit 33,5 Hausarztstellen nicht besetzt. Gesundheitsministerin Bachmann stellte jüngst zusammen mit KV und Hausärzteverband ein Maßnahmen-Bündel zum Gegensteuern vor - Förderung von Hausärzten in ländlichen Regionen und Stipendienprogramm für angehende Ärzte (die SZ berichtete). Aktuell sind laut Ministerium im Saarland 669 Hausärzte als Vertragsärzte tätig. Mehr als jeder Dritte von ihnen erreicht in den nächsten fünf Jahren das 65. Lebensjahr. Bachmann: "Da es für Vertragsärzte keine Altersgrenze gibt, kann unsererseits keine Zahl beziffert werden, wie viele Hausärzte in den nächsten fünf Jahren ihre Praxis aufgeben werden. Mit konkreten Engpässen ist in dieser Zeit im Saarland allerdings nicht zu rechnen."

Schauen wir auf unsere Region: Im Landkreis Neunkirchen praktizieren derzeit 83 Hausärzte als Kassenärzte - 27 in Neunkirchen, sieben in Ottweiler, acht in Eppelborn, 13 in Illingen, sieben in Merchweiler, neun in Spiesen-Elversberg und zwölf in Schiffweiler. Die Altersstruktur liegt im Kreis mit 55,4 Jahren leicht über dem Durchschnitt der saarländischen Allgemeinmediziner insgesamt (55,1), stellt die KV fest. Vorausgesetzt, die Vertragsarzt-Tätigkeit werde mit 65 aufgegeben, höre beispielsweise in der Stadt Neunkirchen bis 2022 jeder zweite Hausarzt auf. Und auch jeder vierte Facharzt sei hier dann zu ersetzen.

Aktuell bieten im Landkreis insgesamt 125 Frauen und Männer Sprechstunden an zu ihren Fachgebieten zwischen Augenheilkunde und Urologie.

Zwei Fachärzte und fünf Hausärzte im Kreis suchen nach Wissen der KV derzeit einen Nachfolger. Ohne Nachfolger seien seit 2012 vier Hausarztpraxen geschlossen worden - zwei in der Stadt Neunkirchen, eine in der Gemeinde Illingen und eine in der Gemeinde Spiesen-Elversberg.

Zum Thema:

Im niedergelassenen Bereich steht ein Generationenwechsel an. In den nächsten Jahren werden im Saarland zirka 45 Prozent der Hausärzte und 38 Prozent der Fachärzte das Rentenalter erreichen. www.kvsaarland.de