Abschied von einer „Perle“: An Allerheiligen wird die letzte Messe in St. Pius Neunkirchen gefeiert

Neunkirchen · Das mobile Inventar des Gotteshauses sucht neue Nutzer. Die Orgel steht derzeit im Internet zum Verkauf. Einiges kommt ins Diözesanmuseum, anderes in den Fundes nach Trier. Und das Taufbecken kann eine Saarbrücker Pfarrei brauchen.

 Die Pius-Kirche in der Steinwaldstraße. Für sie gibt es einen Kaufvertragsentwurf mit den Pallottinern. Im Pfarrhaus sollen Gruppenräume entstehen, die Kirche als Mehrweckhalle dienen. Fotos: Willi Hiegel

Die Pius-Kirche in der Steinwaldstraße. Für sie gibt es einen Kaufvertragsentwurf mit den Pallottinern. Im Pfarrhaus sollen Gruppenräume entstehen, die Kirche als Mehrweckhalle dienen. Fotos: Willi Hiegel

Kein Te Deum mit großem Glockengeläut. Dafür ein Hoffnungslied. So wird Organist Stefan Recktenwald die letzte Messe in der Pius-Kirche am Sonntag, 1. November, mit der Gemeinde ausklingen lassen. Orgelspiel, Musikgruppe, Schola setzen zuvor noch einmal musikalische Akzente (Beginn 10 Uhr). "Wir geben eine Perle auf, aber wir haben die Hoffnung, dass sich Neues ergibt", sagt Pfarrer Michael Wilhelm.

Die Pfarrei St. Marien Neunkirchen (rund 9500 Katholiken) trennt sich in diesem Jahr von drei ihrer vier Kirchen: An Ostermontag wurde St. Barbara Heinitz profaniert - Grundstück und Gebäude sind verkauft, die Pfarrgemeinde mietet einen Versammlungsraum an. Jetzt folgt an Allerheiligen die Pius-Kirche in der Steinwaldstraße. Hier gibt es einen Kaufvertragsentwurf mit den Pallottinern. Im Pfarrhaus sollen Gruppenräume entstehen, die Kirche als Mehrweckhalle dienen. Das Pfarrheim als Versammlungsstätte bleibt bei der Kirchengemeinde. Am 21. November schließlich wird auch die letzte Messe in Herz Jesu gefeiert.

Stefan Recktenwald ist St. Pius seit Jahrzehnten als Organist und Küster eng verbunden. Was ihm den Abschied leichter mache, sagt der 53-Jährige, sei, "dass die Fusion so gut geklappt hat". Zum 1. Januar 2012 waren St. Marien und St. Pius/St. Vincenz zusammengegangen. Ein Lenkungsausschuss begleitete die Zusammenführung. Als es darum ging, wie der sechsköpfige Ausschuss zusammengesetzt sein soll, da entschied man sich nicht proportional zur Größe für eine Mehrheit für St. Marien, sondern gleichberechtigt für drei Vertreter von jeder Seite. Wie das ablief, das verursache ihr heute noch "Gänsehaut", sagt Hildegard Meiser, Mitglied für St. Pius im Lenkungsausschuss: "Das hat Vertrauen geschaffen und eine gute Zusammenarbeit möglich gemacht." Meiser hat auch die Fotos für ein Faltblatt "Zum Andenken an die Pfarrkirche St. Pius" gemacht, das jetzt zum Abschied verteilt wird (siehe "Am Rande").

Das mobile Inventar des Gotteshauses sucht nun neue Nutzer. Die Orgel steht derzeit im Internet zum Verkauf - für 69 000 Euro. Altarkreuz und Vorhaltekreuz, Tabernakel, Kelch und Monstranz kommen ins Diözesanmuseum. Altar mit Beistelltisch geht in den Fundus nach Trier. Das Taufbecken und zwei Weihwasserbecken kann die St.-Augustinus-Gemeinde in Saarbrücken brauchen. Für die Marienstatue gibt es in der Pfarrei einen Interessenten. Die Holzfigur von Pius X. - einst durch Spenden ein Geschenk für Pater Leo Wiszniewsky und von ihm der Kirche überlassen - geht zurück an den Beschenkten. Pater Leo wird ebenso wie Pater Herbert Heuel als Gast seitens der Pallottiner beim Abschiedsgottesdienst dabei sein.

Die Predigt überlässt Pfarrer Wilhelm an diesem Tag einem anderen: "Ich habe drei ehemalige Praktikanten für die drei Predigten bei den Abschieden von unseren drei Kirchen in diesem Jahr beauftragt", erzählt Wilhelm. "Sie alle hatten mit den jeweiligen Kirchen zu tun." In St. Barbara Heinitz predigte Marco Weber, heute Bischofskaplan in Trier. In St. Pius wird es Andreas Kern tun, heute Kaplan in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Und in Herz Jesu am 21. November kommt Heiko Marquardsen, heute Kaplan in Wittlich.

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RückblickPfarrkirche St. Pius: Am 11. Dezember 1960 wurde das Gotteshaus geweiht, am 1. November 2015 wird es entweiht. Die Kirche ist 36,50 Meter lang, 21,40 Meter breit und 11 Meter hoch. Der Turm ragt 43 Meter auf. Quelle: Chronik

 Hildegard Meiser

Hildegard Meiser

 Michael Wilhelm

Michael Wilhelm

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Am RandeDas Faltblatt "Zum Andenken an die Pfarrkirche St. Pius" dokumentiert im Bild auch die besondere Aufteilung des Innenraums. Pater Spira hat 2003 dafür gesorgt, dass die Ausrichtung der Kirchenbänke zum Altar an der Stirnseite aufgebrochen wurde. Der Altar kam in die Mitte, die Kirchenbänke wurden im Rund gestellt. "Pater Spira wollte mitten unter der Gemeinde sein", sagt Stefan Recktenwald. Die Änderung sei etwas Einschneidendes gewesen: "Wir konnten danach noch schöner feiern." Hildegard Meiser - in St. Marien katholisch sozialisiert - ist inzwischen auch in St. Pius heimisch: "Die Kirche hat mir gleich unheimlich gut gefallen, mit ihrem warmen Sandstein. Sie war auch sehr meditativ." Weitere Andenken-Motive: Das liegende Kreuz über dem Altar, Sakristei-Glöckchen, Pius-Figur, Fensterbild Papst Pius, Kirchenfenster und auch Ausschnitte aus dem Kreuzweg, den die Jung-Pfadfinder "Die Kirchenmäuse" in Stempeltechnik auf Holzplatten gestaltet haben. cle

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