Abschied von einem Aufrechten

Neunkirchen. Rund zwei Monate hatte Günter Kremer Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen, kurz nach seinem 61. Geburtstag zum 1. November in den Ruhestand versetzt zu werden

Neunkirchen. Rund zwei Monate hatte Günter Kremer Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen, kurz nach seinem 61. Geburtstag zum 1. November in den Ruhestand versetzt zu werden. Im Rahmen der saarländischen Polizeireform war Mitte August überraschend der Beschluss bekannt gemacht worden, das Berufsleben des Neunkircher Polizeidirektors nach 41 Jahren im Polizeidienst - davon die letzten elf in Neunkirchen - zu beenden. Gestern Nachmittag marschierten nun an Kremers alter Wirkungsstätte (fast) alle auf, die bei der Polizei etwas zu sagen haben oder hatten. Dazu politische Prominenz, Vertreter der Kommunen und Institutionen, mit denen er zusammengearbeitet hatte, Freunde und viele mehr. Kriminalhauptkommissar Helmut Berg hatte bei der Begrüßung viel zu tun. Von Amtsleitern über Bürgermeister bis zum Zoodirektor war alles vertreten.Als alter Weggefährte hielt Landespolizeidirektor Ulrich Schmal die Abschiedsrede. Dabei beließ er es nicht bei der chronologischen Darstellung von Kremers Berufskarriere, sondern zeichnete ein differenziertes Bild der polizeilichen Führungskraft Günter Kremer. Offen sei Kremer gewesen, diskussionsbereit, seine eigene Meinung verteidigend, Kontroversen nicht scheuend, aber immer mit Respekt für das Gegenüber. Nie habe er, den Wunsch etwas zu erreichen über die Wirklichkeit triumphieren lassen, immer habe er alle Beteiligten fair auf dem Weg zum Ziel mitnehmen wollen. Bezug nehmend auf ein Goethe-Wort wünschte Schmal dem scheidenden Polizeidirektor, dass bei der Betrachtung seines langen Arbeitslebens "das Gelungene hervortreten und ihn erheitern möge".

Der Neunkircher Oberbürgermeister würdigte Günter Kremer als Beamten, dem die Menschen und die Kommunen seines Wirkungsgebietes immer am Herzen gelegen hätten. Er habe sich vielseitig eingebracht in das Gemeinwesen Stadt Neunkirchen.

Ohne Bitterkeit verabschiedete sich Kremer von seiner Neunkircher Arbeitsstätte, auch wenn "andere jetzt ganz wild" auf die Führungsposition seien. Neunkirchen sei das "Sahnehäubchen" seiner Arbeit gewesen, so der Saarbrücker. Er sei zwar "dann mal weg", aber weiter Neunkirchen und den Neunkirchern verbunden, so Günter Kremer.

Weil ihr bisheriger Chef immer auch ein "Leben neben dem Beruf" pflegte, verehrten ihm seine Mitarbeiter einen symbolischen "Flieger" nebst finanziellen Mitteln für die nächste Städtereise. An der Masse der Abschiedsgeschenke hatte Kremer nach dem Umtrunk schwer zu tragen.sl

"Er hatte auch Freude an Kontroversen, vertraute der Kraft der Polemik."

Ulrich schmal,

Landespolizeidirektor