Picasso war ihm Freund un Mentor : Heute vor 50 Jahren starb der Künstler Franz Schnei

Eine Woche nach seinem 70. Geburtstag verstarb im Jahr 1971 der Neunkircher Künstler Franz Schnei. Von all seinen Arbeiten bleiben die Mosaiken fürs ehemalige Hallenbad unvergessen.

Jeder Neunkircher kennt ihn. Zumindest jeder, der noch bewusst das ehemalige Stadtbad am Mantes-La-Ville-Platz besucht hat oder der heute in die Sauna des Kombibades Die Lakai geht. Im  Foyer und im Restaurant des ehemaligen Hallenbades hat der Künstler Franz Schnei seinen größten Auftrag ausgeführt: Kachelbilder, die er sogar selbst gebrannt hat. Im Jahr 1960 war das. Bis dahin aber hatte der Künstler ein aufregendes und stellenweise steiniges Leben hinter sich. Vor sich hatte er leider nicht mehr allzuviel, denn am 26. Oktober 1971, heute vor 50 Jahren, starb der Künstler in einem Sanatorium in Nonnweiler – eine Woche nach seinem 70. Geburtstag.

Für die KPD im Stadtrat

Schnei war kein gebürtiger Neunkirchen. Am 19. Oktober 1901 war er als Carl Franz Scheider in St. Johann als Dritter von vier Söhnen eines Tischlermeisters geboren worden. Er absolvierte eine Lehre als Plakatmaler und Dekorateur bei den Gebrüdern Sinn in Saarbrücken, besuchte die Kunstgewerbeschule in Trier. 1920 wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei. Während seines Studiums an der Akademie für angewandte Künste in München verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Plakatmaler. 1925 heiratete Schnei Eugenie Hertel, die Ehe scheiterte, Schnei zieht nach Neunkirchen um. 1926 übernimmt er die Reklameleitung des Kaufhauses Josef Levy Wwe in Neunkirchen und Friedrichsthal, des späteren Kaufhof. 1930 bis 1935 ist Schnei als Mitglied der KPD-Fraktion im Stadtrat von Neunkirchen, ab 1933 als ehrenamtlicher Beigeordneter. 1933 lernt er seine spätere Frau kennen. Es entstehen Aquarelle und Ölgemälde, zu den frühen freien Arbeiten gehört der Frauenakt an einer Quelle von 1934. 1935 zieht der Künstler als politisch Verfolgter nach Metz, arbeitet als Plakatmaler und dann als Dekorateur auf Wanderschaft. 1938 wird Sohn Dieter geboren. Bei Kriegsbeginn 1939 wird Schnei interniert, 1940 heiratet er Friedel Brandstetter, meldet sich für kurze Zeit zur Fremdenlegion. Nach seiner Rückkehr wird er 1941 verhaftet und kommt ins KZ Oranienburg, wo ihn 1945 die Russen befreien. 1946 kehrt er mit seiner Familie zurück ins Saarland, nach Neunkirchen.

Eigene Brennöfen

Franz Schnei arbeitet vornehmlich in der Werbung, sein Atelier füllt sich außerdem mit neuen Ölbildern, Aquarellen, Zeichnungen und Linolschnitten. 1949 ist er als saarländischer Delegierter beim Weltfriedenskongress in Paris. Dort lernt er unter anderem Pablo Picasso, Marc Chagall und Anna Seghers kennen. Vier Jahre später besucht er Picasso in Südfrankreich. Die nächsten Jahre wird er immer wieder nach Vallauris fahren. Picasso überzeugt ihn davon, sich Kunst und vor allem auch Keramik zu widmen. Wie Professor Wilhelm Weber anlässlich des 85. Geburtstages von Schnei schreibt, hat Picasso Schneis Linolschnitt-Technik zum Druck seiner Werke genutzt. Beim Wettbewerb der Nationen 1955 in Cannes holt Schnei seine größte Auszeichnung für seine Keramiken: Das Ehrendiplom der goldenen Medaille. Im selben Jahr ist Schnei Gründungsmitglied des Künstlerkreises Neunkirchen. Eine erste umfangreiche Ausstellung seiner Werke – Gemälde, Aquarelle, Handzeichnungen, Linolschnitte, Keramiken – findet 1957 in Homburg statt. Weitere Ausstellungen folgen. Er macht Auftragsarbeiten unter anderem ein keramisches Wandbild in St. Ingbert, für eine Schule und einen Kindergarten in Neunkirchen. Schnei hatte Ateliers mit eigenen Brennöfen in der Heizengasse und der Langenstrichstraße. 1965 zieht Schnei in sein eigenes Haus mit Malatetellier, Keramikatelier und Brennraum. Am 16. Oktober 1971 feiert er seinen 70. Geburtstag. Am 26. Oktober stirbt Carl Franz Schneider, genannt Schnei. Nicht nur mit den Kacheln im ehemaligen Stadtbad hat er sich ein ewiges Denkmal gesetzt.