| 20:27 Uhr

Zucker
Acht Stück Würfelzucker täglich sind erlaubt

Neunkirchen. Ernährungsexperten der KKH geben Tipps zum verantwortungsvollen Umgang mit Zucker. Denn Zucker ist nicht gleich Zucker.

Zucker gehört mit zu den am häufigsten verwendeten Nahrungsmitteln und steht aufgrund seiner gesundheitsschädigenden Wirkung aktuell in der Kritik. Der Jahresverbrauch von Zucker liegt in Deutschland bei rund 35 Kilogramm pro Person. Das entspricht täglich rund 100 Gramm oder 32 Stück Würfelzucker und ist damit für die Gesundheit deutlich zu viel: Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, für Erwachsene fünf Prozent des täglichen Energiebedarfs mit zugesetztem Zucker zu decken, also lediglich knapp 24 Gramm oder knapp acht Stück Würfelzucker täglich. Ausgenommen ist bei dieser Empfehlung der in frischem Obst, Gemüse und Milch enthaltene natürliche Zucker.


Aber ist Zucker denn gleich Zucker? „Nein“, sagt Wiebke Linnemann, Ernährungsexpertin der KKH Kaufmännische Krankenkasse in Hannover. „Es kommt auf Zuckerart und -menge an, wenn sie einen direkten Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Gewicht haben soll.“ Grundsätzlich gilt: Der klassische Haushaltszucker, aber auch industriell hergestellte Zuckerarten in verarbeiteten Lebensmitteln, wirken sich in zu hohen Mengen schädlich auf den Stoffwechsel im Körper aus, während der Zucker, wie er in Früchten, Gemüse oder vollwertigen Lebensmitteln vorkommt, für den täglichen Energiebedarf wichtig und gesund ist.

Einfachzucker, die häufig in industriell gefertigten Lebensmitteln enthalten sind, werden vom Körper am schnellsten verstoffwechselt, was zu starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels führt. Heißhungerattacken sind damit vorprogrammiert. Zudem kann der menschliche Körper diese einfachen Kohlehydrate nur in begrenzten Mengen speichern. Alles, was darüber hinausgeht, wird direkt in Fett umgewandelt und landet auf den Hüften, Bauch und Po.

Mehrfachzucker lassen den Blutzuckerspiegel dagegen langsam ansteigen. „Dies schützt auch eher davor, nach dem Essen müde zu werden“, erklärt Linnemann. „Deshalb spielen natürliche und unverarbeitete Lebensmittel eine wichtige Rolle, weil sie genügend Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe enthalten. Sie wirken verdauungsregulierend und halten zudem länger satt.“ Dazu gehören Gemüse und Getreideprodukte sowie Hülsenfrüchte. Aber auch ganzes, frisches Obst zählt dazu. Die in Obst enthaltene natürliche Fruktose ist im Gegensatz zur synthetisch hergestellten Fruktose deutlich gesünder. Wer abnehmen möchte, sollte jedoch beachten, dass Bananen, süße Äpfel, Mangos und Ananas deutlich mehr natürlichen Fruchtzucker enthalten als frische Aprikosen, Beeren, Kirschen und Kiwis.

„Längerfristig kann eine zuckerreiche Ernährung mit Weißbrot, Frühstückscerealien, Gebäck, Pizza, Süßigkeiten und zuckerhaltigen Limonaden zu Gesundheitsproblemen und Krankheiten wie Diabetes Typ 2 führen“, sagt Wiebke Linnemann. „Deshalb ist es ratsam, auf Fertigprodukte zu verzichten oder den Verzehr deutlich einzuschränken.“ Vorsicht ist auch vor künstlichen Süßungsmitteln (wie Aspartam und Saccharin) geboten. Sie steigern das Verlangen nach Süßen und mehr Nahrung, was zu einer vermehrten Kalorienaufnahme führt und das Körpergewicht in die Höhe schnellen lässt.