100-Tage-Bilanz von Kulturgesellschafts-Geschäftsführer Markus Müller

Kulturgesellschaft : Herr Müller bittet bald in sein Büro

Seit Februar ist der ehemalige Pressesprecher der Stadt in seiner neuen Position. Eine 100-Tage-Bilanz.

Die Hundert ist eine schöne runde Zahl. Sie eignet sich deshalb vorzüglich dazu, Bilanz zu ziehen. Seit Februar ist Markus Müller Geschäftsführer der Neunkircher Kulturgesellschaft. Die SZ sprach mit ihm.

Ist Markus Müller denn inzwischen ganz im neuen Büro und in der neuen Position angekommen?

Markus Müller: Ja, ich bin wirklich ganz in meinem Büro angekommen und habe mein vorheriges auch komplett aufgelöst.

Ist alles so gelaufen, wie erwartet?

Müller: Diese Frage stelle ich mir nicht. Ich kann aber sagen, dass ich hier tagtäglich auf Menschen treffe, die sich mit Herzblut und Kompetenz für die Kultur in Neunkirchen einbringen. Was kann es Schöneres geben für einen Neuankömmling? Dafür bin ich allen sehr dankbar. Ich empfinde dies auch nicht als Selbstverständlichkeit.

Was war die bislang größte Herausforderung?

Müller: Die größte Herausforderung war und ist sicherlich während des laufenden Geschäfts im Übergang und bei fixen engen Rahmenbedingungen ein Team wieder aufzubauen und nach vorne zu bringen. Dabei ist es uns auch gelungen, den extrem knappen Wirtschaftsplan aufzustellen, der vom Aufsichtsrat getragen wird.

Es ist sicher ein Jahr des Umbruchs und der Neujustierung, so haben Sie mal gesagt.

Müller: Ich denke, hier haben wir gemeinsam mit allen Kolleginnen und Kollegen der Kulturgesellschaft schon einiges erreicht, was Strukturen und Abläufe angeht, aber auch in der Zusammenarbeit mit unseren Partnern, von den Kollegen bei den Ämtern und Stellen der Stadtverwaltung, bei den befreundeten Mitgliedern im „Konzern Stadt“, von Sparkasse bis zur GSG und und und. Auch externe Gespräche wurden und werden geführt mit Partnern wie dem Poprat, dem Staatstheater, LAG Soziokultur und dem Landrat. Dazu kommt natürlich die intensive und fruchtbare Zusammenarbeit mit dem erfolgreichen Kulturverein in Sachen Förderung der Breitenkultur und die weitere Zusammenarbeit mit den kulturtreibenden Vereinen zum Beispiel bei der „Erdung“ des Stadtfests. „Wir machen Kultur“, so lautet der Leitspruch, den wir uns für 2019 auf die Fahne geschrieben haben. Und den die einzelnen Abteilungen, die wieder ins Leben gerufen wurden, aktiv und mit Leidenschaft umsetzen. Übrigens: Der saarländische Subtext, der unter diesem Leitspruch liegt, ist kein Zufall.

Was war die angenehmste Überraschung?

Müller: Dass es kaum unangenehme gab.

Würden Sie es wieder tun?

Müller: Ganz eindeutig: Ja.

Hat man denn in der knapp bemessenen Freizeit eigentlich noch Lust auf Kultur?

Müller: Durchaus. Ich sehe das aber zeitlich betrachtet auch eher ganzheitlich. Diese Lust auf Kultur empfinde ich für mich als wichtigen Nährboden für die inhaltliche Entwicklung unserer gGmbH. So fand ich unter anderem die Ausstellung der Tanzskulpturen in unserer Städtischen Galerie sehr inspirierend und erfolgreich obendrein. Das gilt auch für so manches Konzert oder Inszenierung, die ich in den letzten Wochen erleben durfte.

Bei der Amtsübernahme sollte ja noch nichts verraten werden, was so an Planungen ansteht. Kann man da inzwischen mehr sagen? Kommen Neuerungen?

Müller: Wie gesagt, es ist ein Jahr des Umbruchs und der Neujustierung. Dabei gehen wir gemeinsam Schritt für Schritt voran und sind natürlich schon in den Planungen für 2020 und darüber hinaus. So werden wir in der zweiten Jahreshälfte gemeinsam unsere Leitlinie entwickeln, an der wir uns in 2020 ausrichten wollen. Auch werden wir uns mit den Künstlern aus der Region zusammensetzen, die für den Kulturstandort Neunkirchen stehen und in 2020 auch wieder verstärkt stehen werden. Dazu werden wir dann in 2020 die Reihe „Müllers Büro“ starten, eine Art Mischung aus KreaTalk und „Inas Nacht“. So wollen wir die Kulturschaffenden präsentieren, die in einer Verbindung zu Neunkirchen stehen, von den kleinen Initiativen vor Ort bis zu europaweit agierenden Künstlern, und das Ganze unterhaltsam versteht sich. Als Partnerin in „Müllers Büro“ wird Edda Petri an meiner Seite aktiv sein. Wir wollen und werden Synergien schaffen, ein erstes Symbol dabei ist auch, dass wir inzwischen auch in der Gebläsehalle für die besonderen Ausstellungen in der Galerie werben. Das Angebot für die „Neunkircher Nächte“ konnten wir finalisieren und mit The Temptations ein weiteres Soul- und Funk-Highlight gewinnen. Mit Gregory Porter am 10. März konnte ich mit meinem Team einen, ja man kann sagen, Weltstar und Grammy-Gewinner für Neunkirchen verpflichten. All das kann nur ein ganz kleiner Einblick sein.

Und der Theater- und Musicalmann Markus Müller: tut da nicht das Herz ein bisschen weh, wenn jetzt das Projekt so mitten im Proben ist?

Müller: Ja, dass tut es. Als einer der Väter des Projekts bin ich aber dennoch auf dem Laufenden, was mein Kind so macht, und ein probenfreier Sonntag mildert den Herzschmerz auch ein wenig.

War denn in diesen 100 Tagen schon mal Zeit zum Luftholen?

Müller: Nein, nicht so wirklich, aber das ist ok so, im Moment noch. Aber mein Zuhause fordert jetzt auch sein Recht und das zu Recht. Nun ist auch hier mehr Achtsamkeit gefragt.
Und nach den Bliestagen geht es dann auch mal länger in Urlaub.

Auf welche Veranstaltung freuen Sie sich in der nächsten Zeit am meisten?

Müller: Uuuh, das fällt schwer bei unserem breiten Angebot. Na gut, dann treffe ich mal eine subjektive Auswahl, die ich morgen von den Schwerpunkten her schon wieder anders gestalten würde. Da ist als erstes die neue Ausstellung in der Städtischen Galerie ab dem 17. Mai. Da ist der Leiterin Nicole Nix-Hauck unter schwierigsten Rahmenbedingungen ein ganz außergewöhnlicher Ansatz gelungen. Drei völlig unterschiedliche Künstler präsentieren ihre Werke, Malerei, Druckgrafiken und Zeichnungen. Aber eins verbindet Patrik Fauck, Thomas Kitzingen und Christoph Schröder. Sie alle sind in Neunkirchen geboren und inzwischen bundesweit erfolgreich. Deshalb heißt die Ausstellung nicht ohne Grund „Heimspiel“. Ja und dann natürlich die Premiere des Musical-Highlights „Rocky Horror Show“, was wir als Partner mitbetreuen. Da wird es übrigens mit den Karten langsam knapp. Deshalb sollte man sich schnell seine Tickets sichern. Das gilt natürlich ohne Frage auch für das kommende Musical-Projekt im August. Und dann ist da noch das EAV-Konzert, da habe ich schon im Herbst Tickets geordert für eine Schauspielergruppe von mir, die teilweise extra aus Braunschweig, Berlin und Straßburg anreisen, das wird sicher auch ein großer Spaß. Genau so wie das Temptations-Konzert bei den „Neunkircher Nächten“. Laut wird es Gott sei Dank auch noch in diesem Jahr, zum Beispiel mit den Highlights für ein junges und junggebliebenes Publikum. Diese Zielgruppe kommt in Neunkirchen nicht zu kurz. Die Kulturgesellschaft bietet im Jahr mehr als 20 Veranstaltungen in diesem Bereich an. Die stilistische Vielfalt ist dabei sehr breit: von Punkrock über Comedy und Metal bis zu Hip-Hop und Singer/Songwritern. In diesem Jahr steht unter anderem noch das Punk-For-Help-Festival am 14. September, Die Happy am 11. Oktober und das Gloomaar-Festival am 16. November auf dem Programm. Dabei bewegen sich die Preise in der Regel zwischen günstigen zehn und 20 Euro. Mit der Kreiskarte gibt es außerdem die Möglichkeit, 50 Prozent Rabatt zu erhalten. Und im September feiert unsere erfolgreiche VHS ihren 70. Geburtstag und bald starten auch die neuen Kurse der Musicalschule. – Sie sehen also, wir machen Kultur!

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