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50 mal Spaß am Eisweiher

Letzte Wartungs- und Aufbauarbeiten am Scooter: Vasile Aldea (l.) und Nico Aslan stellen die Autos auf. Foto: Thomas Seeber
Letzte Wartungs- und Aufbauarbeiten am Scooter: Vasile Aldea (l.) und Nico Aslan stellen die Autos auf. Foto: Thomas Seeber FOTO: Thomas Seeber
Neunkirchen. Seit Dienstag werden auf dem Eisweiher schwere Eisenteile geschleppt und verschraubt. Gestern liefen die finalen Vorbereitungen für die Neunkircher Kerb. 50 Betreiber mit ihren Ständen und Fahrgeschäften sorgen vom 26. bis 30. August für Spaß und Verpflegung. Ob die Hitze Amüsierwillige abschreckt, wird man sehen. Anja Kernig

. Irgendwie rührend dieser Anblick, der sich gestern Morgen auf dem Eisweiher im Fahrgeschäft von Jutta Haddzis bot: Nach anderthalb Tagen schweißtreibenden Aufbaus checkten die Mitarbeiter zum guten Schluss die Technik der Elektroautos, Chaisen genannt. Auf die Seite gelegt, erinnerten die zwei Meter langen und 240 Kilo schweren Fahrzeuge an überdimensionale Käfer, die hilflos mit den Beinen wackeln.



Alles muss flutschen, wenn am Freitagnachmittag die Lichterketten eingeschaltet werden und schmissige Musik aus den Lautsprechern tönt. Vor allem die Stromabnehmer sind anfällig. Deshalb widmeten die Männer den "Bürsten" bei ihrer Inspektion besondere Aufmerksamkeit. Das Schätzchen mit Baujahr 1963 wird "gehegt und gepflegt", betonte Roland Haddzis. Theoretisch könnte man damit noch lange Geld verdienen. "Diese Autoscooter sind für die Ewigkeit gebaut." Aber in zwei Jahren wird Haddzis 65. Dann geht er nach 44 Jahren Jahrmarkt in den Ruhestand. Ein Abschied zur rechten Zeit. In zehn Jahren, glaubt er, wird es die kleinen Kirmesfeste nicht mehr geben. "Die Kosten sind einfach zu hoch." Dazu kommt das schwindende Interesse. "Mit den Halbstarken ist uns eine komplette Generation weggebrochen", ergänzt Patrik Sartorio vom Getränkestand nebenan, dem der Scooter einst gehörte. Er wird der letzte in seiner Familie im Schaustellergewerbe sein. Gegründet hat es Patriks Urgroßvater einst in St. Ingbert. Seine Kinder lernen "zum Glück etwas Anständiges", fügt der 52-Jährige hinzu und sinniert über die Konkurrenz durch Vereine und Dorffeste. "Wir sind die Einzigen, die davon leben müssen." Schlecht zu sprechen ist Sartorio vor allem auf die Redener Alm: "Die macht die Kirmes rundrum kaputt." Das Wetter ist auch so ein Faktor, der die Schausteller zittern lässt. "Hitze wirkt sich genauso aus wie Regen", weiß Haddzis. "Da gehen die Leute ins Freibad und sind abends zu müde." Angekündigt haben die Meteorologen Rekordtemperaturen. Wobei man damit immer rechnen muss: Die Neunkircher Kerb öffnet nun mal traditionell am letzten Augustwochenende. 50 Betreiber sind diesmal dabei, davon 15 mit kulinarischen Angeboten von Eis bis hin zu Pizza . Bis auf das traditionelle Feuerwerk ist kein Rahmenprogramm vorgesehen. Statt Livemusik gibt es Konserve. "Ohne Sponsoring ist nicht viel machbar", lässt Marktleiter Günther Wilems wissen. Um "große Kracher" bei den Fahrgeschäften präsentieren zu können, bräuchte es Zuschüsse. Im Neunkircher Rathaus finde man leider nur wenig Rückhalt für die Kirmes. "Wenn wir das Musicalprojekt wären", läge die Sache anders, flachst Wilems. So sei auch noch nicht geklärt, ob am Freitagabend um 19 Uhr wieder eine Eröffnung mit Fassbieranstich zu Stande kommt. Den Spaß an der Kerb wolle man sich trotzdem nicht vermiesen lassen. "Man muss positiv denken", sagt Roland Haddzis und genehmigt sich einen Kaffee in der nahen Bäckerei, von deren Außenbestuhlung er den in der Sonne schwitzenden Eisweiher gut im Blick hat.

Zum Thema:

Auf einen Blick Die Neunkircher Kirmes lädt vom 26. bis 30. August ein. Feste Öffnungszeiten gibt es keine. Anlaufen wird das bunte Treiben auf dem Eisweiher laut den Organisatoren am Freitag gegen 15 Uhr. Für 22. 30 Uhr ist das Höhenfeuerwerk, das vom Betriebshof aus gestartet wird, vorgesehen. Samstag und Sonntag lohnt ein Besuch ab 14 Uhr, montags und dienstags ab 12 Uhr. nig